Ausgabe 34-35, 22. August bis 4. September 2010

WELT

Mafia trägt Mitschuld an Flut in Pakistan

Die in Pakistan arbeitende deutsche Lepra-Ärztin Ruth Pfau hat Umweltsünden für das Ausmass der Flutkatastrophe in dem Land mitverantwortlich gemacht. Vor allem die Mafia trage dazu bei, dass Pakistan eines der am meisten abgeholzten Länder der Erde sei, sagte die Ordensschwester. Die Mafia verdiene an den ungebremsten Rodungen, durch die sich die Wassermassen ungehindert ausbreiten könnten. Pfau machte die Mafia auch für hohe Lebensmittelpreise in den Katas­trophengebieten verantwortlich. Sie kaufe die Wa­ren in den Basaren auf, um sie dann zum fünf­fachen Preis weiterzuverkaufen. Der Deutsche Lepra- und Tuberkuloseverein (DAHW), für den Pfau seit Jahren vor Ort ist, lasse deshalb vielerorts Mitarbeiter die Waren so schnell wie möglich erwerben, um sie an Betroffene weiterzugeben.

Kein öffentliches Essen im Ramadan

Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) warnt davor, während des Ramadan in Ägypten in der Öffentlichkeit zu essen oder zu trinken. Touristen sollten sich vor Sonnenuntergang bei der Nahrungsaufnahme oder beim Rauchen zurückhalten. Im vergangenen Sommer habe das ägyptische Innenministerium erstmals eine Kampagne zur Einhaltung der Abstinenz von Essen, Trinken und Rauchen durchgeführt, berichtet die Organisation. Im Süden des Landes seien danach Hunderte beispielsweise wegen Rauchens verhaftet worden. Die IGFM appelliert an Präsident Hosni Mubarak, Inhaftierungen und Bestrafungen zu unterbinden. Die auch in Algerien oder Kuwait praktizierte staatliche Bestrafung von öffentlichen Ramadan-Brechern sei ein Schritt in Richtung «Taliban-Mentalität».

VATIKAN

Petersdom ist beliebteste Gratisattraktion

Der Petersdom ist die beliebteste Gratis­attraktion für Touristen in Europa. Gefolgt wird die vatikanische Basilika vom Museum Auschwitz-Birkenau und dem sizilianischen Vulkan Ätna, wie die italienische Tages­zeitung «Corriere della Sera» unter Bezug auf das Hotelbewertungsportal «Tripadvisor» meldete.

Papst erinnert an Märtyrer in Auschwitz

Papst Benedikt XVI. hat bei seinem traditionellen Angelusgebet an zwei Märtyrer der NS-Zeit erinnert. In seiner Ansprache verwies er auf die Ordensfrau Edith Stein (1891–1942) und den Priester Maximilian Kolbe (1894–1941), die beide im Konzentrationslager Auschwitz ums Leben kamen. In der «dunklen Zeit des Zweiten Weltkriegs» hätten die beiden Heiligen niemals «die Hoffnung, den Gott des Lebens und der Liebe» aus dem Blick verloren, so der Papst.

SCHWEIZ

Del Ponte erhält Theodor-Wanner-Preis

Die Schweizerin Carla Del Ponte (63), ehe­malige Chefanklägerin des Internationalen Strafgerichtshofs für Ruanda und das ehemalige Jugoslawien, erhält den Theodor-Wanner-Preis. Damit werde ihr «grosser persönlicher Einsatz» für die Aufklärung von Völkermord, Kriegsverbrechen und Korruption gewürdigt, erklärte das Institut für Aus­lands­beziehungen (ifa). Del Ponte hat nach Ansicht des Instituts nicht nur die Durchsetzung des Völkerrechts ermöglicht, sondern auch die Grundlage für eine künftige Verständigung verfeindeter Bevölkerungsgruppen geschaffen.

Thurgau hält nichts vom Kopftuchverbot

Anders als im benachbarten Kanton St. Gallen soll es im Kanton Thurgau kein generelles Kopftuchverbot in Schulen geben. Ein solches wird derzeit sowohl vom Verband der Thurgauer Schulgemeinden wie auch von Erziehungsdirektorin Monika Kill abgelehnt, wie die Thurgauer Zeitung meldet. Die Schulen könnten entstehende Probleme vor Ort lösen, und im Kanton Thurgau habe es bisher keine grösseren Schwierigkeiten mit dem Kopftuch gegeben, sagte Kill. Im Kanton Thurgau hat das Amt für Volksschule einen Leitfaden zum Umgang der Schulen mit Religionsfragen veröffentlicht. Schülerinnen dür­fen demzufolge ein Kopftuch tragen, wenn sie und ihre Eltern glaubhaft darlegen können, dass dieses der religiösen Überzeugung entspricht. Dabei wird auf ein entsprechendes Bundesgerichtsurteil aus dem Jahr 1993 verwiesen.

UND AUSSERDEM

Schadenersatz für Religionsunterricht

Weil ein Kind gegen den Willen seiner atheis­tischen Eltern am Religionsunterricht teilnehmen musste und kein alternatives Angebot ­bestand, ist eine Primarschule in Padua zu ­einem Schadenersatz von umgerechnet knapp 2100 Franken verurteilt worden. Ein Gericht der norditalienischen Stadt gab einer entsprechenden Klage der Eltern in zweiter Instanz recht. Für den Schadenersatz muss die Schule gemeinsam mit dem Unterrichtsministerium aufkommen, das ebenfalls verurteilt wurde.

 

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