«Lobt den Herrn, ihr wilden Tiere und alles Vieh, Kriechtiere und gefiederte Vögel!» (Psalm 148) | © Tobby Toparkus/pixelio.de
26.09.2019 – Impuls

AUS PSALM 148

Lobt den Herrn vom Himmel her, lobt ihn in den Höhen:
Lobt ihn, all seine Engel, lobt ihn, all seine Scharen;
lobt ihn, Sonne und Mond, lobt ihn, all ihr leuchtenden Sterne;
lobt ihn, alle Himmel und ihr Wasser über dem Himmel!
Loben sollen sie den Namen des Herrn; denn er gebot, und sie waren erschaffen.
Lobt den Herrn, ihr auf der Erde, ihr See­ungeheuer und all ihr Tiefen,
Feuer und Hagel, Schnee und Nebel, du Sturmwind, der sein Wort vollzieht,
ihr Berge und all ihr Hügel, ihr Fruchtbäume und alle Zedern,
ihr wilden Tiere und alles Vieh, Kriechtiere und gefiederte Vögel,
ihr Könige der Erde und alle Völker, ihr Fürsten und alle Richter auf Erden,
ihr jungen Männer und auch ihr Mädchen, ihr Alten mit den Jungen!
Loben sollen sie den Namen des Herrn; denn sein Name allein ist erhaben, seine Hoheit strahlt über Erde und Himmel.
Halleluja!      

Einheitsübersetzung 1980

 

Die Schöpfung – wir sollen sie schützen und bewahren

Was täte Franz von Assisi, wenn er heute lebte? Wissen können wir es nicht, aber ich könnte mir vorstellen, dass er bei der Klima­bewegung «Fridays for Future» vorn dabei wäre. Dieser Heilige aus dem Mittelalter kann uns ein Vorbild sein und uns sensibilisieren für die Nöte unserer Zeit. Wie er können wir uns bemühen, ein besonderes Gespür für die Schöpfung zu bekommen, in Harmonie mit ihr zu leben und die kleinsten Geschöpfe als Brüder und Schwestern zu betrachten und die Natur als ein Buch, in dem Gott zu uns spricht und uns seine Schönheit erkennen lässt.

Sein Sonnengesang – hier in der Übersetzung des Kapuziners Anton Rotzetter (aus «Ich rufe Sonne und Mond», 1998) ist eine wunderbare Dichtung auf die Schöpfung:

Lob sei dir mein Herr
mit deiner ganzen Schöpfung
vor allem mit dem Herrn Bruder Sonne
Er bringt uns den Tag
und spendet uns Licht
Schön ist er
und strahlend mit grossem Glanz
Von dir Höchster ein Zeichen
Lob sei dir mein Herr durch Schwester Mond
und die Sterne
Am Himmel formtest du sie
glänzend kostbar und schön
Lob sei dir mein Herr durch Bruder Wind
durch Luft und Wolken
durch heiteres und jedes Wetter
Durch sie gibst du deiner Schöpfung Leben
Lob sei dir mein Herr durch Schwester Wasser
Sehr nützlich ist sie demütig kostbar und rein
Lob sei dir mein Herr durch Bruder Feuer
Durch ihn ist die Nacht erhellt
Schön ist er freundlich kraftvoll und stark
Lob sei dir mein Herr durch unsere Schwester Mutter Erde
Sie belebt und lenkt uns
Sie erzeugt viel Früchte
farbige Blumen und Gräser
Lobt und segnet meinen Herrn
Dankt und dient ihm in grosser Demut

Nicht umsonst hat Papst Franziskus sich von Franz von Assisi zu seiner Namenswahl inspirieren lassen. In seiner Enzyklika «Laudato si’», schildert er eindrücklich das Elend der Schöpfung durch Ausbeutung und Umweltverschmutzung und zeigt Wege auf, wie wir politisch, wirtschaftlich und sozial umkehren müssen, damit unser «gemeinsames Haus» auch für zukünftige Generationen bewohnbar bleibt. Für ihn ist die Liebe zu allen Geschöpfen, wie Franz von Assisi sie uns vorgelebt hat, ein Schlüssel für eine bessere Zukunft. Zugleich nimmt er die internationale und lokale Politik, die Wirtschaft und die Religionen in den Blick, Einfluss zu nehmen, damit wir langfristig einen Lebensstil entwickeln, der heilsam ist für die ganze Welt und die Beziehungen, in denen wir leben.

Wie Papst Franziskus sind es viele, die sich um die Schöpfung sorgen und sich für sie einsetzen, gerade auch in der jüngeren Generation. Und die jetzt beginnende Amazonassynode legt ihren Schwerpunkt auf die ökologische Vielfalt und deren Zerstörung und versucht, Lösungen zu finden. Begleiten wir dieses Unterfangen mit unserem Gebet, besonders auch am Donnerstag, 17. Oktober, um 18.30 Uhr in der Taufkapelle der Heiliggeistkirche.         

Dorothee Becker, Theologin undSeelsorgerin Pfarrei Heiliggeist, Basel