Das Kloster Beinwil ist das spirituelle Zentrum des weitläufigen Gemeindegebiets von Beinwil im Lüsseltal. (Foto: Archiv kh)
14.04.2018 – Hintergrund

Das Kloster Beinwil sucht neue Nutzer

Die Oekumenische Gemeinschaft hat den Ende 2018 auslaufenden Nutzungsvertrag gekündigt

Die Stiftung Beinwil, Trägerschaft des Klosters Beinwil, sucht auf Anfang 2019 neue Nutzer für das ehemalige Benediktinerkloster und zieht eine Erweiterung des Stiftungszwecks in Betracht. Stiftungspräsident Franz Christ spricht von einer schwierigen Situation.

«Abschied vom Kloster» – unter diesem Titel teilte die Oekumenische Gemeinschaft in der letzten Ausgabe des Pfarrblatts (Splitausgabe Region 3 Laufental, Dorneck-Thierstein) mit, dass sie auf Ende 2018 das Kloster verlassen müsse. Der Text erweckt den Eindruck, dass die Stiftung für die Trennung verantwortlich sei. Man könnte gar hineininterpretieren, dass die Stiftung die Gemeinschaft hinauswirft. Dem ist aber nicht so, wie Urs Saner, Mitglied des Stiftungsrates und Kirchenratspräsident von Beinwil, und Stiftungsratspräsident Franz Christ gegenüber «Kirche heute» festhalten.

Er könne sich nur wundern über den Text, sagt Christ. Fakt ist, dass die Oekumenische Gemeinschaft auf Ende 2018 den mit der Stiftung abgeschlossenen Nutzungsvertrag gekündigt hat. Dieser war auf 10 Jahre befristet und wäre deshalb ohnehin ausgelaufen. Der Vertrag beinhaltet die Nutzung des Konventbaus, des ehemaligen Ökonomiegebäudes, des sogenannten Spiesshauses und des früher als Schulhaus genutzten Schwesternhauses. Das unter Denkmalschutz stehende Ensemble komplettieren die Kirche, die Johanneskapelle und der Friedhof.

Was äusserlich wie ein Ganzes wirkt, verteilt sich auf verschiedene Eigentümer. Der Stiftung gehört das Ökonomiegebäude, das Schwesternhaus und das Spiesshaus (dieses nur im Baurecht, der Boden ist im Eigentum der Kirchgemeinde). Das Konventsgebäude mit grossem Garten gehört dem Kloster Ma­riastein. Die Klosterkirche mit Vorplatz und die Johanneskapelle sind im Eigentum der Kirchgemeinde, der Friedhof gehört der Einheitsgemeinde und die Strasse der Flurgenossenschaft.

Mit der Kündigung war für den Stiftungsrat klar, dass nun nicht Gespräche über einen neuen Vertrag, sondern die Suche nach einem neuen Nutzer angesagt waren. Die Situation sei sehr schwierig, sagt Christ. Im Kloster stehen dringende Renovationen an Heizung, Fenster und Fassaden an, doch der Stiftung fehlt es an Geld. «Wir können nicht für ein leeres Kloster Geld sammeln», meint Christ.

Christ und Saner bedauern, dass sich die Dinge in Richtung Trennung entwickelt haben. «Es waren gute Jahre», sagt Christ. Beide Stiftungsratsmitglieder loben das Engagement der Oekumenischen Gemeinschaft. Diese habe die Gebäude mustergültig unterhalten, bei den regelmässigen Besuchen des Bauverantwortlichen der Stiftung sei alles tipptopp in Ordnung gewesen. Als Nutzer bezahlte die Oekumenische Gemeinschaft keine Miete, musste aber die Kosten inklusive Versicherungen und Serviceverträge tragen.

Bis vor zwei, drei Jahren habe es keinerlei Probleme gegeben, berichtet Urs Saner. Zu Differenzen kam es dann, als die Gemeinschaft Klagen wegen Lärmemissionen von Kirchvorplatz und Pfarrhaus erhob. In einem breit gestreuten E-Mail macht die Gemeinschaft geltend, dass das fremdvermietete Pfarrhaus den Klosteralltag seit Jahren beeinträchtigt habe. Gäste hätten abgesagt und einen ruhigeren Ort für Auszeit und Stille gesucht. Das habe die Gemeinschaft dazu gezwungen, die Notbremse zu ziehen.

Christ und Saner orten das Problem jedoch anderswo. Sie haben den Eindruck gewonnen, dass die Gemeinschaft mit ihren personellen Ressourcen an Grenzen gestossen sei. Dies teilte Stiftungsratspräsident Christ der Gemeinschaft im November 2017 in einer Situationsanalyse mit. Beinwil biete nicht mehr einer Gemeinschaft den nötigen Raum, sondern Christoph Wilden halte mit der Unterstützung anderer Glieder der Gemeinschaft und weniger Gäste unter Aufbietung der letzten Kräfte das ehemalige Kloster offen, hiess es darin. Kurz darauf beschloss die von einem Verein getragene Gemeinschaft, den Nutzungsvertrag per Ende 2018 aufzulösen. Für Christ ist die Kündigung eine «eindeutige Bekundung, dass die Gemeinschaft nicht weitermachen will oder nicht mehr kann». Trotz mehrmaliger Versuche war es für «Kirche heute» nicht möglich, von Christoph Wilden eine persönliche Stellungnahme zu erhalten.

Für den Stiftungsrat steht nun die Suche nach neuen Nutzern im Vordergrund, zugleich macht er sich Überlegungen über eine Erweiterung des Stiftungszwecks. In der aktuell geltenden Version ist dieser relativ eng gefasst: «Die Stiftung hat den Zweck, die profanen Gebäulichkeiten des ehemaligen Klosters Beinwil und ihre Umgebung zu restaurieren, damit sie einer Gemeinschaft zur Verfügung gestellt werden können, welche im Sinne des Evangeliums in Stille, Meditation und Gebet lebt und für die ökumenische Verständigung aller christlichen Konfessionen wirkt.» Eine kommerzielle Nutzung ist damit ausgeschlossen.

Regula Vogt-Kohler