Bischof Peter Bürcher | © SBK
21.05.2019 – Aktuell

Ein Apostolischer Administrator für das Bistum Chur

Der Papst überträgt die Leitung des Bistums für eine Übergangszeit dem pensionierten Bischof Peter Bürcher

Papst Franziskus hat den Rücktritt des Bischofs von Chur, Vitus Huonder (77), angenommen. Als Übergangsleiter des Bistums ernannte er den früheren Bischof von Reykjavik, Peter Bürcher (73), wie der Vatikan am Montag (20. Mai) mitteilte.

Der gebürtige Walliser Bürcher leitet das Bistum Chur als sogenannter Apostolischer Administrator in direktem Auftrag des Papstes so lange, bis ein regulärer Bischof ernannt ist. Vitus Huonder war seit 2007 Bischof von Chur. Sein Rücktritt war seit Ostern dieses Jahres erwartet worden. Im April 2017 hatte Franziskus die Amtszeit des damals 75-Jährigen um zwei Jahre verlängert.

Der frisch emeritierte Bischof Vitus Huonder wandte sich am 20. Mai mit einem Abschiedsbrief an die kirchlichen Mitarbeitenden, an Weihbischof Marian Eleganti und die «Brüder und Schwestern». Er bedankt sich «für jedes Zeugnis des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe, das sie in ihrem geistlichen Bemühen und in ihrer täglichen Arbeit im Sinne des Evangeliums und der Lehre der Kirche» gegeben hätten. Vitus Hounder hatte nach eigenen Angaben «vor ein paar Tagen» von Nuntius Thomas E. Gullickson erfahren, dass seine Amtszeit am 20. Mai endet.

Vitus Huonder verliess den Bischofssitz in Chur am 20. Mai nach knapp zwölf Jahren im Amt. Wie angekündigt zieht er sich zurück ins sanktgallische Wangs, ins Knabeninstitut «Sancta Maria» der Priesterbruderschaft St. Pius X., wie es beim Bistum auf Anfrage hiess.

Der neue Apostolische Administrator will zuhören

Peter Bürcher will ein «Diener» der Katholiken im Bistum Chur sein. «Ein Diener hört zu, um besser dienen zu können», schreibt der Apostolische Administrator in seiner Botschaft vom 20. Mai. «Ich bin nun Ihr Diener. Ich will Ihnen zuhören.» Das schreibt Peter Bürcher in seiner auf der Webseite des Bistums Chur publizierten Botschaft. Er sei sich der grossen Herausforderung des Mandats bewusst. Dabei zähle er auf die Gnade Gottes. «Von diesem Moment an habe ich es gewagt, auch auf Sie alle zu zählen», gibt Bürcher den Ball an die «Brüder und Schwestern» in der Diözese Chur weiter. Er betont: «Ich freue mich auf die Begegnungen und den Austausch mit den Katholiken des Bistums!» Gleichzeitig empfiehlt Bürcher ihnen «dringend», das «Gebet für einen neuen Bischof» so oft wie möglich zu beten.

Er habe «nicht und nie damit gerechnet», dass er zum Apostolischen Administrator des Bistums Chur bestimmt werde, so Bürcher in der Botschaft. «Es war eine totale Überraschung für mich!», betont er. Er habe als emeritierter Bischof mit 73 Jahren «nach ein wenig Ruhe» gestrebt. Wie er in der Botschaft schreibt, hat Peter Bücher dem Papst alle seine «Bedenken und Vorbehalte über diese neue Mission» dargestellt. Doch Papst Franziskus habe anders entschieden. Und er füge sich dem päpstlichen Willen – «im Geiste der Verfügbarkeit und des Gehorsams».

Laut dem Papst nur «für ein paar Monate» im Amt

Die Aufgabe sei nur für «ein paar Monate» vorgesehen, so Bürcher. Das habe Papst Franziskus ihm bei einer Privataudienz am 11. Mai zugesichert.

