Die italienische Pfarrei San Pio X in Basel schenkt ihren Gottesdienstbesuchern am Sonntag eine handliche Taschenausgabe des Markusevangeliums. | © Christian von Arx
23.01.2020 – Aktuell

«Die Bibel gehört vor allem dem Volk»

Am 26. Januar begeht die Kirche erstmals den Sonntag des Wortes Gottes

Einige Pfarreien in der Nordwestschweiz rücken am kommenden Sonntag die Bibel mehr als üblich ins Licht. Sie machen damit den von Papst Franziskus gewünschten «Bibelsonntag» oder Sonntag des Wortes Gottes erlebbar.

Als der auferstandene Jesus zum letzten Mal den Jüngern in Jerusalem begegnete, sagte er, dass alles in Erfüllung gehen müsse, was bei Mose, den Propheten und in den Psalmen steht. «Darauf öffnete er ihren Sinn für das Verständnis der Schriften», heisst es bei Lukas. Zuvor hatte er den zwei Jüngern auf dem Weg nach Emmaus die Bibel erklärt: «Und er legte ihnen dar, ausgehend von Mose und allen Propheten, was in der gesamten Schrift über ihn geschrieben steht» (Lukas, Kapitel 24).

Jesus selbst hat also den Seinen aus der Schrift vorgetragen, und das in seinen letzten Stunden auf der Erde. Diese Szenen zitiert Papst Franziskus in seinem Schreiben «Aperuit illis» vom 30. September 2019, mit dem er festlegte, dass der dritte Sonntag im Jahreskreis «der Feier, der Betrachtung und der Verbreitung des Wortes Gottes gewidmet sein soll». Die Bibel sei nicht nur etwas für wenige Auserwählte: «Sie gehört vor allem dem Volk, das versammelt ist, um sie zu hören und sich in diesem Wort selbst zu erkennen.»

Der erste «Bibelsonntag» fällt auf den 26. Januar. Die Bibelpastorale Arbeitsstelle des Schweizerischen Katholischen Bibelwerks hat dazu Ideen zusammengestellt. Eine Umfrage bei den Pastoralräumen der Nordwestschweiz lässt aber vermuten, dass die Initiative des Papstes noch selten in einer besonderen Form gestaltet wird.

Eine Ausnahme ist die italienische Pfarrei San Pio X in Basel: Dort wird nach der Predigt das Evangelium feierlich gezeigt, dabei berühren es die Gläubigen in einer kleinen Prozession mit der Hand. Zudem gibt die Pfarrei den Anwesenden am Ende des Gottesdienstes Taschenausgaben des Evangeliums nach Markus gratis ab. Thematischer Schwerpunkt ist an diesem Wochenende in San Pio X aber ein Missionsprojekt in Mexiko. Das passe gut, meint Pastoralassistentin Mirella Martin, denn: «Das Hören auf das Wort Gottes ist eine Einladung, die Solidarität mit den Schwächsten in die Tat umzusetzen.»

In der Basler Pfarrei St. Marien findet am Sonntag um 18 Uhr eine ökumenische Mozart-Vesper statt, in der nach Auskunft von Pfarrer Markus Brun das Wort Gottes und Maria im Mittelpunkt stehen. Dies nach der Anweisung Marias im Johannesevangelium: «Was Er euch sagt, das tut» (Joh 2,5). Die Predigt hält Sven Grosse, lutherischer Pfarrer und Professor an der universitären theologischen Hochschule STH Basel.

Natürlich soll das Wort Gottes in jedem Gottesdienst mit Sorgfalt vorgetragen und erklärt werden. In den meisten Pfarreien wird darum der «Sonntag des Wortes Gottes» zwar nicht in besonderer Gestaltung, aber dem Sinn nach gefeiert. Manchenorts ist, wie etwa in Ettingen, ein ökumenischer Gottesdienst zum Abschluss der Gebetswoche für die Einheit der Christen angesagt. Der Papst hatte den Termin ausdrücklich in diesen Zusammengang gestellt, denn die Bibel ist den Christen aller Bekenntnisse wie auch den Juden gemeinsam.

Christian von Arx