Ausgabe 33, 11. bis 17. August 2012

Christoph Albrecht beim ersten Basler Forum für Grenzgänger. (Foto: Anna Stübe)Christoph Albrecht beim ersten Basler Forum für Grenzgänger. (Foto: Anna Stübe)

«Gott ist nicht weltfremd»

Grenzgänger zwischen Glauben und säkularisierter Umwelt

Ungefähr hundert Christinnen und Christen nahmen am ersten Basler Forum für Grenzgänger teil. Interessiert lauschten sie den Worten der beiden Referenten Thomas Schirrmacher und Andreas Knapp und diskutierten in Gruppen über die Rolle der Christen in der heutigen Gesellschaft.

Viele junge Familien und Paare, ältere Menschen und ein paar Theologie- und Medizinstudentinnen hatten sich am 16. Juni zum Grenzgängerforum im Katholischen Studentenhaus eingefunden. Ein Klingeln, welches sich wie eine Schulglocke anhörte, einige Worte von Christoph Albrecht und das Vorstellen des ersten Referenten markierten den Beginn des Forums.

Angepasst sein und gleichzeitig seinen Prinzipien treu bleiben, das ist die Lebenseinstellung, um die es in Thomas Schirrmachers Referat ging. Der Referent erklärte, dass eine Anpassung an eine Gesellschaft ein Opfer für diese und die Prinzipientreue ein Opfer für Gott bedeute. Dass diese Aufopferungen, wenn sie nebeneinander stattfänden, Erfolg und Erfüllung versprechen, schilderte Schirrmacher an der Geschichte von Daniel aus dem Alten Testament. Um in einer für ihn fremden Gesellschaft zu leben, musste Daniel sich anpassen und wurde dadurch akzeptiert. Als Daniel aber in eine Situation kam, in der von ihm gefordert wurde, ein Standbild anzubeten, was seinen Prinzipien fundamental widersprach, wurde das Opfer für Gott plötzlich wichtiger für ihn als das Opfer für die Gesellschaft. Er weigerte sich und wurde dafür belohnt. Christoph Schirrmacher verglich die Situation Daniels mit derjenigen der heutigen Christen und deutete an, dass auch die Christen in der heutigen Gesellschaft mit einer Mischung zwischen Anpassung und Prinzipientreue leben sollten.

Inmitten der Gesellschaft
Andreas Knapp erzählte aus Leipzig, das als eine Hauptstadt des Atheismus gilt. Die meisten Leute dort sagen, sie seien normal, wenn man sie fragt, ob sie reformiert oder katholisch seien. Normal heisst für sie, dass sie keinen Glauben haben. Und sie ärgern sich darüber, wenn Christen in der Adventszeit auf der Strasse Weihnachtslieder singen. «Jetzt wollen sich die Christen auch noch Weihnachten unter den Nagel reissen», beschweren sie sich dann. Mitten in dieser säkularisierten Stadt lebt Andreas Knapp in einer kleinen Wohnung gemeinsam mit drei weiteren Männern der Ordensgemeinschaft der Kleinen Brüder vom Evangelium. Knapp berichtete, dass sich die Gemeinschaft nach Charles de Foucauld richtet, der ein Leben nahe bei Gott, aber inmitten der Gesellschaft führte, um ohne Missionsgedanke auch anderen Menschen die Begegnung mit Gott zu ermöglichen. Aus diesem Grund lebt Andreas Knapp mit den anderen Ordensbrüder nicht zurückgezogen in einem Kloster, sondern wohnt in einer Leipziger Wohnung und arbeitet in einer Joghurtfabrik. Andreas Knapp erklärte anhand seiner Lebensweise, dass der Glaube nichts Elitäres sei, und dass Gott mit seiner Menschwerdung im Stall bewiesen habe, dass es keine Unterscheidung zwischen Weltlichem und Heiligem gebe. «Durch Gott kann alles heilig werden. Gott ist nicht weltfremd und die Welt ist nicht gottlos», erklärte der Arbeiterpriester.

Nach den beiden umfangreichen, jedoch kurzweiligen Vorträgen gab es für das geduldige Publikum eine Kaffeepause. Frisch gestärkt teilten sich die Forumsteilnehmer nach der Pause in verschiedene Workshopgruppen auf. Nach einer Stunde Workshoparbeit trafen sich wieder alle Grenzgänger, und lauschten den kurzen Berichten aus den anderen Workshops. Nach dem vierstündigen Grenzgängerforum, welches durch Urs Gröhbiel initiiert und von verschiedenen Persönlichkeiten aus den Bereichen Wirtschaft, Bildung, Kirche und Kultur gestaltet worden war, bestand für die Teilnehmer die Möglichkeit, zusammen Mittag zu essen. 

Anna Stübe

 

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