Die 1295 gegründete Kartause La Valsainte prägt das Zentrum der Streusiedlungslandschaft der Valsainte-Region bei Charmey im Greyerzerland. (Foto: SL/Pascal Gauch)
28.04.2018 – Aktuell

Der Fussabdruck der Religion

Die Sakrallandschaft der Abteien und Klöster im Saanetal ist Landschaft des Jahres 2018

Mit der Wahl der Freiburger Sakrallandschaft zur Landschaft des Jahres 2018 rückt die Stiftung Landschaftsschutz Schweiz den spirituellen Wert einer Landschaft in den Fokus. Die Stiftung versteht die Auszeichnung auch als Beitrag zum Europäischen Jahr des Kulturerbes.

Kreuze, Kapellen, Kirchen und Klöster – sakrale Zeichen und Bauten drücken einer Gegend ihren Stempel auf und schaffen Sakrallandschaften durch die Verbindung von Natur und Spiritualität. Dies gilt in besonders hohem Mass für das Saanetal im Kanton Freiburg. Während Agrarlandschaften und gebaute Standorte im Wesentlichen durch Geologie, Topografie und Vegetation definiert seien, präge der Fussabdruck der Religion die Sakrallandschaft, so dass ein Raum der Besinnung entstehe, schreibt die Stiftung Landschaftsschutz Schweiz (SL) in ihrer Dokumentation zur Landschaft des Jahres 2018.

Der spirituelle Wert einer Landschaft sei bisher noch nie Gegenstand des Landschaftspreises der SL gewesen, heisst es. Die Sakrallandschaft widerspiegle die Einwirkung des Menschen auf seine Umwelt, die sich in diesem Fall nicht von einem materiellen Bedürfnis herleite. Das Aufeinandertreffen von irdischer und spiritueller Kraft verstärke die spezifische Landschaftsprägung. Als Beispiele nennt die SL die Kirchgemeinden Font-Châbles, Montagny, Charmey (Galmis) und Vaulruz, wo die Kirche auf dem gleichen Felsensporn wie die höher gelegene Burg steht.

Da Pilgerfahrten nach Rom, Jerusalem oder Santiago de Compostela nur für wenige möglich waren, kommt den lokalen Wallfahrtsorten eine wichtige Bedeutung zu. So besitzt jede dritte Kirchgemeinde der Gegend eine Lourdesgrotte. Dazu kommen 249 Kapellen, viele an Orten, wo sie von weither sichtbar sind und so den Pilgern den Weg weisen.

Teil der Sakrallandschaft im Saanebecken ist auch die 1295 gegründete Kartause La Valsainte bei Charmey, das letzte aktive Kartäuserkloster in der Schweiz. Das durch die Gründer reich mit Gütern und Herrschaftsrechten ausgestattete Kloster besass lange einen grossen Teil des Tals und prägte die Landschaft durch Kapellen und Monumentalkreuze. Den besten Überblick über die auf einer Geländeterrasse gelegene Klosteranlage hat man aus der Höhe. Mit Ausnahme der öffentlichen Kapelle und eines kleinen Kiosks kann das Kloster nicht besichtigt werden. Die Kartause liegt wie das ehemalige Benediktinerkloster Beinwil in einem ländlichen Gebiet, das durch Streusiedlungen geprägt ist. Die markante Präsenz religiöser Bauten und sakraler Orte schaffe einen Kontrast zwischen Natur, traditioneller ländlicher Kultur und Spiritualität, hält die Dokumentation fest.

Preisempfänger sind die Diözese Lausanne, Genf und Freiburg und die Interessensgemeinschaft «L’esprit des lieux». Die vom Migros-Genossenschafts-Bund und einer Privatperson gestiftete Preissumme beträgt 10 000 Franken.

Regula Vogt-Kohler

sl-fp.ch; fribourgregion.ch