Béatrix von Sury d’Aspremont (Reinach) übernimmt das Präsidium der Baselbieter Synode von Pascal Ryf (Oberwil). | © Christian von Arx
27.06.2019 – Aktuell

Béatrix von Sury ist die neue Synodepräsidentin

Erstmals seit 1993 wird die römisch-katholische Synode Basel-Landschaft wieder von einer Frau geleitet

Béatrix von Sury d’Aspremont aus Reinach ist die neue Präsidentin der Synode der Römisch-katholischen Landeskirche Basel-Landschaft. Die Synodalen wählten die 57-jährige Landrätin und Vize-Gemeindepräsidentin am 25. Juni zur Nachfolgerin von Pascal Ryf (Oberwil).

Auf den Tag genau vor fünf Jahren war der Oberwiler Pascal Ryf zum Präsidenten der Synode gewählt worden. Mit ihm seien damals wieder Ruhe und Harmonie eingekehrt, und er habe das katholische Kirchenparlament des Baselbiets mit seiner Erfahrung aus dem Landrat effizient geleitet, anerkannten Béatrix von Sury, Kirchenratspräsident Ivo Corvini und Bischofsvikar Christoph Sterkman übereinstimmend. Unbestrittener Höhepunkt von Ryfs Amtszeit war die Romreise vom Juli 2016, als das Synodebüro und der Landeskirchenrat gemeinsam der Kongregation für die Glaubenslehre eine Bittschrift mit den Anliegen der 2014 von den katholischen Stimmberechtigten in Basel-Stadt und Basel-Landschaft mit grossen Mehrheiten angenommenen Gleichstellungsinitiative übergaben.

Zum zweiten Mal eine Präsidentin

Für Ryfs Nachfolge war Béatrix von Sury, die schon bisher dem Büro der Synode angehörte, die einzige Kandidatin, und sie wurde von den Synodalen in offener Wahl einstimmig gewählt. Sie ist promovierte Kriminologin, Mutter von drei erwachsenen Kindern und stark in der Politik engagiert: Seit 2006 als Einwohnerrätin, seit 2012 als Gemeinderätin und seit 2014 als Vize-Gemeindepräsidentin von Reinach, seit 2017 auch als Landrätin der CVP. Béatrix von Sury ist erst die zweite Frau an der Spitze der Synode: Von 1989 bis 1993 präsidierte Therese Gutzwiller (Therwil) als erste Frau die römisch-katholische Synode Baselland, wie der Kommunikationsverantwortliche Dominik Prétôt auf Anfrage gegenüber «Kirche heute» mitteilte.

Gleichzeitig mit Ryf trat auch Vizepräsident Niggi Thurnherr (Arlesheim) zurück, der dieses Amt während acht Jahre ausgeübt hatte. Als neuer Vizepräsident der Synode wurde Beat Siegfried (Münchenstein), bisher Mitglied des Büros, gewählt. Da nach den Rücktritten von Ryf und Thurnherr noch keine Ersatzkandidaturen gefunden wurden, bleiben zwei Sitze im Büro vakant. In die siebenköpfige Prüfungskommission der Synode, das Kontrollorgan der Landeskirche, wurde als Nachfolgerin des zurückgetretenen Stefan Fraefel (Liestal) die Treuhandangestellte Nicole Schaub Thüring (Ettingen) gewählt.

Personendaten ab 2021 vom Kanton

Am meisten zu reden gab an der Sommersynode ein Nachtragskredit von rund 55 000 Franken für die Beschaffung und Einführung einer Mitgliederdatenbank. Bisher beziehen die Baselbieter Kirchgemeinden ihre Mitgliederdaten, inklusive der Steuerdaten, von den jeweiligen Einwohnergemeinden. Dieser Datenaustausch wird bis Ende 2020 eingestellt. Neu können sich die Kirchgemeinden aller drei Landeskirchen direkt an das kantonale Personenregister «arbo» anschliessen. Für die dazu nötige datenschutzkonforme Software konnten sich die drei Baselbieter Landeskirchen als «Juniorpartner» an eine interkantonale Ausschreibung anschliessen, an der sich sechs weitere reformierte und katholische Landeskirchen der Kantone AG, BS, SG und ZH beteiligten. Den Zuschlag erhielt die Firma KW-Software AG in Döttingen, mit ihr wurde ein Rahmenvertrag über fünf Jahre ausgehandelt.

Überwiegend zeigten sich die Synodalen zufrieden mit dieser Lösung. Vereinzelt wurde Kritik an zu spärlicher Information und Berücksichtigung der speziellen Gegebenheiten der einzelnen Kirchgemeinden geäussert. In der Schlussabstimmung wurde der Kredit aber ohne Gegenstimmen bei sechs Enthaltungen genehmigt. Die einmalige Investition von rund 55 000 Franken übernimmt die Landeskirche. Zu Lasten jeder Kirchgemeinde gehen anschliessend jährliche Lizenzkosten von je 650 Franken. Ein auf Antrag aus der Synode angenommener Zusatz präzisiert, dass allfällige Adaptionen auf eigene Kosten der betreffenden Kirchgemeinde möglich sind.

