Das Seelsorgeteam des Pastoralraums Möhlinbach (von links): Pastoralraumleiter Daniel Reidy (Möhlin), Pastoral­assistentin Bettina ­Bischof (Zeiningen) und Pfarrer Alexander Pasalidi (Wegenstetten), aufgenommen an der Begrüssungs­feier von Bettina Bischof im April 2017. (Foto: Ch. Strässle, Zeiningen)
27.01.2018 – Hintergrund

Das Miteinander hat sich schon bewährt

Am 27. Januar wird der Pastoralraum Möhlinbach errichtet – die vier Pfarreien arbeiten schon zusammen

Vier Pfarreien mit 5600 Katholikinnen und Katholiken: Mit dem Errichtungsgottesdienst am Samstag, 27. Januar, schliessen sich die Pfarreien Möhlin, Zeiningen, Zuzgen und Wegenstetten-Hellikon zum Pastoralraum Möhlinbach zusammen. In den letzten Jahren haben sie ihre Zusammenarbeit schon eingeübt.

Landschaftlich bildet das Gebiet des neuen Pastoralraums eine Einheit: Die vier Kirchgemeinden (fünf politische Gemeinden) liegen alle im Tal des Möhlinbaches, der an den Hängen oberhalb von Wegenstetten entspringt und bei Riburg in der Gemeinde Möhlin in den Rhein mündet. Die Unterschiede sind jedoch gross. Möhlin (in der Mundart «Meeli») stellt mit über 3400 Mitgliedern allein rund 60 Prozent der katholischen Bevölkerung, von den andern drei Kirchgemeinden zählen Wegenstetten-Hellikon und Zeiningen je knapp unter 1000 Mitglieder, Zuzgen als kleinste etwas mehr als 300. «Auch kirchenkulturelle Unterschiede sind spürbar», hat der designierte Pastoralraumleiter Daniel Reidy-Zehnder festgestellt: «Möhlin ist sehr liberal und offen, Wegen­stetten kannte bis vor Kurzem keine Gottesdienste ohne Eucharistie.»

Inzwischen haben die vier Pfarreien jedoch, anfänglich aus einer Notsituation, ihre Zusammenarbeit etabliert. Seit dem Weggang des pensionierten Pfarrers Werner Baumann aus Möhlin im Sommer 2015 kam in den vier Pfarreien ein gemeinsames Gottesdienstkonzept zur Anwendung, in dem der Mehlemer Gemeindeleiter Daniel Reidy, der Wegenstetter Pfarrer Alexander Pasalidi und die seit April 2017 in Zeiningen wirkende Pastoralassistentin Bettina Bischof abwechselnd in allen Pfarreien Gottesdienste halten. Zeiningen, Zuzgen und Wegenstetten-Hellikon hatten zuvor schon längere Zeit einen Seelsorgeverband gebildet. «Das wurde von der Bevölkerung gut aufgenommen und hat das Verständnis dafür wachsen lassen, was ein Pastoralraum sein kann», berichtet Reidy.

Jugendarbeit und Diakonie

Auch ausserhalb der Liturgie wird zusammengearbeitet. Seit September 2015 unterrichtet Lena Heskamp, die in Möhlin als Jugendarbeiterin und Religionslehrerin angestellt ist, auch in Wegenstetten. Sie hat den Lead in der Organisation der «ökumenischen Reli-Werkstatt» übernommen, die den Religionsunterricht für die Oberstufenklassen in allen vier Gemeinden umfasst. «Das hat Türen aufgestossen, weil Frau Heskamp bei Kindern und Eltern auch in Wegenstetten gut ankommt», meint Reidy. «Die Leute haben gemerkt: Das funktioniert.»

Religionsunterricht und Jugendarbeit sind denn auch der erste Schwerpunkt des neuen Pastoralraums Möhlinbach. Einen zweiten Schwerpunkt möchte der künftige Pastoralraumleiter in der Diakonie legen, wo bis jetzt noch kaum Strukturen vorhanden sind. In diesem Bereich wird Pastoralassistentin Bettina Bischof die Federführung übernehmen und Freiwillige zur Mitarbeit zu gewinnen suchen.

«Am Anfang ändert sich nicht viel»

Aufgrund der bisherigen Annäherung sagt Daniel Reidy: «Für unsere Mitglieder wird sich am Anfang nicht viel ändern, da die Zusammenarbeit schon begonnen hat.» Eigentliche Gegner der Pastoralraumbildung hat der Projektleiter keine ausgemacht, auch weil sich die Kirchgemeinden klar für einen Zweckverband entschieden haben und eine Fusion der Kirchgemeinden zurzeit kein Thema ist. Möhlinbach wird ein Pastoralraum vom Typ B sein, ohne Gemeindeleitungen. «Die Frage nach möglichen Verlusten wurde gestellt, und in den ‹oberen› Pfarreien besteht eine leise Angst vor einem Abbau von Gottesdiensten», erklärt Reidy. Er ist aber überzeugt: «Wir können Synergien gewinnen, wenn wir gut zusammenarbeiten und koordinieren.»
Einen Pfarreirat gab es bisher in keiner der beteiligten Pfarreien. Daniel Reidy strebt jetzt aber an, einen Pastoralraumrat bilden zu können.

Eine personelle Änderung steht dem neuen Pastoralraum bald bevor: Ende Mai wird Pfarrer Pasalidi Wegenstetten verlassen und ins Berner Oberland nach Gstaad wechseln. Mit einem möglichen Nachfolger als Pastoralraumpriester steht Reidy in Kontakt, aber ein Entscheid ist noch nicht gefallen. Mindestens in der Zeit von Juni bis Oktober dieses Jahres wird sich das Fehlen eines Mitglieds im Seelsorgeteam bemerkbar machen.

Christian von Arx

Der erste Pastoralraum im Fricktal

Die offizielle Errichtung des Pastoralraums Möhlinbach (AG 18) nimmt Bischof Felix Gmür in einem feierlichen Errichtungsgottesdienst am Samstag, 27. Januar, um 17.30 Uhr, in der Kirche St. Leodegar in Möhlin vor. Es ist der erste Pastoralraum im aargauischen Fricktal. Für den Bischof von Basel wird es ein «Fricktaler Wochenende», denn schon am Sonntag, 28. Januar, wird er um 10 Uhr rund 22 Kilometer weiter östlich in Mettau den Pastoralraum Region Laufenburg (AG 21) errichten.

Für die drei andern Fricktaler Pastoralräume ist der Zeitplan noch ungewiss. Rund um Rheinfelden ist der Pastoralraum AG 19 nach dem Nein aus Kaiseraugst blockiert. Im grossen Gebiet des Pastoralraums AG 20 (mit Frick) ist eine Verzögerung eingetreten, nachdem im Herbst einzelne Gemeinden den Projektkredit abgelehnt haben. Noch nicht gestartet ist das Projekt AG 17 zwischen Möhlin und Frick. Im angrenzenden Oberbaselbiet wird mit der Errichtung des Pastoralraums Frenke-Ergolz am 17. Juni gerechnet. cva