Papst Franziskus bei der Heiligsprechung seiner Vorgänger Johannes XXIII. und Johannes Paul II. – in «Gaudete et exsultate» ermutigt er alle Christen, heilig zu sein. (Foto: Jeffrey Bruno/Aleteia Image Department)
21.04.2018 – Aktuell

Franziskus wirbt für Heiligkeit im Alltag

Das Papstschreiben «Gaudete et exsultate» sucht das Heiligsein im täglichen Leben

Jeder Christ ist zur Heiligkeit berufen und es geht in erster Linie um die kleinen Schritte dorthin im alltäglichen Leben. Dazu möchte Papst Franziskus mit seinem neusten apostolischen Schreiben ermutigen.

«Um heilig zu sein, muss man nicht unbedingt Bischof, Priester, Ordensmann oder Ordensfrau sein. (…) Wir sind alle berufen, heilig zu sein, indem wir in der Liebe leben und im täglichen Tun unser persönliches Zeugnis ablegen, jeder an dem Platz, an dem er sich befindet.» Das sagt Papst Franziskus in seinem 48-seitigen Schreiben mit dem Titel «Gaudete et exsultate» («Freut euch und jubelt»), das der Vatikan am 9. April veröffentlicht hat. Jeder könne mit Gottes Hilfe heilig sein, ob Priester oder Arbeiter, Eltern oder Eheleute, Ordensleute oder Politiker. Mit der Taufe sei jeder Christ dazu berufen, sich nicht nur «mit einer mittelmässigen, verwässerten, flüchtigen Existenz zufriedenzugeben».

Seligpreisungen als Orientierung

Zur Erklärung, was es heisst, heilig zu sein, empfiehlt der Papst die Seligpreisungen aus der Bergpredigt im Matthäusevangelium und auf Jesu Gerichtsrede: «Was ihr dem Geringsten meiner Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.» Diese Forderungen zu leben, bedeute oft, gegen den Strom dieser Welt zu schwimmen. Kennzeichen eines heiligmässigen Lebens sind laut Franziskus unter anderem Durchhaltevermögen, Freude und Sinn für Humor, Wagemut, Gemeinschaftssinn und Gebet.

In seiner Apostolischen Exhortation schildert Franziskus Alltagsszenen, in denen sich Heiligkeit von Menschen zeige. So nennt er etwa Alltagsbegegnungen einer Frau und skizziert, wie sich in ihrem Umgang mit anderen Heiligkeit zeige. Zudem warnt er vor Irrtümern und Haltungen, die ein christliches Leben behindern. Dazu zählt der Papst religiöse Überheblichkeit und kirchlichen oder technologischen Machbarkeitswahn ebenso wie geistige Starrheit, Konsumsucht und egoistische Trägheit.

«Heilig sein bedeutet nicht, in einer vermeintlichen Ekstase die Augen zu verdrehen», schreibt Franziskus. Gebet und Handeln gehörten zusammen. So wendet der Papst sich dagegen, soziale Forderungen des Evangeliums von der Gottesbeziehung zu trennen. Umgekehrt dürfe man soziales Engagement von Christen nicht als «oberflächlich, säkularisiert, kommunistisch oder populistisch» abtun.

Einsatz für die Nächsten

Eines sei für Papst Franziskus ganz wesentlich, betonte der Wiener Erzbischof und Kardinal Christoph Schönborn in einer Stellungnahme: Ohne den in der Bergpredigt genannten Einsatz für Hungrige, Durstige, Fremde, Mittellose oder Kranke könne es keine Heiligkeit geben. Schliesslich sei das «Christentum gemacht, um gelebt zu werden».

Das Schreiben «Gaudete et exsultate» ist auf der Website www.vaticannews.va auch in deutscher Übersetzung veröffentlicht. Am 3. Mai soll es im Patmos-Verlag als Taschenbuch erscheinen.

kath.ch/cva