Bischof Felix Gmür vertraut darauf, «dass wir in den bei uns schon lange diskutierten Fragen auch auf weltkirchlicher Ebene wichtige Schritte weiterkommen.»| © Pia Neuenschwander
15.11.2021 – Aktuell

«Synodaler Prozess wird Bistum und Kirche weiterbringen»

Bischof Felix Gmür beantwortet öffentlich auf kritischen Brief

Mit Zustimmung des Absenders hat das Bistum Basel einen kritischen Brief aus Basel zum synodalen Prozess und die Antwort von Bischof Felix Gmür veröffentlicht. Er sei «überzeugt, dass der synodale Prozess unser Bistum und unsere Kirche weiterbringen wird», schreibt der Bischof.

Das Schreiben vom 17. Oktober stammt von Peter Meier aus Basel und fünf Mitunterzeichnenden, die sich in einer Gruppe zusammengefunden hatten, wie es vom Bistum in der Übungsanlage zum synodalen Prozess vorgesehen ist. Sie alle hätten jahrelang in verschiedenen Funktionen in der Kirche aktiv mitgearbeitet, aber jetzt beschlossen, sich nicht an der Synode zu beteiligen. Grund: «Seit dem Konzil wird geredet, geredet, geredet.» Trotzdem habe sich in den entscheidenden Fragen wie Frauenpriestertum, Zölibat und Sexualmoral nichts geändert. Im Gegenteil, erst kürzlich habe die Kurie die Kirche mit ihrer Weisung gegen die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare wieder unglaubwürdig gemacht.

«Reformen nur von unten möglich»

Die Unterzeichnenden des Briefes an den Bischof wünschen sich von der Kirche nicht neue Gesprächsrunden, sondern endlich Handlungen. Sie kommen aber zum Schluss: «Reformen in grundlegenden Fragen sind offenbar nur von unten möglich, nicht aus Rom.» Sie fragen sich, «ob sich nicht ein Dutzend aufgeschlossene Bischöfe zusammentun und Reformen durchführen müssten, Rom hin oder her.» Das wäre, so glauben sie, sogar im Sinn des Papstes, der offenbar ständig von Teilen der Kurie überspielt werde und auch schon gesagt habe, man solle nicht so viel fragen.

Bischof erkennt eine «neue Dynamik»

In seiner gleichzeitig auf der Website des Bistums Basel veröffentlichten Antwort zeigt Bischof Gmür Verständnis für die «Enttäuschung über viele Entwicklungen in unserer Kirche in den letzten Jahrzehnten» und die entsprechenden Bedenken gegenüber dem synodalen Prozess. Ähnliche Rückmeldungen würden ihn derzeit regelmässig erreichen.

Der Bischof hält den Kritikern entgegen, in viele Themen sei, besonders durch Initiativen von Papst Franziskus, neue Dynamik gekommen. «Noch nie seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil und der synodalen Phase danach wurde offener über alle grossen, ungelösten Fragen geredet als heute – auch in Bischofskonferenzen, in der römischen Kurie und an verschiedenen Orten weltweit.»

Gmür meint, auch die Verantwortlichen in der römischen Kurie seien sich «sehr bewusst», dass es nicht bei freundlichem Gespräch, aber letztlich leeren Worten bleiben dürfe. «Deshalb vertraue ich darauf, dass wir in den bei uns schon lange diskutierten Fragen auch auf weltkirchlicher Ebene wichtige Schritte weiterkommen.»

Den Weg der Kirche in den Blick nehmen

Weiter gibt der Bischof von Basel zu bedenken, bei den «bekannten ungelösten Fragen und Problemen unserer Kirche» handle es sich letztlich um innerkirchliche Diskussionen. Das eigentliche Anliegen des synodalen Weges sei aber der Weg der Kirche in der Welt – «für unser Mitgehen mit Menschen am Rand, in Not und auf der Flucht, für die Pflege von Orten der Begegnung untereinander und mit Gott im Wort der Heiligen Schrift und in den Sakramenten und zur Gestaltung von Gemeinschaften, in der sich wirklich alle eingeladen fühlen und ihre gottgeschenkte Würde erfahren», schreibt Bischof Felix Gmür.

Der synodale Prozess ermögliche Glaubensgespräche, die die Strukturfragen nicht ausklammerten und trotzdem den Weg der Kirche in der Welt im Blick hätten. Mit den Eingaben der Gesprächsgruppen werde die synodale Versammlung in Basel im Januar 2022 sich in den weltweiten synodalen Prozess einbringen, aber auch neue Wege für das Bistum Basel suchen. «Ich bin überzeugt, dass der synodale Prozess unser Bistum und unsere Kirche weiterbringen wird», schliesst der Bischof seine Antwort.

Christian von Arx