Die deutsche Theologin Ida Raming (87) kämpfte ihr Leben lang für die Frauen­ordination in der ­katholischen Kirche. | © Buchcover/zvg
24.01.2019 – Hintergrund

55 Jahre Kampf für die Frauenordination

Die Rückschau der Theologin Ida Raming ist auch eine Dokumentation

Die 87-jährige deutsche Theologin Ida Raming setzt sich seit dem 2. Vatikanischen Konzil (1962–1965) für die Zulassung von Frauen zu allen Kirchenämtern der römisch-katholischen Kirche ein. Enttäuscht über die Ausblendung der Katholikinnen und ihrer Anliegen durch die «reine Männerversammlung» des Konzils liess sie sich nicht davon abhalten, zu Beginn der 70er-Jahre einen Uniprofessor zu finden, der sich bereit erklärte, ihre Dissertation über den Ausschluss der Frau vom Priesteramt zu betreuen. «Das war in der damaligen Situation eine grosse Seltenheit. Denn die Professoren bemühten sich – mit nur ganz wenigen Ausnahmen – eher darum, ihre Loyalität gegenüber dem kirchlichen Lehramt unter Beweis zu stellen.»

Doch Rom bewegt sich nicht. Nach dem traurigen Höhepunkt von 1994 – der polnische Papst versieht das Nein mit einem «Endgültig» – reisst Ramings Geduldsfaden. Sie lässt sich 2002 mit sechs Mitstreiterinnen von Bischof R. Braschi zur Priesterin weihen – und wird exkommuniziert. Aus dieser persönlichen Perspektive erfolgt der auch dank zahlreichen bibliografischen Angaben aufschlussreiche Rückblick Ramings. Es wird ­einem klar, dass das bis heute mehrheitlich als Aufbruch wahrgenommene 2. Vatikanische Konzil doch eine gewichtige Schlagseite hatte, nämlich das komplette Ignorieren der Glaubensschwestern. Ein Umstand, der heute, auf dem Hintergrund der Missbrauchs­skandale und epidemischen Kirchenaustritte, die Frage der Langzeitwirkung eines grossen Fehlers des Konzils aufwirft.

Ramings Dokumentation enthält auch den Brief einer engagierten Katholikin an Bundesjustizminister Heiko Maas, in dem dieser aufgefordert wird, das im deutschen Grundgesetz garantierte Gleichberechtigungsprinzip von Frauen und Männern bei der römisch-katholischen Kirche durchzusetzen. Hochdotierte Bischöfe und Erzbischöfe würden aus Steuergeldern von Männern und Frauen bezahlt, obwohl es sich um einen Beruf handelt, den Frauen gar nicht ergreifen könnten. Auch diese juristische Schiene lässt sich bis in die Zeit des Konzils zurückverfolgen, als die schweizerische Juristin Gertrud Heinzelmann ihre berühmte Eingabe an das Konzil machte und darin die Gleichstellung der Geschlechter in der katholischen Kirche und die Frauenordination verlangte. Fortgeführt wird dieser Rechtsweg durch die neuste Petition der katholischen Reformbewegung «Wir sind Kirche» an den deutschen Bundestag. Gefordert wird darin, dass der Staat das Diskriminierungsverbot durchsetzen und die katholische Kirche zwingen soll, Weiheämter für Frauen zu öffnen.

Denise Buser, Prof. Dr. iur., Titularprofessorin für kantonales öffentliches Recht an der Juristischen Fakultät der Universität Basel

 

Ida Raming, 55 Jahre Kampf für Frauenordination in der katholischen Kirche, Eine Pionierin hält Rückschau: Personen – Dokumente – Ereignisse – Bewegungen, LIT-Verlag Münster 2018, 128 Seiten, Fr. 19.90.