Martin Wiedmann, der Sohn des Künstlers, übergibt Papst Franziskus bei der Generalaudienz am 20. Februar das Exemplar Nummer eins der Wiedmann-Bibel. | © Servizio Fotografico Vaticano
07.03.2019 – Aktuell

Das Alte und das Neue Testament in 3333 Bildern

In 16 Jahren malte Willy Wiedmann die gesamte Bibel und verstaute das Riesenwerk auf dem Estrich

Von 1984 bis 2000 malte der Stuttgarter Künstler Willy Wiedmann die vollständige Bibel in 3333 Bildern. Sein Werk erschien aber erst nach seinem Tod. Am 20. Februar übergab Wiedmanns in der Schweiz lebender Sohn Martin ein Exemplar an Papst Franziskus. Vatican News befragte ihn dazu.

 

Adam, Eva, die Schlange und der Baum der Erkenntnis im Garten Eden (Buch Genesis, Kapitel 3) in der Wiedmann-Bibel. | © © Wiedmann Media

Sie haben Papst Franziskus eine Ausgabe der Wiedmann-Bibel überreicht. Können Sie uns die Geschichte dieser Rekordbibel erzählen?

Martin Wiedmann: Mein Vater Willy Wiedmann war Künstler und hat als einziger Mensch der Welt die komplette Bibel gemalt. Er hat in 16 langen Jahren insgesamt 3333 Bilder gemalt und somit das komplette Alte und Neue Testament in Bildern wiedergegeben.

Zu Lebzeiten Ihres Vaters blieb die Bibel unveröffentlicht. Sie haben sie wiederentdeckt …

Mein Vater starb 2013, und ich habe danach seine Galerie aufgeräumt. Bei dieser Auf­räum­aktion, die mehrere Tage dauerte, habe ich ganz oben im Dachboden vier grosse Aluminiumkisten gefunden. In diesen Kisten befanden sich grüne Leporellos, sehr viele Bilder. Ich wusste zunächst nicht, was das ist. Doch Gott sei Dank fand sich auch die Erklärung in einer der vier Kisten: Mein Vater hatte ein Essay geschrieben über seine Bibelarbeit, seine Gefühle, seine Ideen – und seine Mission. Er wollte seine Bibel mit allen Christen teilen. Und er hat auch niedergeschrieben, dass es auf der Welt über eine Milliarde Analphabeten gibt; Menschen, die weder lesen noch schreiben können. Für diese Menschen ist das eine einmalige Chance, sich über Bilder mit der Bibel zu beschäftigen.

Diese Bibel konnten Sie jetzt bei der Generalaudienz dem Heiligen Vater überreichen. Wie hat er reagiert?

Ich habe auf diesen Tag hingefiebert. Als der Papst dann vor mir stand und mir die Hand geschüttelt hat, ich ihm das Werk erklären durfte … das war ein unvergesslicher Moment in meinem Leben. Ich denke, er war begeistert. Er hat seine Begeisterung, seine Bewunderung zum Ausdruck gebracht. Aber ich denke, er muss sich jetzt erst im Nachgang mit dem Werk etwas vertiefter beschäftigen, um wirklich zu realisieren, welch grossartige Leistung mein Vater hier über 16 lange Jahre vollbracht hat.

Interview: Silvia Kritzenberger, Vatican News