Johannes Schleicher (links) vom Offline-Team im Gespräch mit Peter Hüseyin Cunz. | © Regula Vogt-Kohler
10.10.2019 – Aktuell

Auf der Suche, die nicht aufgibt

Im Gespräch mit Scheich Peter: Die mystische Seite des Islams

Mystik und Gespräche mit Gästen über die Herausforderungen unserer Zeit gehören zum festen Programm von Offline, dem ökumenischen Zentrum für Meditation und Seelsorge auf dem Basler Bruderholz. Zum zweiten Geburtstag gab der Schweizer Muslim Peter Hüseyin Cunz Einblick in den Islam.

 

Wie kommt es, dass ein Schweizer seine religiöse Heimat bei einem islamischen Sufi-Orden findet? Die Suche, die nicht aufgibt, sei es, was die Mystik auszeichne, sagte Peter Cunz zu seinem spirituellen Werdegang. «Ich war ein Suchender und bin es heute noch.» Aufgewachsen ist er protestantisch, nicht streng, wie er betont. In seiner Hippiezeit war er mit langen Haaren und barfuss unterwegs und wurde «Jesus» genannt. Von der christlichen Kirche wandte er sich ab, weil er kein Verständnis dafür hatte, was die Kirche aus dem, was Jesus verkörperte, gemacht habe.

Er beschäftigte sich mit fernöstlichen Strömungen und stiess dann durch seine erste Ehefrau auf den Islam. Dort habe er etwas Wunderbares erlebt: «Alles findet sich zusammen.» Das habe er im Koran gefunden, mit ihm vertrauten biblischen Bildern. Er erklärte sich zum Muslim und sei dann langsam immer mehr zum Muslim geworden. Die Mystik, der Sufismus, kam erst später.

Heute ist er leitendes Mitglied des Mevlevi-Ordens, der auf dem Wirken des persischen Mystikers Mevlana Celaleddin Rumi (1207–1273) basiert. Wie im Christentum seien auch im Islam zahlreiche, sehr unterschiedlich ausgerichtete Orden entstanden. Der von Rumis Sohn gegründete Orden ist berühmt für das Ritual der Tanzenden Derwische. Seit 1999 besitzt Cunz die Lehrerlaubnis im Range eines Scheichs und leitet oder berät Ordensgruppen in der Schweiz, in den Niederlanden sowie in Kolumbien und Mexiko.

Cunz gab in seinen Ausführungen auch einen Einblick in den Tanz der Derwische. Beim diesem Drehritual gehe es darum, in der Mitte zu bleiben. Nur so funktioniere das Drehen, erläuterte Cunz. Dazu brauche es viel Übung. In der Mitte bleiben bedeute auch, dass die sich Drehenden nicht in Ekstase geraten, sondern sich einem meditativen Erleben hingeben. Rituale seien ein zentrales Element dessen, was Religion ausmacht. Es gehe um ein bestimmtes Verwenden von Raum und Zeit. Durch das Vakuum, das dabei entstehe, öffne sich die Türe in die andere Welt. Ein Ritual müsse so stark schützen, dass man die Eigenkontrolle loslassen könne. «Die Annäherung an Gott funktioniert nicht in Selbstkontrolle», sagte Cunz.

Das Thema Mystik habe über Johannes Schleicher grosses Echo gefunden, hielt Monika Widmer, die reformierte Co-Leiterin von Offline, beim Apéro zum 2. Geburtstag des ökumenischen Zentrums für Meditation und Seelsorge fest. So hat in der ersten Jahreshälfte 2019 ein Grundkurs in mystischer Spiritualität stattgefunden. Im nächsten Jahr stehe das gemeinsame Lesen eines mystischen Werks auf dem Programm.

Regula Vogt-Kohler

 

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