Vater und Sohn am Strand. (Foto: Gugatchitchinadze/wikimedia)
30.12.2017 – Impuls

Jesus Sirach 3,2–6.12–14
Der Herr hat den Kindern befohlen, ihren ­Vater zu ehren, und die Söhne verpflichtet, das Recht ihrer Mutter zu achten.

Wer den Vater ehrt, erlangt Verzeihung der Sünden, und wer seine Mutter achtet, gleicht einem Menschen, der Schätze sammelt.
Wer den Vater ehrt, wird Freude haben an den eigenen Kindern, und wenn er betet, wird er Erhörung finden.
Wer den Vater achtet, wird lange leben, und wer seiner Mutter Ehre erweist, der erweist sie dem Herrn.
Mein Sohn, wenn dein Vater alt ist, nimm dich seiner an, und betrübe ihn nicht, so­lange er lebt. Wenn sein Verstand abnimmt,
sieh es ihm nach, und beschäme ihn nicht in deiner Vollkraft! Denn die Liebe zum Vater wird nicht vergessen, sie wird als Sühne für deine Sünden eingetragen.

Einheitsübersetzung

Ehre, wem Ehre gebührt

Man möge es mir nicht verargen, wenn ich ein Thema anspreche, das nicht im Trend liegt, das einige vermutlich als ziemlich daneben und politisch reichlich unkorrekt halten und das in der allgemeinen Aufgeregtheit wenig Aufmerksamkeit erfährt. Ich möchte einer Personengruppe die Ehre geben und meine Reverenz erweisen, zu der ich selber nicht gehöre, nie gehört habe und nie gehören werde, die ich deswegen zuweilen etwas beneide, der ich gleichzeitig mit Bewunderung und hoher Wertschätzung begegne, die mich zu der Einschätzung führt, dass es tatsächlich Dinge gibt, wage ich zu behaupten, die heute besser sind als früher. Also Grund zur Dankbarkeit und Freude, ganz einfach!

Das sind die Männer. Unter den Männern jene, die mit einem fast antiquiert und altbacken klingenden Wort Väter heissen und Vater sind. Und da noch einmal eine ganz sonderliche Spezies, nämlich die jungen Väter. Junge Männer, die stolz sind und die sich sichtlich freuen, dass sie Vater sind. Ich sehe sie hier in Mariastein, Tamilen, Schweizer, Albaner, Inder, Deutsche, Franzosen, ich sehe sie im Tram, in der Eisenbahn, in der Stadt, mit Doppelkinderwagen, mit Einkauftaschen, mit Spielsachen dabei, wie sie ihren kleinen Kindern in die Pelerine helfen, sie auf den Arm oder an der Hand nehmen, vor ihnen in die Hocke gehen, ihnen das Taschentuch hinhalten und die Nase putzen, ihnen die Welt erklären. Dies geschieht in einem Umfeld, das andere Prioritäten setzt, wo nicht Sanftmut und Rücksicht auf die Kleinen den Ton angeben, sondern Durchsetzungsvermögen, forsches Auftreten und Effizienz bestimmend sind. Wenn ich mir das anschaue, wie ein junger Vater sich seinem Nachwuchs zuneigt, dann dünkt mich, es sei eine gute, eine hoffnungsvolle Entwicklung im Gang, nämlich eine Erneuerung und Wandlung der Vater­figur. Vielleicht führt das nebenbei zu einer Rehabilitierung, ja überhaupt erst zur Entdeckung des heiligen Josef, für den die kirchliche Tradition keinen gescheiteren Ausdruck als «Pflegevater» und «Nährvater» gefunden hat! In Mariastein gibts in der Seitenkapelle, die seinen Namen trägt, eine barocke Figur, die Josef als aufrechten, selbstbewussten Mann darstellt, mit zärtlich-starker Geste das pausbäckige Christkind auf dem Arm tragend, ein junger Vater also, der sich nicht scheut, seine Rolle und Aufgabe öffentlich sichtbar wahrzunehmen.

«Den Vater ehren!» Viermal spricht der alttestamentliche «Sohn des Sirach» davon in den paar Versen, die als alttestamentliche Lesung am «Fest der Heiligen Familie» vorgesehen ist. Zwar klingt diese Redensweise in unsern Ohren ziemlich patriarchal und paternalistisch, doch es ist gut, dass dies alles in der Bibel steht. Denn es wird der Tag kommen, an dem die jungen Väter von heute die alten Väter und Grossväter von morgen und übermorgen sein werden. Warum ihnen nicht schon heute mit Respekt und Hochachtung begegnen? Den Vortritt überlassen sie selbstverständlich der Frau und Mutter; sie bleiben zurückhaltend, haben eine Vorliebe für den Halbschatten und halten für ihre Kinder und für alle, die Zeit haben, ihnen zuzuschauen, die Botschaft lebendig: Es ist auch heute gut, Mann und Vater zu sein. Es ist weiterhin schön, dass wir beten dürfen: «Vater unser!»

Abt Peter von Sury, Mariastein