Saftig, aromatisch, süss mit einem Touch Säure, fruchtig: So schmeckt die ideale Tomate. | © Andreas Hermsdorf/pixelio.de
29.08.2019 – Aktuell

Eine Frage des guten Geschmacks

«Hat es geschmeckt?» Die vom Servierpersonal in der Schweiz beim Abräumen oft eher lustlos hingeworfene Frage klingt wie eine bedeutungslose Floskel, trifft aber natürlich einen wichtigen Punkt. Beim Essen geht es nicht nur darum, satt zu werden, sondern auch darum, wie die Speisen munden. Konkreter: Wie sie sich auf der Zunge anfühlen, wie wir sie wahrnehmen, wenn wir davon kosten.

Der Geschmacksinn steht in diesem Jahr im Zentrum der Schöpfungszeit, die am 1. September mit dem Weltgebetstag für die Bewahrung der Schöpfung beginnt und am 4. Oktober, dem Gedenktag des heiligen Franz von Assisi, zu Ende gehen wird. Das Jahresthema von oeku Kirche und Umwelt gibt Anlass dazu, sich über die Funktion des Geschmacksinns, aber auch unseren Umgang mit Lebensmitteln und die Bedeutung des Essens in der Kirche Gedanken zu machen.

Essen spielt bereits im Alten Testament eine grosse Rolle. Schon im allerersten Kapitel findet sich eine – später wieder relativierte – Speisevorschrift: Menschen wie Tiere sollen sich ausschliesslich von Pflanzen ernähren (Gen 1,29–30). Die spirituelle Bedeutung des gemeinsamen Essens zeigt sich am Beispiel des letzten Abendmahls Jesu. Die symbolische Mahlgemeinschaft in der Erinnerung an die Selbsthingabe Jesu für die ganze Schöpfung steht im Zentrum des christlichen Gottesdienstes.

Wer keinen Geschmack für die irdenen Speisen und Getränke erworben habe, dem fehle auch der Geschmack für Gott, der uns im Brot und Wein der Eucharistie begegne, hält Michael Rosenberger, Professor für Moraltheologie an der Katholischen Privatuniversität Linz, in seinem Beitrag «Die Schöpfung schmecken lernen» in der Schweizerischen Kirchenzeitung (Ausgabe 10/2019) fest.

Zum Weltgebetstag für die Bewahrung der Schöpfung hat Papst Franziskus eine Botschaft veröffentlicht.

Regula Vogt-Kohler

oeku.ch

 

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