Ausgabe 34, 18. bis 24. August 2012

Elisabeth Hischier und Ludwig Hesse heissen den neuen Spitalseelsorger Christoph Schneider (links) willkommen. (Foto: Hanne Triebold, Kantonsspital Liestal) Elisabeth Hischier und Ludwig Hesse heissen den neuen Spitalseelsorger Christoph Schneider (links) willkommen. (Foto: Hanne Triebold, Kantonsspital Liestal)

«Fachleute für spirituelle Herausforderungen»

Am 26. August feiert Spitalseelsorger Ludwig Hesse in Liestal einen Abschiedsgottesdienst

Nach 20 Jahren Tätigkeit als Seelsorger im Kantonsspital Liestal geht Ludwig Hesse in Pension. Als Grenzgänger zwischen Spital und Kirche habe er nicht nur die Kirche ins Spital, sondern auch ein Stück Gesellschaft in die Kirche gebracht, sagt Hesse.

Im Büro von Ludwig Hesse herrscht eine aufgeräumte Stimmung. Nicht weil alles aufgeräumt oder gar leergeräumt wäre, mehr im übertragenen Sinn. Hesse ist dabei, sich von seinem Berufsleben zu verabschieden. Dazu gehört natürlich, das Büro in der historischen Liegenschaft neben dem Spitalgebäude zu räumen, aber nicht nur. Es gilt auch, das grosse Beziehungsnetz neu zu ordnen. Am 1. September wird für Ludwig Hesse der Ruhestand beginnen. Am gleichen Tag wird sein Nachfolger, Christoph Schneider, anfangen.

Zur Gestaltung des Abschieds gehöre auch die Vorbereitung der Nachfolge und des Übergangs, betont Hesse. «Abschiedskultur ist ein wichtiges Thema. Man muss zuerst etwas beenden, bevor man Neues beginnen kann. Wenn man als Pendenzen immer Unaufgeräumtes mit sich trägt, ist das ein Lebenshindernis erster Güte.»

Therapeutisches Know-how
Ludwig Hesse ist nicht nur Theologe, sondern auch Erwachsenenbildner und Psychotherapeut. Sein Theologiestudium beendete er 1973. Kurz vor der Priesterweihe habe er festgestellt, dass «Priester» und «Seelsorger» nicht identisch seien und dass es seine Berufung sei, Seelsorger zu sein. Er kam 1973 aus Deutschland für ein Praktikum in die Schweiz, war dann zehn Jahre lang als Pastoralassistent in Zürich und danach im aargauischen Sulz als Co-Gemeindeleiter tätig. Parallel dazu bildete er sich weiter. «Mir war klar: Ich muss Menschen kompetent durch Wandlungsprozesse und Krisenzeiten begleiten.» Therapeutisches Know-how sei in der Seelsorge unbedingt nötig. 

1992 bewarb er sich für die Spitalseelsorge am Kantonsspital Liestal. Hier habe er Wurzeln geschlagen, sei er heimisch geworden. Und hier habe er das theologische, das erwachsenenbildnerische und das therapeutische Element einbringen können. Das klingt fast schon nach einem Traumjob, wenn da die immense Belastung nicht wäre. 

«Die Unterschiedlichkeit der Themen und Tätigkeiten macht es auch erträglich», sagt Hesse dazu. Als wichtige Ressourcen nennt er das Team, die Fürsorglichkeit für das eigene Leben und die Spiritualität. «Ich bin nur die vorletzte Instanz», formuliert es Hesse. «Ich begleite nur, ich trage nicht.» Hilfreich ist es auch, angesichts der vielen Katastrophen, die man als Spitalseelsorger erlebt, hin und wieder den Blick zu korrigieren, das gesunde und sich entfaltende Leben wahrzunehmen. 

Der Spitalseelsorger fungiert manchmal als Ohr des lieben Gottes: Vieles, was die Patienten oder auch das Personal dem Spitalseelsorger anvertrauen, ist weder an das Amt noch an die Person gerichtet. Zuhören im Sinne von Redenlassen genügt aber nicht. Die kluge Frage sei das wichtigste Instrument, sagt Hesse. Eine grosse Gefahr für alle Anfänger sei das Moralisieren. Hesse empfiehlt mit dem Wort «aber» vorsichtig zu sein und das Wort «einfach» (wie in: Sie müssen jetzt einfach nur …) zu vermeiden.

Dienstleistung an die Gesellschaft
In den letzten 20 Jahren habe sich die Spitalseelsorge erheblich verändert, berichtet Hesse. Von der kirchlichen Tätigkeit am Rande des Spitals sei sie ein Bestandteil des Spitals geworden. Zwar verliere die Kirche als Institution an Stellenwert, die Seelsorge hingegen gewinne an Bedeutung, betont Hesse. «Wir treten nicht als Funktionäre der Kirche, sondern als Fachleute für spirituelle Herausforderungen auf.» Bedarf dafür besteht bei allen Bezugsgruppen im Spital, den Patienten, dem Pflegepersonal und den Ärzten. Die Spitalseelsorge sei eine Dienstleistung der Kirche an die Gesellschaft und eines der wichtigsten Aushängeschilder. Hesse findet es wichtig, dass sich die Kirche nicht zurückziehe, sondern dass sie als gesellschaftlicher Faktor spürbar sei. 

Hesse selbst will sich nach dem letzten Arbeitstag nicht völlig ins Private zurückziehen. Er habe viele Wünsche, aber noch keine Pläne. Sicher werde er sich auch ehrenamtlich engagieren; er werde pensioniert, aber nicht privatisiert. Zuerst macht er aber einmal Fe­rien, erstmals sechs Wochen am Stück. 

Regula Vogt-Kohler



Wechselzeit

Für Ludwig Hesse und die Landeskirche ist die Wechselzeit angebrochen. Nach über zwanzigjähriger Seelsorgetätigkeit am Kantonsspital Liestal geht mit Dir, Ludwig, ein Mitarbeiter in Pension, der dem Erscheinungsbild der Spitalseelsorge der Landeskirche einen besonderen Stempel aufgedrückt hat. Deine Pensionierung bedeutet auch für uns Wechselzeit, denn Du hast viele Aufgaben und Engagements in diversen Gremien, Arbeitsgruppen und Kommissionen erfüllt. Deine Kompetenzen sind kraftvoll- pointierte Wegmarkierungen. Wo Du Dich zur Verfügung gestellt hast, waren die Liebe zur Aufgabe und die Entschiedenheit, dafür einzustehen, immer deutlich. In aufmerksamer und kritischer Loyalität hast Du Deine Voten wie Pfähle in den Gesprächsboden gesetzt, mit Kritik nicht zurückgehalten und immer wieder nach Anknüpfung gesucht. 

Wir danken Dir, Ludwig, für die vielen sichtbaren Zeichen Deiner nachhaltigen Grundlagenarbeit in der Spitalseelsorge am Kantonsspital Liestal und im Rahmen anderer Aufgaben.

Wir wünschen Dir Freude, fliessende Energie und Gottes Segen in der Wechselzeit.

Im Namen des Landeskirchenrates BL
Eleonora Knöpfel

 

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