Jahresrechnung fast wie Budget

Gänzlich unbestritten waren an der Synode die Jahres- und Rechenschaftsberichte und die Jahresrechnung 2018 der Landeskirche. Bei einem Gesamtaufwand von rund 10,256 Mio. Franken schliesst die Jahresrechnung mit einem Mehraufwand von rund 80 000 Franken, was praktisch dem budgetierten Verlust von rund 77 000 Franken entspricht.

Wo ist der Ausgleichsfonds?

Mit einer Interpellation erkundigte sich Siegfried Bantle (Liestal) nach Stand und Zahlungen aus dem Ausgleichsfonds, aus dem gemäss der Verordnung über die Steuern und den Finanzausgleich in Ausnahmefällen ausserordentliche Beiträge an Kirchgemeinden gewährt werden können. Nach der Auskunft von Landeskirchenrat Sergio Marelli wurde das Fondsvermögen von 2,135 Mio. Franken im Zug der Umstellung auf das Rechnungslegungsmodell HRM2 auf 1.1.2016 ins Eigenkapital überführt, wie alle Fonds und Rückstellungen ohne eigene Reglemente. Der Landeskirchenrat beabsichtigt, bei nächster Gelegenheit den Ausgleichsfonds aus der Verordnung zu streichen. Trotzdem könne sich jede Kirchgemeinde bei einem finanziellen Engpass mit einem Gesuch an die Landeskirche wenden. Kürzlich sei dies im Fall der Kirchgemeinde Grellingen so gehandhabt worden.

Interpellant Bantle erklärte sich zwar mit der Antwort nicht zufrieden, weil er weiterhin eine Existenzberechtigung des Fonds sähe. Die Synode lehnte aber eine Diskussion des Themas ab.

Tag der offenen Tür im Pastoralen Zentrum

An der Synode wurden die nun vollzähligen Mitarbeitenden des Pastoralen Zentrums Katholisch BL vorgestellt. Es sind dies Dominik Prétôt (Kommunikation und in der Aufbauphase administrative Leitung), Fabienne Netzhammer (Administration), Thomas Kyburz-Boutellier (Fachverantwortlicher Bildung-Spiritualität) und Verena Gauthier Furrer (Fachverantwortliche Diakonie). Am 23./24. August lädt das Pastorale Zentrum zu einem Tag der offenen Tür an der Munzachstrasse 2 in Liestal.

Keine Lösung am UKBB in Sicht

In der Spitalseelsorge am Universitätskinderspital beider Basel (UKBB) zeichnet sich die von der Synode gewünschte Aufstockung nicht ab. Derzeit besteht lediglich in Pensum von 20 Prozent, das eine reformierte Seelsorgerin innehat. An einer Sitzung im Mai habe die Spitalleitung mit CEO Marco Fischer klargemacht, dass sie keine Änderung und insbesondere keine aufsuchende Seelsorge wünsche: «Unser Auftrag hat ihnen keinen grossen Eindruck gemacht», berichtete Landeskirchenrätin Monika Fraefel. Der Weg zu einer Verbesserung der Situation sei steil und schwierig.

In Kürze

  • Landeskirchenratspräsident Ivo Corvini teilte mit, dass die Landeskirche verstärkt kontrolliert, ob die Kirchgemeinden ihre Verpflichtung zur Kollektivunterschrift bei Ausgaben einhalten. Seit der Einführung dieser Pflicht von fünf Jahren seien in zwei Kirchgemeinden finanzielle Schäden eingetreten, bei denen diese Verpflichtung nicht eingehalten war. Die Prüfungskommission ist angewiesen, diesen Punkt bei den Kontrollen der Jahresrechnung durchzusetzen.
  • Synodepräsident Pascal Ryf verabschiedete die Regionalverantwortliche Gabriele Tietze, die in Pension geht und zum letzten Mal in offizieller Funktion an der Synode teilnahm. Ab 1. August wird das Bischofsvikariat St. Urs in Liestal nur noch im Zweierteam geleitet. Neu wird Bischofsvikar Christoph Sterkman für alle sieben Pasotralräume on Baselland zuständig sein.
  • An der Synode vom 25. Juni waren 66 Synodalen anwesend. Als neue Mitglieder angelobt wurden Walter Hauser (Allschwil), Georg Hammann (Binningen-Bottmingen), Samuele Incognito (Oberwil) und Hanspeter Imhasly (Aesch).

Christian von Arx

Mit der von der Synode beschlossenen neuen Mitgliederdatenbank werden die Baselbieter Kirchgemeinden ab 2021 ihre Mitgliederdaten direkt vom kantonalen Personenregister «arbo» und nicht mehr von der jeweiligen Einwohnergemeinde beziehen. | © Christian von Arx
Mit der von der Synode beschlossenen neuen Mitgliederdatenbank werden die Baselbieter Kirchgemeinden ab 2021 ihre Mitgliederdaten direkt vom kantonalen Personenregister «arbo» und nicht mehr von der jeweiligen Einwohnergemeinde beziehen. | © Christian von Arx