Glockenturm der Allerheiligenkirche in Basel. An den nächsten Sonntagen läuten in Basel die Kirchenglocken zu den Gottesdienstzeiten – auch wenn die Gottesdienste nicht stattfinden. | © Archiv kh
31.03.2020 – Aktuell

Ein Virus gibt den Ton an

Erfahrungsberichte und Tipps zum neuen Alltag der Kirche in der Coronakrise

Fast leere Strassen, geschlossene Läden, Verbot aller Anlässe und die Aufforderung, zu Hause zu bleiben: Die Auswirkungen der Corona-Pandemie sind deutlich sichtbar und sorgen für ein neues Lebensgefühl. Wie erleben wir diese Situation, wie soll man damit umgehen?

Physisch Abstand halten und gleichzeitig solidarisch zusammenstehen: Das Coronavirus stellt die menschliche Gemeinschaft auf die Probe. Für die kirchliche Gemeinschaft sind die Folgen besonders einschneidend. Lesen Sie dazu den Erfahrungsbericht von Pascal Bamert, Pfarreiseelsorger in Ausbildung in der Pfarrei St. Anton in Basel.

Geistliche Kommunion

«In den letzten Tagen wurde ich bei Telefonaten wiederholt danach gefragt, wie wir die von Gott gestiftete Gemeinschaft pflegen können. Als Mensch bin ich ein sinnliches Wesen – denn Gott selbst hat mich als solches erdacht und geschaffen. Gott ist Mensch geworden, auch um sich mir in der Konkretheit der sinnlichen Erfahrung zu zeigen, mir nahe zu sein (Emmanuel – Gott mit uns). In Zeiten der äusserlichen Verfolgung zeigten Christen ihren Heldenmut, indem sie die Eucharistie in ihrem Gewand verbargen. Heimlich brachten sie Jesus so zu ihren Schwestern und Brüdern im Glauben.

Nun ist die Gefahrenlage eine andere: Zunächst besteht die offensichtliche der Ansteckung. Subtiler ist die Gefahr, die innere Balance in den sich allenthalben überschlagenden Nachrichten zu verlieren. Letzteres verstärkt die Sehnsucht nach innerer Ruhe, nach einem Moment der Gelassenheit. Es tut gut, den Eilmeldungen für einen Moment zu entfliehen. Und wie wohltuend ist es, die Nähe Gottes zu erfahren.

Doch wie kann ich diese Sicherheit und Innigkeit mit Gott in diesen Tagen erfahren? Jüngst beschrieb Papst Franziskus in seiner Predigt Josef als ‹einen Menschen, der fähig ist, (…) mit Gott zu sprechen, in das Geheimnis Gottes einzutreten. (…) Er war kein Träumer. Er trat in das Geheimnis ein – mit derselben Natürlichkeit, mit der er sein Handwerk ausübte (…).› Zum Schluss ermunterte Papst Franziskus dazu, mittels ‹geistlicher Kommunion› in das Geheimnis Gottes einzutreten und anzubeten.

Wenn wir an der Eucharistiefeier teilnehmen, empfangen wir Jesus leibhaft in der Kommunion. Wir beherbergen Gott in uns. Und wir erfahren Gemeinschaft untereinander. Vorübergehend müssen wir auf die Teilnahme an der Eucharistiefeier verzichten. Doch die Möglichkeit, Jesus einzuladen und geistlich Gemeinschaft zu pflegen, besteht weiterhin. Vielleicht kann das nachfolgende Gebet von Padre Pio ein erster Schritt sein:

‹Jesus, ich glaube, dass du im Allerheiligsten Sakrament des Altares wirklich gegenwärtig bist. Wie gerne würde ich dich nun im Sakrament empfangen. Da dies jetzt aber nicht möglich ist, komm wenigstens auf geistliche Weise in mein Herz. Und als ob ich dich bereits empfangen hätte, ergreife ich dich und vereinige mich ganz mit dir … Lass nicht zu, dass ich jemals von dir getrennt werde.›

Ich wünsche viel Trost, Stärke und Freude in dieser Verbundenheit mit dem eucharistischen Herrn und unserer Glaubensgemeinschaft.»

