Jugendliche aus dem Bistum Basel beim Bistumsjugendtreffen in Basel (24. September 2017). (Foto: Christian von Arx)
27.01.2018 – Hintergrund

«Wichtig ist, dass man sich engagiert»

Bischof Felix Gmür äussert sich zum vielfältigen Wirken der Jugendlichen in der Kirche

«Wenn jemand seinen Weg sucht, so will ich das unterstützen», sagt Bischof Felix Gmür. Der Gottesdienst spielt eine zentrale Rolle bei der Weitergabe des Glaubens. Wichtig sei es, erfahren zu können, dass Gott da ist, sagt Gmür.

2018 findet in Rom die Bischofssynode zum Thema «Die Jugendlichen, der Glaube und die Berufungsentscheidung» statt. Zur Vorbereitung hat Papst Franziskus mittels Fragebogen die Meinung der Jugendlichen eingeholt. Kommen diese Antworten auch zum Bistum?
Felix Gmür: Die Resultate der Umfrage kommen via Jugendbischöfe zur Bischofskonferenz und gehen dann nach Rom. Entscheidend ist: Man fragt die Betroffenen und lädt sie an die Synode ein. Das ist etwas, was die Kirche schon immer konnte, und mal besser, mal weniger gut gelebt hat: die betroffenen Leute einbeziehen. Man spricht nicht über die Jugendlichen, sondern mit den Jugendlichen.

Wie kommen denn die Stimmen der Jugend nach Solothurn?
Die Stimmen hören wir auf vielen Kanälen. Eine Quelle sind die Fachstellen und die Jugendkommissionen. Dann bin ich selbst sehr viel unterwegs in den Regionen unseres Bistums, im Austausch mit den Leuten. Meist beschränken sich die Feedbacks nicht auf einen einzigen Aspekt wie «Jugend». Sondern da redet dann einer über Jugendseelsorge und schimpft gleich noch über den Lehrplan 21 und beklagt sich, die Jugendlichen kämen nicht in die Kirche, weil die Kirchenmusik altmodisch sei. Das betrifft zwar alles die Jugend, es sind aber ganz verschiedene Aspekte. Eine gute Quelle sind die mehreren hundert Firmungen in unserem Bistum pro Jahr. An den vorgängigen Treffen mit den Firmanden kommt vieles zur Sprache, was die Jugendlichen bewegt.

Welche prägende Kirchenerfahrung haben Sie selber als Kind und Jugendlicher gemacht?
Was mich geprägt hat, ist unter anderem der Besuch der Messe jeden Sonntag. Weil es regelmässig war und trotzdem jeden Sonntag wieder ein wenig anders. Die Liturgie ist ja reich an ganz verschiedenen Aspekten. Einerseits ist sie ein ganzheitliches Erlebnis, es gibt etwas zu spüren, schmecken, riechen und jede Menge zu sehen. Dann ist es auch ein intellektuelles Erlebnis, denn man hört das Wort Gottes und eine Predigt. Dann singt man, wobei Leib und Seele eingebunden sind. Das Geschehen ist darauf konzentriert, dass Gott jetzt da unter den Menschen ist. Der Glaube wird nicht durch Diskussionen weitergegeben, sondern durch die existenzielle Auseinandersetzung mit Gott im Feiern der Liturgie.

Auch bei den Ministranten habe ich sehr viel Freiheit genossen, wir konnten unsere eigenen Ideen einbringen, zum Beispiel beim Organisieren unserer Lager. Das finde ich auch heute bei den Jugendverbänden super: Die Jungen können ihre Ideen verwirklichen und müssen Verantwortung übernehmen. Und trotzdem sind sie nicht allein, sondern haben die Pfarrei im Rücken.

Sie haben die existenzielle Erfahrung der Liturgie beschrieben. Doch selbst die Jugendlichen von Jungwacht Blauring, die der Kirche nahestehen, sind nur selten im Gottesdienst anzutreffen.
Das ist so. Auch manche Ministranten gehen vor allem dann in den Gottesdienst, wenn sie selber im Einsatz sind. Deshalb ist es gut, wenn sie möglichst oft Dienst haben (lacht). Aber man muss auch sagen, dass Kinder heute in einer völlig anderen Welt aufwachsen als ich damals. Wir hatten zu Hause keinen Fernseher. Heute ist es vielleicht eher in einem Taizégottesdienst, der viel ruhiger ist, wo die Jugendlichen eine mystische Erfahrung machen können. Wichtig scheint mir die Erfahrung, dass Gott da ist, dass er erfahrbar wird.

Also gelten dem Bistum nicht ausschliesslich diejenigen Jugendlichen, welche die Lobpreisabende von Adoray besuchen, als hoffnungsvolle Jugend?
Die einen sind bei Adoray, andere in der Jubla, wieder andere bei den Ministranten. Man sollte nicht das eine gegen das andere ausspielen. Das ist Vielfalt. Wichtig ist, dass man sich engagiert. Wenn jemand seinen Weg sucht, will ich das unterstützen. Das Schöne an Adoray ist die Anbetung. Man ist einfach vor Gott und betet. Das bedeutet nicht jedem gleich viel, aber das Schöne in der katholischen Kirche ist ja, dass es so viele verschiedene Frömmigkeitsformen gibt. Da besitzt unsere Kirche einen riesigen Reichtum.

Interview: Andreas Wissmiller, Marie-Christine Andres

Authentische Beziehungsarbeit

Vom 3. bis 28. Oktober 2018 findet in Rom eine Bischofssynode zum Thema «Jugend, Glauben und Berufung» statt. Noch bis Ende 2017 konnten Jugendliche ihre Sicht dem Vatikan via Beantwortung eines Online-Fragebogens darlegen. Während die Ergebnisse dieser Umfrage noch nicht vorliegen, präsentiert Jugendbischof Marian Eleganti in der neusten Ausgabe der Kirchenzeitung die Resultate einer Befragung von Institutionen sowie haupt- und ehrenamtlich Tätigen im Bereich Jugendarbeit. Der Erfolg kirchlicher Jugendarbeit werde in hohem Masse an einer authentischen, dialogischen Beziehungsarbeit festgemacht, hält Eleganti fest. Dabei spiele das eigene Vorbild in Glaubensfragen eine entscheidende Rolle.