Da hatte sie noch kein Stimmrecht, doch 15 Jahrew später präsidierte sie den Nationalrat: Elisabeth Blunschy-Steiner (stehend) an der Jubiläums-Delegiertenversammlung 50 Jahre Schweizerischer Katholischer Frauenbund SKF 1962 in Einsiedeln. | © SKF
28.01.2021 – Aktuell

Der lange Weg der katholischen Frauen zum Frauenstimmrecht

1958 setzte der Frauenbund sein Ja zur politischen Gleichberechtigung gegen den bischöflichen «Protektor» durch

Noch 1919 war der Schweizerische Katholische Frauenbund (SKF) gegen das Frauenstimmrecht. Der Wandel zeichnete sich nach dem 2. Weltkrieg ab. Im Jahr 1958 setzte sich an der Delgiertenversammlung die Ja-Parole zur ersten eidgenössischen Abstimmung klar durch – gegen den Willen von Bischof Franz von Streng, dem «Protektor» des SKF.

Vor 50 Jahren kam am 7. Februar 1971 das Frauenstimmrecht in der Schweiz zum Durchbruch. Zwei Drittel der Männer stimmten dafür. Noch 1959 war es im ersten Anlauf ebenso deutlich abgelehnt worden.

Dem Erfolg von 1971 ging ein hundertjähriger Kampf voran. Der Bewusstseinswandel zeigte sich auch im Schweizerischen Katholischen Frauenbund (SKF). Nachdem Deutschland und Österreich 1918 das Frauenwahlrecht eingeführt hatten, übernahm der SKF zuerst die ablehnenden Argumente und bekämpfte das Frauenstimmrecht. 1945 verhinderte in der Schweiz der damalige Bischof von Basel, Franz von Streng, die Veröffentlichung eines Wahlaufrufs von Papst Pius XII. an die Italienerinnen. Das führte zu einem Konflikt im SKF: Entschlossene Befürworterinnen des Frauenstimmrechts gründeten 1947 den Staatsbürgerlichen Verband katholischer Schweizerinnen (Staka), in dem sich unter anderen die Baslerinnen Louise C. Wenzinger und Marie-Mathilde Freuler-Bühler führend engagierten. Unter dem Präsidium von Elisabeth Blunschy-Steiner (1957 bis 1961) setzte sich dann auch der SKF aktiv für das Frauenstimmrecht ein. Ein starkes Signal war 1958 die klare Ja-Parole der Delegierten, gegen den offenen Widerstand von Bischof von Streng, aber mit Unterstützung des Westschweizer Bischofs François Charrière. Vor der zweiten Abstimmung von 1971 verzichtete der SKF auf eine Parole, obwohl auch die Zentralpräsidentinnen Yvonne Darbre (1961–1970) und Anne-Marie Höchli (1970–1982) klar dafür waren.

Zur Symbolfigur des Engagements katholischer Frauen für das Frauenstimmrecht wurde Elisabeth Blunschy-Steiner aus Schwyz. Bei den Nationalratswahlen 1971 gehörte die frühere SKF-Präsidentin zu den ersten elf gewählten Frauen, und 1977 wurde sie die erste Nationalratspräsidentin der Schweiz.

Christian von Arx

 

SKF-Zentralpräsidentin Yvonne Darbre (Lausanne) an der Jubiläums-Delegiertenversammlung 1962 in Einsiedeln, kritisch verfolgt von Bischof Franz von Streng. | © SKF
SKF-Zentralpräsidentin Yvonne Darbre (Lausanne) an der Jubiläums-Delegiertenversammlung 1962 in Einsiedeln, kritisch verfolgt von Bischof Franz von Streng. | © SKF
Elisabeth Blunschy-Steiner (Schwyz) spielte als Zentralpräsidentin von 1957 bis 1961 eine entscheidende Rolle für das mutige Ja der SKF-Delegierten zum Frauenstimmrecht 1958. | © SKF
Elisabeth Blunschy-Steiner (Schwyz) spielte als Zentralpräsidentin von 1957 bis 1961 eine entscheidende Rolle für das mutige Ja der SKF-Delegierten zum Frauenstimmrecht 1958. | © SKF