Während der neue Administrator seinen Willen zur Kommuniktion mit den Katholiken betont, stellt er sich aktuell den Medien aktuell nicht zur Verfügung. Er verspricht aber in seiner Botschaft, dies bis in zwei Wochen nachzuholen.

In Peter Bürcher werden grosse Hoffnungen gesetzt

Freude und Hoffnung – so lauten erste Reaktionen auf die Nachricht, dass Peter Bürcher zum Apostolischen Administrator im Bistum Chur ernannt wurde. Die Katholische Kirche im Kanton Zürich und die Allianz «Es reicht» hoffen auf einen Versöhnungsprozess.

«Wir begrüssen den neuen Administrator und reichen ihm unsere Hand für den Versöhnungsprozess, der in unserem Bistum dringend notwendig ist und den er als Administrator der Diözese in den nächsten Monaten begleiten und verantworten wird», heisst es in der Mitteilung der Katholischen Kirche im Kanton Zürich.

Die Ernennung von Bischof Peter Bürcher zum Apostolischen Administrator der Diözese Chur schaffe Klarheit für den weiteren Prozess zur Regelung der Nachfolge von Bischof Vitus Huonder. Bürcher sei in Zürich noch nicht sehr bekannt, auch werde für den Administrator «vieles neu sein». «Unsere Türen stehen offen für einen zukunftsgerichteten Dialog und einvernehmliche Schritte im bewährten dualen System der Katholischen Kirche im Kanton Zürich.»

«Sehr zufrieden» zeigt sich die Allianz «Es reicht», die sich für Reformen in der katholischen Kirche einsetzt. Diese hatte sich im Vorfeld des 75. Geburtstags von Vitus Huonder für einen Apostolischen Administrators als Übergangslösung ausgesprochen, damit die Situation im Bistum Chur zuerst befriedet werden könne. Die Allianz freut sich, «dass Rom die Situation offenbar auch so einschätzt», sagte deren Sprecher, der Kapuziner Willi Anderau, gegenüber kath.ch. Die Allianz hofft denn auch, dass Bürcher «im Bistum Chur eine Atmosphäre schaffen kann, auf der ein künftiger Bischof aufbauen kann.»

2004 im Konflikt mit dem Waadtländer Pfarreiverband

Der neue Verantwortliche des Bistums Chur, Peter Bürcher, hatte vor 15 Jahren grosse Mühe mit der Doppelstruktur der katholischen Kirche der Waadt. Deswegen wurde er der Verantwortung für das Bischofsvikariat des Kantons Waadt enthoben.

Peter Bürcher erklärte im Juni 2004 vor den Medien, es habe sich um einen mehr oder weniger offenen Konflikt innerhalb der katholischen Kirche gehandelt. Dabei gehe es um die Doppelstruktur der Kirche, die nach den damaligen Worten Bürchers «unkonstruktiv» war. Bürcher – damals Weihbischof des Bistums Lausanne Genf und Freiburg (LGF) – war bis zu jenem Zeitpunkt für das Bischofsvikariat des Kantons Waadt zuständig gewesen.

Vor den Medien sprach er damals von Spannungen zwischen den Finanzverantwortlichen des Verbandes der katholischen Pfarreien des Kantons Waadt und gewissen Seelsorgenden, «und im Besonderen mit dem Bischofsvikariat». Als Grund dafür nannte er die verschiedenen Auffassungen von Kirchlichkeit. Ein demokratisch organisierter Verband entspreche «nicht der grundlegenden Struktur der katholischen Kirche», befand er und bezog sich dabei auf den Verband der katholischen Pfarreien des Kantons Waadt. Dieser war aufgrund des Statuts der Waadtländer Katholiken von 1970 aufgebaut worden.

Wegen dieser Spannungen enthob ihn der damalige Diözesanbischof Bernard Genoud der Verantwortung für das Bischofsvikariat des Kantons Waadt. Bürcher blieb aber weiterhin Generalvikar des Bistums LGF und übernahm weitere Aufgaben. Drei Jahre später wurde er zum Bischof in Reykjavik ernannt.

Quellen: kath.ch, sda