Die Krise in der Synode der Römisch-Katholischen Kirche Basel-Stadt (RKK BS) dauert an. Nach nur kurzer Amtszeit ist Vizepräsident Werner Niederberger aus Protest über den Umgang mit einem externen Gutachten aus der Synode zurückgetreten. Synodenpräsidentin Sylvia Debrunner will einen runden Tisch für die Synodalen einberufen.
Am 29. März 2011 waren sich alle einig: Gegen den Antrag des damaligen Synodenpräsidenten Basil Burkhardt, zur Untersuchung der Anstände im Bereich Prüfungskommission–Kirchenrat–Verwaltung statt einer internen Kommission einen neutralen externen Gutachter einzusetzen, gab es keine Einwände. Bis dann der Bericht auf dem Tisch der Synode lag, dauerte es deutlich länger als ursprünglich vorgesehen.
Massive Vorwürfe
In einem Interview mit der Zeitung «Sonntag» (Ausgabe vom 8. Juli) wirft Werner Niederberger, bis vor Kurzem Vizepräsident der Synode, den Synodalen Hans-Peter Roth und Enrico Gallacchi vor, sie hätten versucht, Fertigstellung und Veröffentlichung des Berichts zu verhindern. Der Entscheid der Synode, den Bericht von der Traktandenliste abzusetzen, hat Niederberger dazu bewogen, aus der Synode zurückzutreten. Er sei nicht nur als Vizepräsident, sondern auch als Synodaler zurückgetreten, weil er in der gegenwärtigen Konstellation kein sinnvolles Engagement mehr gesehen habe, da die Synode von wenigen Personen in einer für ein Kirchenparlament nicht tragbaren Weise dominiert und manipuliert werde, hält Niederberger gegenüber «Kirche heute» fest. Der Umgang mit dem Bericht Friederich sei dafür ein krasses Beispiel.
Situation nicht dramatisch
Die Vorwürfe im «Sonntag» seien nicht nur übertrieben und falsch, sondern würden einzig darauf ausgehen, gewisse Leute fertigzumachen, sagt Hans-Peter Roth, Präsident der Prüfungskommission, in einer kurzen Stellungnahme gegenüber «Kirche heute». Die Situation in der Synode sei nach seinem Empfinden nicht dramatisch, sondern durchaus normal. Die Wirklichkeit sei im Untersuchungsbericht weder korrekt abgebildet noch korrekt beurteilt. Der Bericht sei einseitig, parteiisch und in weiten Teilen unkorrekt, sagt Roth. Der ebenfalls um eine Stellungnahme gebetene Enrico Gallacchi will sich zu den Vorwürfen Niederbergers nicht äussern.
Sylvia Debrunner betont gegenüber «Kirche heute», dass sie nie von der Prüfungskommission beeinflusst worden sei, sondern es sich zur Devise gemacht habe, in dieser Sache neutral zu sein. Niederberger hatte im Interview mit dem «Sonntag» gesagt, er habe den Eindruck gehabt, das Synodenbüro werde von der Prüfungskommission gesteuert und die Synodenpräsidentin sei von dieser beeinflusst worden.
Runder Tisch
Die Absetzung von der Traktandenliste bedeutet für Debrunner nicht, dass der Untersuchungsbericht vom Tisch ist. Der Auftrag, sich damit auseinanderzusetzen und Lehren daraus zu ziehen, bestehe weiterhin, sagt sie. Debrunner plant für August einen runden Tisch, an dem sich alle Synodalen unter Ausschluss der Öffentlichkeit in geschütztem Rahmen zum Untersuchungsbericht austauschen können. In einem nächsten Schritt würden gemeinsam mit dem Kirchenrat die Weichen für die Zukunft gestellt, sagt Debrunner.
Regula Vogt-Kohler
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