Die St.-Mary’s-Kathedrale liegt im Zentrum der Millionenstadt Sydney, östlich des Hyde Park, in einer ausgedehnten Grünanlage. | © Wikimedia/Tony Hisgett
28.05.2020 – Aktuell

Ein Jubiläum in Krisenzeiten

200 Jahre seit der Gründung der offiziellen katholischen Kirche in Australien

Die ersten Katholiken erreichten Australien mit der ersten Flotte im Januar 1788 als Häftlinge. Bis zur Ankunft erster offizieller Priester dauerte es 32 Jahre. Nach Beginn im Untergrund ist heute die katholische Kirche die grösste Einzelkonfession des fünften Kontinents.

Am 26. Januar 1788 ankerten elf Schiffe mit 756 Strafgefangenen und 550 Besatzungsmitgliedern in Sydney Cove, einer kleinen Bucht des Naturhafens Port Jackson. Mit der Ankunft der ersten Flotte im heutigen Sydney begann die Kolonialisierung Australiens. Mit dabei war der anglikanische Geistliche Richard Johnson.

Ein Teil der Häftlinge waren irische Katholiken, die gegen die Besetzung ihres Landes durch Grossbritannien aufbegehrt hatten. Der Katholizismus war daher in der britischen Strafkolonie Australien verboten. Die katholischen politischen Gefangenen aus Irland wurden gezwungen, an anglikanischen Gottesdiensten teilzunehmen. Ihren eigenen Glauben konnten sie nur im Untergrund leben.

1803: erste Messen erlaubt

Die ersten katholischen Priester – James Harold, James Dixon und Peter O’Neill – kamen 1800 wegen ihrer Beteiligung an einer Rebellion der Iren gegen Grossbritannien als Sträflinge nach Sydney. 1803 wurde es Pater Dixon erlaubt, katholische Messen zu lesen. Damit war nur ein Jahr später nach einer von Iren angeführten Sträflingsrebellion aber schon wieder Schluss. Die Patres John Joseph Therry und Philip Conolly waren dann vor 200 Jahren die ersten katholischen Priester, denen die anglikanische Kolonialmacht Grossbritannien wie auch der Vatikan offiziell die Erlaubnis zum Feiern katholischer Gottesdienste in Australien erteilten.

44 Jahre Engagement

Aus Cork kommend trafen Therry und Conolly am 3. Mai 1820 mit einem Schiff mit 100 Sträflingen an Bord in Sydney ein. Im Gottesdienst in der St.-Mary’s-Kathedrale in Sydney würdigte Erzbischof Anthony Fisher die historische Bedeutung der beiden Begründer der katholischen Kirche Australiens. Therry wirkte 44 Jahre in Sydney und machte sich einen Namen als Streiter für soziale Gerechtigkeit und die Rechte der Aborigines. Zu Therrys vielen Projekten gehörte auch der Bau der ersten St.-Mary’s-Kirche in Sydney. Der 1864 verstorbene Therry ist in der Krypta der Kathedrale begraben.

Drei Päpste zu Besuch

Seit ihren bescheidenen Anfängen im Untergrund hat sich die katholische Kirche zur grössten Einzelkonfession Australiens entwickelt. Bereits Jahrzehnte, bevor mit John F. Kennedy der erste Katholik Präsident der USA wurde, wählten die Australier 1929 mit James Scullin von der Labor Party einen Katholiken zum Premierminister. Seit den 1970er-Jahren haben die Päpste Paul VI., Johannes Paul II. und Benedikt XVI. Australien besucht.

kath.ch/rv