Das war noch vor Corona: Sternsingergruppe in Blauen am 11. Januar 2020 – ohne Masken. | © Corina Borruat/Archiv kh
30.12.2021 – Aktuell

«Wir Sternsinger sind Botschafter der Freude»

Sonja Lofaro ist bei Missio Schweiz die «Patronin» der Aktion Sternsingen

In der Coronazeit ist der Segen der Sternsingerkinder besonders gewünscht. Das sagt Sonja Lofaro aus Basel, die seit diesem Jahr bei Missio Schweiz für die Aktion Sternsingen verantwortlich ist.

Frau Lofaro, wird das Sternsingen 2022 trotz Corona stattfinden können?

Sonja Lofaro: Wir sind optimistischer als letztes Jahr. Viele Pfarreien haben früh bei uns Material bestellt. Nach Rückfrage beim BAG konnten wir Anfang Dezember kommunizieren: Das Sternsingen kann stattfinden. Wir machen den Pfarreien Mut. Unser Leitfaden für die lokalen Schutzkonzepte steht unter dem Titel «Aktion Sternsingen 2022 – aber sicher!».

Was ist unter den aktuellen Bedingungen möglich, was nicht?

Wenn sie von Haus zu Haus ziehen, sollen die Gruppen vor der Tür bleiben und nicht in die Häuser eintreten. Anders als letztes Jahr ist das Singen nicht verboten. Und wenn die traditionelle Form des Umgangs von Haus zu Haus nicht möglich ist, gibt es Alternativen. Da sind die Gruppen kreativ, das haben wir im Coronajahr 2021 gesehen.

Warum ist es Ihnen so wichtig, dass das Sternsingen auch in dieser Pandemie stattfindet?

Es ist vielen Leuten in den Pfarreien wichtig, dass das Sternsingen stattfindet, weil die Menschen ein sichtbares Segenszeichen brauchen. Gerade in der Coronazeit merken wir das. Ausserdem sind die Kinder aus den unterstützten Projekten mehr denn je auf unsere Solidarität angewiesen. Wir sind froh um jede Gruppe, die unterwegs ist.

Ist das Sternsingen eine Schweizer Besonderheit?

Der Brauch ist alt und vor allem in den Alpenländern bekannt: Deutschland, Österreich, Südtirol, Schweiz. Vor gut 30 Jahren erhielt Missio von der Schweizer Bischofskonferenz den Auftrag, das Sternsingen mit einem solidarischen Gedanken zu verbinden. Seither hat Missio das Sternsingen mit der Idee «Kinder helfen Kindern» ergänzt. In der Schweiz sind jeweils etwa 10 000 bis 15 000 Kinder und Begleiter/innen unterwegs.

Das Sternsingen findet in den Pfarreien statt. Welche Rolle spielt Missio Schweiz?

Wir sind einerseits ein Dienstleister und stellen Material zur Verfügung: Segenskleber, Kreide, die «Segenspäckli», das Magazin mit den Informationen zu den Projekten, die unterstützt werden, oder auch die Armbändeli als Dankeschön für die Kinder. Auf unserer Website www.sternsingen.ch finden die Pfarreien Materialien für die Vorbereitung mit den Kindern. Andererseits haben wir einen Bildungsauftrag, den wir durch die enge Zusammenarbeit mit dem Kindermissionswerk in Aachen erfüllen können. Professionell ausgearbeitetes Material wie der beliebte Willi-Film werden von unseren Gruppen in der Schweiz intensiv gebraucht. Kinder lernen damit konkrete Solidarität mit Gleichaltrigen im Globalen Süden.

Und wir sorgen dafür, dass die gesammelten Spendengelder an den richtigen Ort kommen. Die Beispielprojekte zu den Pfarreien und die Spenden in die Projekte: So ist Missio eine Drehscheibe zwischen Ortskirche und Weltkirche.

Waren Sie als Kind auch beim Sternsingen dabei?

Ja, in Trimbach war ich Ministrantin, und die Ministrantenleiterin hat bei uns das Sternsingen organisiert. Das Krippenspiel und das Sternsingen waren für mich ein Teil der Weihnachtszeit. Wir durften zu den Leuten in die Häuser gehen, erlebten Begegnungen und Gastfreundschaft. Das liegt jetzt mehr als 20 Jahre zurück, und es berührt mich bis heute.

Was ist für Sie das Schönste am Sternsingen?

Wir Sternsinger sind Botschafter der Freude, der Hoffnung. Die Kinder bringen den Segen in die Häuser. Die Begegnungen, zum Beispiel in einem Altersheim, sind eine Form der Nächstenliebe. Die Aktion ist auch eine Horizonterweiterung für die Jugendlichen, sie setzen sich dabei mit Themen, die für Kinder relevant sind, und mit anderen Lebensrealitäten auseinander.

Interview: Christian von Arx

 

Sonja Lofaro, Verantwortliche für das Sternsingen bei Missio Schweiz. | © Christian von Arx