Die Laterne der onYva-Clique am Aeschestraich: Hinten die Büchse der Pandora (Bild), auf der Vorderseite Nelson Mandelas Porträt. (Foto: Christian von Arx)
03.03.2018 – Hintergrund

Wo sich Fasnacht und Fastenzeit berühren

Basler Aeschestraich in der Predigerkirche

Zum 10. Mal luden die christkatholische und die römisch-katholische Kirche zum Basler Aeschestraich. Im Mittelpunkt der Feier stand die Laterne der onYva-Clique.

Freitag, 18 Uhr, in der Basler Predigerkirche: Rund 100 Personen haben sich im schlichten Raum vor dem Lettner eingefunden. Dämmerung und Stille hüllen alle ein. Plötzlich erhebt sich der Tambour in Larve und Kostüm (Dominik Mangold), wilder Trommelwirbel steigt auf ins Kirchengewölbe. Ein Nachklang der Fasnacht ist es, ein zuckendes Aufbäumen, das bald verklingt und übergeht in die wehmütigen Klänge des Sopransaxophons (Philippe Koerper), das die Erinnerung an die Pfeifer wachruft.

Aeschestraich: Zum 10. Mal gestalten die christkatholische und die römisch-katholische Kirche Basels mit dieser Feier den Übergang von der lauten Fasnacht zur stillen vorösterlichen Zeit. «Die Erfahrung mit dem Göttlichen gehört in unseren Alltag», sagt Karin Schaub, Diakonin der christkatholischen Kirche, in ihrer Begrüssung. Die noch junge Tradition trägt dem Umstand Rechnung, dass der liturgische Termin des Aschermittwochs wenig Sinn macht, wenn in Basel die Fasnacht noch bevorsteht. Der Aeschestraich verlegt darum das Ascheritual auf den Freitag nach dem Endstreich.

«Die Sujets der Fasnacht prangern mit Lachen die Mächtigen an», erklärt der Theologe Thierry Moosbrugger, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit von katholisch bl.bs. «Jetzt machen sie Platz fürs Nachdenken: Was sind eigentlich meine Sujets? Was ist bei mir anzuprangern? Was ist meine Vorder- und Rückseite?»

Vorn im Kirchenraum steht die Laterne der onYva-Clique. Die Vorderseite zeigt das bekannte Porträt von Nelson Mandela, der vor 100 Jahren geboren wurde. «Kaum ein Gesicht ist im 20. Jahrhundert so stark mit Hoffnung und Versöhnung verbunden», meint Pfarrer Michael Bangert in seiner Betrachtung. Dann wird die Laterne gedreht, und die Rückseite erschreckt mit der Büchse der Pandora: Darin steckt alles Übel. Besteht Hoffnung, dass sie verschlossen bleibt? Ihre Antwort gibt die Friedenstaube, die darauf sitzt: Sie … scheisst die Büchse ganz einfach zu!

Noch einmal lassen die mystischen Klänge des Saxophons die Besucher nachdenken, wie sie sich zur Vorder- und Rückseite der Laterne stellen. Dann teilen Karin Schaub, Thierry Moosbrugger und Michael Bangert die Asche aus, verbunden mit der Mahnung: «Mensch, du kunnsch us der Äsche, und zur Äsche kehrsch du zrugg.» Mit dem Kreuz aus Asche auf der Stirn oder in der Hand ziehen die Teilnehmer hinaus in die kalte Nacht. In die Fastenzeit, auf den Weg zu Ostern.

Christian von Arx