Bei den Bistumsjugendtreffen (wie 2017 in Basel) erhalten die Jugendlichen die Möglichkeit, mit dem Bischof in Kontakt zu treten. | © Christian von Arx
05.11.2018 – Aktuell

Der Ball liegt jetzt bei den Kirchen vor Ort

Das Abschlussdokument aus der Sicht von Theologieprofessorin Eva-Maria Faber

Wenn die Bistümer vor Ort den Weg mit der Jugend künftig als eine pastorale Priorität sehen, so könnte die Jugendsynode ein Schlüsselereignis der Kirche von heute werden. Das ist das Fazit von Eva-Maria Faber, Professorin an der Theologischen Hochschule Chur, zur Bischofssynode «Die Jugendlichen, der Glaube und die Berufungsunterscheidung».

 

Auch für Eva-Maria Faber, Professorin für Dogmatik und Fundamentaltheologie, ist der Abschluss ein Anfang. «Der synodale Prozess ist nicht zu Ende: Das Abschlussdokument der Bischofssynode appelliert an die Ortskirchen, die Dynamik der Synode aufzunehmen (Abschnitt Nr. 120)», beginnt ihr Gastkommentar für kath.ch.

Steine, hinter die es kein Zurück gibt

Das Dokument ist aus Fabers Sicht nicht nur eine Aufforderung zur aktiven Umsetzung vor Ort, es setzt auch «Marksteine, hinter die es kein Zurück gibt». «Es würdigt die engagierte Präsenz der jungen Generation im synodalen Geschehen als ‹Neuheit› (Nr. 1). Junge Menschen seien selbst die Protagonisten des Prozesses (Nr. 54; 119 und öfter). Ihre Stimme erschliesse als ‹locus theologicus› (Ort der theologischen Erkenntnis; die Red.) die Zeichen der Zeit (Nr. 64)», hält Faber fest.

So sei die Bischofssynode ein weiterer Schritt hin zu einem «synodalen Stil» (Nr. 121) in einer synodalen Kirche (Nr. 122), die von Zuhören (Nr. 6-9 und öfter) und Mitverantwortung geprägt sei. Faber weist darauf hin, dass die Synode alle Ebenen der Kirche dazu auffordert, effektive und in die regulären Abläufe eingebundene Formen der aktiven Partizipation junger Menschen zu entwickeln (Nr. 123).

Dafür könnte es aus zwei Richtungen Hindernisse geben. «Die zwei grossen Fragen werden sein, ob sich die Ortskirchen beherzt darauf einlassen, und ob ihnen die nötigen Entscheidungskompetenzen zuerkannt werden», schreibt Faber.

Zu den Themen hält Faber fest: «In der breiten Palette angesprochener Themen hebt die Synode bei aller Einsicht in die Pluralität der ‹Jugenden› (Nr. 10) besonders Digitalisierung und Migration sowie die Missbrauchsskandale hervor (Nr. 21–31; 145–147; 166). In Sachen Missbrauch verpflichtet die Synode zu rigorosen Präventionsmassnahmen. Die Präsenz von Frauen in den kirchlichen Organen auf allen Ebenen, auch in verantwortlichen Positionen und in Entscheidungsprozessen zu realisieren, sei ein Gebot der Gerechtigkeit (Nr. 55; 148).

Eigenverantwortlichkeit unterstrichen

In Sachen Sexualmoral setzt der Text einerseits auf bessere Vermittlung der kirchlichen Wertvorstellungen (Nr. 38f; 149), andererseits (Nr. 150) empfiehlt er weitergehende anthropologische Studien. Die Forderung einer respektvollen Begleitung von Personen mit homosexueller Orientierung unterstreicht erfreulicherweise deren Eigenverantwortlichkeit und deren Wunsch, zum kirchlichen Leben beizutragen. – Ein Fortschritt gegenüber früheren, eher paternalistischen Formulierungen (zur Kritik am Paternalismus allgemein Nr. 57).

Die Synode gesteht ein, dass viele junge Menschen der Kirche aus nachvollziehbaren Gründen fremd gegenüberstehen (Nr. 53). Gerade der Blick über die Ränder hinaus motiviert einen eindringlichen Appell zur Reform (Nr. 117f). Wenn nun tatsächlich auch die Ortskirchen den gemeinsamen Weg mit jungen Menschen als pastorale Priorität erkennen (Nr. 119), könnte die Bischofssynode 2018 ein Schlüsselereignis unserer zeitgenössischen Kirche werden.»

kath.ch / rv