Die an verschiedenen Standorten in Therwil aufgestellten Plakate thematisieren die Vielfalt von Religionen und Weltanschauungen und die Rolle des Staates. | © Regula Vogt-Kohler
15.09.2020 – Aktuell

Ein Bettag unter besonderen Umständen

Die Corona-Pandemie drückt auch dem Eidgenössischen Dank-, Buss- und Bettag, den wir am Sonntag, 20. September begehen, ihren Stempel auf. Wegen der Ansteckungsgefahr finden viele traditionelle Bettagsfeiern nicht statt. So gibt es in Therwil dieses Jahr keinen ökumenischen Gottesdienst. «Wir haben keine Kirche, in der so viele Leute Platz hätten», sagt Elke Kreiselmeyer, Gemeindeleiterin der Römisch-katholischen Pfarrei St. Stephan. «Wir haben uns dann überlegt, was der Bettag überhaupt sein kann. Was könnte heute den Bettag zu einem sinnvollen Tag machen?» Wir, das sind die Vertreterinnen der drei Landeskirchen: neben Elke Kreiselmeyer die reformierte Pfarrerin Lea Meier und Liza Zellmeyer, Priesterin der christkatholischen Kirche.

Der heutige Bettag hat seine historischen Wurzeln in den sogenannten «grossen Gebeten», welche die staatliche Obrigkeit in Zeiten grosser Krisen anordnete. Nach der Reformation gingen aber die beiden Konfessionen zunächst getrennte Wege. Die Zeiten konfessioneller Konflikte liegen nun aber weit hinter uns, und es sind auch längst mehr als nur Reformierte und Katholiken, welche die religiöse Landschaft gestalten.

Konfrontiert mit einem staatlich verordneten Feiertag hat sich das Therwiler Trio auch mit dem Verhältnis zwischen Kirche und säkulärem Staat befasst. Sie gelangten schliesslich zum Fazit, dass es eine Haltung brauche, welche im anderen etwas Gutes sehe. Umgesetzt ist dies in Form von Plakaten, auf denen Vertreterinnen und Vertreter unterschiedlichen Religionen und Weltanschauungen kundtun, was sie an einer anderen Religion oder Weltanschauung schätzen.

An der Aktion beteiligt ist auch die Gemeinde Therwil. «Wir wollten bewusst die politische Gemeinde ins Boot holen», sagt Kreiselmeyer. «Sie unterstützt uns finanziell, und der Werkhof hängt die Plakate auf.» Zudem dürfen die grossen Plakate nicht wie üblich eine Woche, sondern 14 Tage (bis am 28. September) hängen bleiben. Die Plakate laden ein zu einem Spaziergang durch Therwil. Man kann aber auch einen QR-Code einscannen und an Ort und Stelle alle Zitate und weitere Informationen zum Bettag lesen.

Regula Vogt-Kohler