Auf der Website der Pfarrei St. Franziskus wünscht sich der Pfarreirat einen respektvollen und friedlichen Umgang der unterschiedlichen Interessengruppen, um die Wogen in der Pfarrei zu glätten. | © Screenshot Kirche heute
24.01.2019 – Aktuell

«Die Sache kostet unendlich viel Energie»

Stimmen aus Riehen und Basel zur Krise in der Pfarrei rund um die Pfarrwahl

Die Auseinandersetzungen rund um die Kandidatur von Stefan Küng als Pfarrer haben in der Pfarrei Wunden hinterlassen. Auch nach der Absage der Wahl bleiben Fragen offen.

In einem sind sich alle Gesprächspartner einig: Es ist gut, dass die Sache jetzt rausgekommen ist. Ausgestanden ist die Krise jedoch nicht. «Wir hatten die Hoffnung, dass die Menschen in der Pfarrei jetzt, nachdem Stefan Küng seine Kandidatur zurückgezogen hat, von ihren Emotionen runterkommen. Doch das ist nicht der Fall», sagt Pfarreimitglied Robert Müller aus Riehen, der seinen richtigen Namen nicht veröffentlicht sehen will.

Mit dem Wunsch nach Anonymität ist Robert Müller nicht allein. Auch Susanne Meier heisst eigentlich anders. Sie ist schockiert über die Vorgänge in ihrer Pfarrei und findet kaum Worte: «Erst durch die Unterschriftensammlung erfuhr ich, dass Stefan Küng diese Fussmassagen gemacht hatte. Von daher fand ich es gut, dass eine Urnenwahl erwirkt werden sollte (Anmerkung der Redaktion: ohne eine ausreichende Anzahl Unterschriften wäre der Kandidat in Riehen still gewählt worden). Wenn viele für Herrn Küng gestimmt hätten, dann hätte das geheissen, dass er Rückhalt in der Gemeinde hat. Er hat – so meine Wahrnehmung – sich für die Menschen interessiert und das kam gut an.»

An einem Informationsabend sollten die Pfarreimitglieder die Möglichkeit bekommen, Fragen an Stefan Küng zu richten. Eingeladen hatte der Priester selber. Mit ihm standen Pastoralraumpfarrer Stefan Kemmler, der Präsident der Pfarrwahlkommission, Stefan Suter, und Daniel Bachmann, ein langjähriger Weggefährte Stefan Küngs, vor der Versammlung.

Populistische Wahlveranstaltung

Béatrice Bowald, Mitarbeiterin an der Stabsstelle des Pastoralraums Basel Stadt, findet es aus Gründen der Beachtung der Zuständigkeiten der verschiedenen Gremien fragwürdig, dass Stefan Küng selber eingeladen hatte und nicht der Pfarreirat oder die Pfarrwahlkommission. Die Theologin beschreibt den Abend als Wahlveranstaltung mit populistischen Elementen und führt aus: «Die Kritiker Küngs hatten es schwerer, zu Wort zu kommen. Seine Befürworter hatten die Mehrheit der Voten und liessen die kritischen Stimmen teilweise nicht richtig zu Wort kommen. Es gab keine Moderation und die Art und Weise, wie durch Herrn Suter immer wieder betont wurde, dass der Fuss kein Sexualobjekt sei, zog die Strafverfolgungsbehörde ins Lächerliche. Die Frage nach dem Inhalt des Strafbefehls blieb unbeantwortet und es stellte sich heraus, dass einzelne Mitglieder der Pfarrwahlkommission nicht über den Strafbefehl orientiert waren.»

Susanne Meier formuliert es so: «Die vier Männer vorne haben wunderbar zusammen funktioniert und ich hatte den Eindruck, ein System zu erleben, das von Vertuschung lebt. Jetzt, nach dem Bekanntwerden des Strafbefehls, ist die Intransparenz des als Aufklärung gedachten Informationsabends noch weniger zu fassen.»

Über Intransparenz gestolpert

Im Fall von Stefan Küng geschah die Wahl durch die Kommission ohne Konsultation des Bischofs – ein Vorgehen, das auch in Riehen hinterfragt wird. Raingard Lötscher-Booz, Delegierte der Synodenfraktion im Pfarreirat, sagt, dass Stefan Küng weniger über seine Vergangenheit als über seine Intransparenzen von seinem ersten Auftreten im Jahr 2015 bis hin zum Infoabend gestolpert sei. Von den Bedingungen des Bischofs für die Ernennung nach erfolgter Wahl habe sie aus der Zeitung erfahren. Sie bringt noch einen weiteren Aspekt ins Spiel: «Unabhängig von der Vergangenheit eines Priesters steht für mich auch die Frage im Raum, ob ein Kandidat vom Leitungsstil und den administrativen Kompetenzen her für eine Pfarrei geeignet ist. Es wäre durchaus vorstellbar gewesen, dass Stefan Küng als priesterlicher Mitarbeiter tätig ist, doch für die Leitung einer Pfarrei ist mehr nötig als gute Gottesdienste.»

Resultat: Eine «verwundete» Pfarrei

Wie es in Riehen nun nach dem Rückzug der Kandidatur durch Stefan Küng weitergeht, ist offen. «Das Klima in der Pfarrei ist vergiftet und die Leute sind nur noch erschöpft. Die Sache kostet unendlich viel Energie und ist seit Wochen dauernd Thema bis an den Mittagstisch», sagt Robert Müller. Susanne Meier bezeichnet sich selber als eher inaktives Pfarreimitglied, doch «wenn Vertreter vor Ort vor allem ihre eigenen Bedürfnisse durchzubringen versuchen, anstatt die gesamte Pfarrgemeinde im Blick zu haben, fällt es mir noch schwerer, mich in Riehen kirchlich beheimatet zu fühlen».

Anne Burgmer, Horizonte-Aargau

Der Beitrag erschien zuerst auf der Website www.horizone-aargau.ch