Christoph Wilden, stellvertretender Leiter der Oekumenischen Gemeinschaft Beinwil, im Klostergarten. (Foto: Regula Vogt-Kohler)
21.04.2018 – Hintergrund

Ein Abschied mit langer Ansage

Christoph Wilden blickt im Gespräch mit «Kirche heute» auf erfolgreiche Jahre in Beinwil zurück

Wegen Rückgangs der Gäste und damit drohender finanzieller Probleme sah sich der Verein Oekumenische Gemeinschaft Beinwil gezwungen, den Nutzungsvertrag mit der Stiftung Beinwil zu kündigen. Die Gemeinschaft sucht nun einen neuen gastfreundlichen Ort.

Der Frühling hat auch im Lüsseltal am Passwang, wo sich die Streusiedlung Beinwil über ein weites Gebiet erstreckt, Einzug gehalten. Es grünt und blüht, die aus der Winterstarre erwachende Natur verbreitet Aufbruchsstimmung. Auch im Kloster Beinwil stehen die Zeichen auf Aufbruch, allerdings unter negativen Vorzeichen. Nach zehn Jahren, in denen die Oekumenische Gemeinschaft das Kloster als einen Ort der Stille und der ökumenischen Begegnung betrieben hat, ist nun mit der Kündigung auf Ende 2018 der Abschied am Horizont zu sehen.

Christoph Wilden, stellvertretender Leiter der Oekumenischen Gemeinschaft, spricht von einer grossen Traurigkeit, betont aber im Gespräch mit «Kirche heute», dass die letzten zehn Jahre auch eine Erfolgsgeschichte seien. Den nicht einfachen Strukturen mit der Mischung von sechs Eigentümern («Kirche heute» 16/2018) und den herausfordernden finanziellen Rahmenbedingungen zum Trotz. … «Die Gemeinschaft bekommt keine Dauersubvention, keine Kirchensteuer, keinen Lohn für die Arbeit», heisst es dazu in der aktuellen Ausgabe der Broschüre «BiB Begegnung in Beinwil». BiB erscheint zweimal jährlich, im Advent und zu Ostern, und enthält jeweils einen Spendenaufruf.

Auch für die AHV-Beiträge und die Krankenkassenprämien müsse jeder und jede selber aufkommen, hält Wilden fest. Deshalb sei eine externe Berufstätigkeit unumgänglich. Dies erkläre wiederum, dass seit 2008 stets nur zwei bis drei Mitglieder der Gemeinschaft dauerhaft vor Ort sein könnten.

Trotz schwieriger Ausgangslage hätten Finanzierung und Gästebetrieb immer erfolgreich funktioniert, sagt Wilden. Als sich aber im Herbst 2017 die Absagen von Gästen plötzlich häuften, verdüsterten sich die Aussichten. Ein Kassensturz ergab, dass es für 2018 noch reichen würde, aber nicht lange darüber hinaus. Der Verein suchte vergeblich das Gespräch mit Kirchenrat und Stiftung und sah sich gezwungen, den Nutzungsvertrag zu kündigen. Auslöser für die Absagen war das von der Kirchgemeinde fremdvermietete Pfarrhaus. Gäste, die im Kloster Beinwil eine Auszeit in Stille suchten, sahen ihre Erwartungen bedroht und hielten nach einem ruhigeren Ort Ausschau. Die Problematik um das seit 2009 an Externe vermietete Pfarrhaus habe immer bestanden, erklärte Wilden auf die explizite Frage, doch mit den weit über dem üblichen Mass liegenden Stornierungen ging es nun um die Substanz.

Hoffnungen, mit der Kirchgemeinde und der Stiftung eine Lösung zu finden, erfüllten sich nicht, und so macht sich nun die Gemeinschaft an die Vorbereitungen für den Auszug. Im Gespräch mit den Beteiligten wird deutlich, dass allen bewusst ist, wie schwierig die Situation für alle ist. Die Stiftung sucht neue Nutzer, die Gemeinschaft einen neuen gastfreundlichen Ort. «Wir sind kein klassisches Kloster, sondern verstehen uns als ökumenische Gemeinschaft von Männern und Frauen, die einen kirchlichen Auftrag in der Gesellschaft ausüben», sagt Wilden.

Regula Vogt-Kohler

Lange Geschichte mit Blütezeit im Hochmittelalter

Das Kloster Beinwil entstand um die Wende um 1100 als Filiale des Benediktinerklosters Hirsau im Schwarzwald. Der Standort am mittleren Lauf der Lüssel erscheint aus heutiger Sicht sehr abgelegen, war jedoch kein Niemandsland. Es war der lokale Adel, der die Abtei gründete, und bereits die Kelten waren am Passwang präsent. Um 530 soll der irische Wandermönch Fridolin am Standort einer keltischen Kult- und Begräbnisstätte den Vorgängerbau der heutigen Johannes-Kapelle errichtet haben.

Bis ins 13. Jahrhundert erlebte das Kloster Beinwil, dem rund 150 Jahre lang auch ein Frauenkonvent angeschlossen war, eine Blütezeit. Danach folgte eine Phase des Niedergangs, die ihren Grund auch im Konflikt zwischen Solothurn und Basel um die Hoheit am Passwang hatten. Der aus heutiger Sicht schwer nachvollziehbare Verlauf der Kantonsgrenzen ist ein Abbild der teilweise erfolgreichen Versuche der Stadt Solothurn, ihren Besitz über den Jurakamm in Richtung Norden auszudehnen. Plünderungen und Brandschatzungen setzten dem Kloster schwer zu.

1648 zogen die Mönche nach Mariastein aus. Ein halbes Jahrhundert zuvor war das Spiesshaus als Schule errichtet worden. Mit Baujahr 1594 ist dieses Gebäude der heute älteste Teil der Klosteranlage. Hoffnungen auf eine Rückkehr zerschlugen sich, und mit dem Brand im August 1978 war ein absoluter, auch äusserlich unübersehbarer Tiefpunkt erreicht.

Nach dem Wiederaufbau übernahm die Stiftung Beinwil die Eigentümerschaft der Klosteranlage. Die Ära einer ersten ökumenischen Gemeinschaft endete 2007 nach Turbulenzen. Vor rund zehn Jahren sorgte eine neuformierte ökumenische Gemeinschaft für eine Neubelebung des Klosters.

beinwil.org