Pascal Bamert

Seelsorge im Spital

Seelsorge in den Spitälern ist grundsätzlich weiterhin möglich. Im Universitätsspital Basel ist die Spitalseelsorge Teil des psychosozialen Corona-Careteams. «Wir arbeiten mit Spitalkleidung und Mundschutz», berichtet die katholische Seelsorgerin Valeria Hengartner. Aufsuchende Besuche sind nicht mehr möglich, die Seelsorge wird auf Ersuchen der Station aktiv. Für Angehörige, die Patienten im Spital nicht mehr besuchen können, steht eine Telefonseelsorge zur Verfügung. Das Angebot werde genutzt, die Nachfrage sei aber im Moment noch gut zu bewältigen, sagte Hengartner am 25. März. Wichtig sei es, ruhig und gelassen zu bleiben.

Glockengeläut an Sonntagen

An den nächsten Sonntagen läuten die Kirchenglocken in der Stadt Basel trotz nicht stattfindender Gottesdienste zu den üblichen Gottesdienstzeiten. Sie laden zum Gebet daheim oder unterwegs ein. So schaffen wir in Basel eine Gemeinschaft, auch wenn wir uns nicht in der Kirche versammeln können. Am Hohen Donnerstag (9. April) werden um 20.00 Uhr alle Kirchenglocken der Schweiz läuten, ebenso am Ostersonntag (12. April) um 10.00 Uhr.

Baum der Hoffnung in St. Anton

In dieser schwierigen Zeit von Physical Distancing möchte die Fachstelle für kirchliche Kinder- und Jugendarbeit der Römisch-Katholischen Kirche Basel-Stadt die Gemeinschaft stärken und Hoffnung schenken. Das gesamtstädtische Projekt sieht vor, zusammen mit allen Generationen die Bäume im Hof der Pfarrei St. Anton gestalten. «Bis Ende April könnt ihr eure Bilder, Sprüche, Gebete, Gedanken, gebastelten Objekte, Ostereier usw. in der Pfarrei St. Anton abgeben oder per Post schicken», schreibt die Fachstellenleiterin Mirjam Lachenmeier. Jeder Baum steht für eine Altersklasse und jeweils montags wird der Baum gekürt, an dem die meisten Objekte angebracht sind. Den Kurzfilm findet man auf der Webseite www.rkk-bs.ch und auf Facebook: katholisch Basel.

Offene Kirche Elisabethen

Die Offene Kirche Elisabethen ist offen für die persönliche Besinnung, das Programm vor Ort ist jedoch komplett gestrichen. Es gibt dennoch zwei Angebote:

Wort zum Alltag – Our Daily Dose of Hope: Die tägliche Dosis der Ermutigung für uns alle. Gute Worte und stärkende Bilder aus dem Schatz der jüdisch-christlichen Tradition. Jeweils um 17 Uhr auf der Facebookseite der Offenen Kirche Elisabethen.

Das Offene Ohr der Offenen Kirche Elisabethen: Jeden Werktag von 17 bis 19 Uhr ist jemand von unserem Seelsorgeteam telefonisch für Sie da (Tel. 061 272 72 00).

Baselland koordiniert Angebote

In der Römisch-katholischen Kirche im Kanton Basel-Landschaft koordinieren die Stabsstelle Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit der Landeskirche und die Fachstelle Diakonie des Pastoralen Zentrums Informationen, Hilfsangebote und spezielle Formate (siehe dazu «Regionale Institutionen»).

Mit Kindern über Corona sprechen

Das Coronavirus verändert den Alltag aller so gründlich, dass den Eltern gar nichts anderes übrig bleibt, als mit den Kindern darüber zu sprechen. Tipps wie man die Kinder beruhigen und schützen kann, gibt es bei Unicef. Man soll auf kindgerechte Art erklären, was gerade passiert. «Kinder haben ein Recht darauf zu wissen, was in der Welt vor sich geht. Die Erwachsenen haben die Verantwortung, sie vor Gefahren zu schützen, Ihnen aber auch ehrlich davon zu berichten», heisst es da. Der beste Weg, Kinder vor dem Coronavirus zu schützen, ist regelmässiges Händewaschen, betont Unicef. Man kann dem Kind auch zeigen, wie man beim Husten oder Niesen das Gesicht mit dem Ellbogen verdeckt.

Zusammenstellung: Regula Vogt-Kohler