Alfred Alupo, hier beim Füttern seiner Hühner, gehört zu den 1600 Bäuerinnen und Bauern, die für die Teilnahme am ­Projekt Telis (Teso Livelihoods Support) ausgewählt wurden. | © Fabian Biasio/Caritas Schweiz
15.08.2019 – Aktuell

Eine Bauernfamilie in Uganda überwindet den Hunger

Caritas Schweiz hilft gemeinsam mit einer lokalen Organisation

Als der ugandische Bauer Alfred Alupo mit 19 Jahren die Verantwortung für den Hof seines Vaters übernehmen musste, stand er vor einer schier unlösbaren Aufgabe. Vieles lief schief, die Familie litt Hunger. Heute, zehn Jahre später, sind die Perspektiven deutlich besser, auch dank eines Projekts der Caritas.

 

«Das hier sind Kuhbohnen. Die Blätter kochen wir als Gemüse, und später ernten wir die Bohnen und verkaufen sie», erklärt Alfred Alupo stolz beim Rundgang auf seinem kleinen, aber schmucken Hof in der Provinz Teso im Osten Ugandas. In drei Rundhütten wohnen 14 Personen, die alle vom Ertrag der Landwirtschaft leben: Alfreds Frau Veronica, ihre drei Kinder, seine Mutter, zwei Schwestern, die eine von ihnen alleinerziehende Mutter von sechs Kindern. «Heute haben wir genügend zu essen für alle. Wir konnten die Erträge verbessern und bauen nun neben Hirse, Maniok und Erdnüssen auch Gemüse und Bohnen an», erläutert Alfred.

Bis es soweit war, machte die Familie harte Zeiten durch. Als sein Vater an Krebs starb, verstand Alfred nicht viel von der Landwirtschaft. Trotzdem musste der Teenager die Verantwortung für Hof und Familie übernehmen. Es herrschte Bürgerkrieg, jeder war auf sich allein gestellt. «In der ersten Zeit assen wir oft nur einmal pro Tag und mussten hungrig zu Bett.» Trotz der vielen Verbesserungen ist der Ackerbau auch heute mit grossen Risiken behaftet. «Das Klima hat sich verändert. Man kann das Wetter nicht mehr voraussagen. Manchmal kommt der Regen wie erwartet, manchmal bleibt er aus und die Trockenheit zerstört alles.» Deshalb braucht es andere Einkommensquellen.

 

Hühnerzucht ist wetterunabhängig

Auf dem säuberlich gepflegten Grundstück gackert und flattert es. Der grösste Fortschritt kam mit den Hühnern. Früher starben sie an Krankheiten dahin, deshalb gab niemand acht auf sie. Seit Alfred die Hühner impfen lässt, konnte er seinen Bestand ausbauen. Das neue Hühnerhaus ist sein ganzer Stolz. Alfred konnte es mit einem Kredit bauen, der ihm von der Bauernvereinigung zugesprochen wurde. «Ich hoffe, dass ich bald bis zu 200 Hühner darin unterbringen kann», erzählt der junge Bauer. Die Hühner kann Alfred für rund fünf Franken verkaufen, und zwar genau dann, wenn er das Geld benötigt. «Die Hühnerzucht ist wetterunabhängig und damit eine gute Antwort auf den Klimawandel», ergänzt Alfred.

 

Hilfe zur Selbsthilfe

Alfred hat all dies im Rahmen eines Projektes gelernt, das Caritas Schweiz zusammen mit der «Teso Initiative for Peace» durchführt. Diese kleine und agile Hilfsorganisation vor Ort war ursprünglich in der Friedensförderung aktiv. Sie bereinigte unter anderem ­viele Landkonflikte, die den Bauern in Folge des Krieges das Leben erschwerten. Nun fokussieren sie immer stärker auf die Hilfe zur Selbsthilfe für lokale Bauernfamilien, von denen die meisten mit bescheidensten Mitteln Landwirtschaft betreiben und damit auf keinen grünen Zweig kommen.

Das jüngste Familienmitglied ist bei unserem Besuch gerade erst zwei Wochen alt. Wegen einer Kolik mussten Alfred und seine Frau Veronica das Baby in die Krankenstation in der Provinzhauptstadt Soroti bringen. Die Mutter ist überglücklich, dass dem Jungen nichts fehlt. Dass sie den 20 Kilometer langen Weg nach Hause soeben auf dem Hintersitz eines Motorradtaxis über staubige Strassen zurückgelegt hat, das Baby in den Armen haltend, sieht man ihr nicht an. Ein Arztbesuch kostet Geld. Solche Ausgaben sind es, die Alfred früher nicht bezahlen konnte. Durch den ertragreicheren Anbau und die gezielte Hühnerhaltung verfügt er nun aber über ein kleines, aber stetig wachsendes Einkommen. «Wir sind sehr froh, dass wir die Schulkosten für unsere älteste Tochter bezahlen können» sagt Alfred. Er braucht weitere Einnahmen, denn er hat ja nun drei Kinder, und wer weiss, wann der nächste Krankheitsfall kommt.

Stefan Gribi, Caritas Schweiz