Am 24. Juni wird traditionellerweise das Hochfest von Johannes dem Täufer sowie die Sommersonnenwende nach dem Julianischen Kalender gefeiert. Dieses Datum nahmen die Fachstellen für Jugendarbeit beider Basel (FaJu, ecco!, askja, koje) zum Anlass, um ein Mittsommerfest für Jugendliche ins Leben zu rufen und gemeinsam Rituale am Johannisfeuer zu zelebrieren.
Steinbruch Adlerwald in Pratteln, am Abend des 23. Juni 2012. Rund 20 Jugendliche und Jugendbeauftragte sitzen versammelt um das Johannisfeuer, welches bereits lodernd brennt. Die meisten kennen sich, tauschen Neuigkeiten aus, geniessen die besinnliche und gemütliche Atmosphäre. Rahel Degen, Jugendbeauftragte der RKK Basel-Stadt, eröffnet den Anlass, indem sie einen Beutel mit Kräuterpulver präsentiert. Gemäss einem alten Brauch nehmen alle Jugendlichen eine Handvoll Kräuter, werfen sie in das Feuer und wünschen sich etwas dabei. Früher wurden Kräuter im Johannisfeuer verbrannt, um sich zu reinigen, etwas loszuwerden oder sich etwas zu wünschen. Die Kräutermischung hat es in sich – bei jeder verbrannten Ladung lodert das Feuer für einen kurzen Moment auf und sorgt für Funkeln in den Augen der Jugendlichen.
Sommersonnenwende und Johannisfeuer
Das Mittsommerfest geht auf vorchristliche Bräuche und Riten zurück und wird seit Jahrtausenden gefeiert: Die kürzeste Nacht des Jahres soll magisch sein, Elfen sollen tanzen und Trolle hinter den Bäumen stehen, während der Morgentau kranke Tiere und Menschen heilen konnte. Die Geburt von Johannes dem Täufer wird nach einer Angabe des Lukasevangeliums (1,26–38) errechnet, so dass sich im Kirchenjahr als Gedenktag das antike Datum der Sommersonnenwende ergibt. So wurden viele Brauchtümer der Sommersonnenwende nachträglich in den christlichen Kontext eingefügt und bestehen bis heute. So auch das Johannisfeuer, welches ursprünglich vom Sommersonnwendfeuer abstammt.
Gemütlichkeit und Spektakel
Im Adlerwald in Pratteln feiert man ebenso wie früher mit Feuerspektakeln die Schöpfung und die Natur. Am Johannisfeuer wird bei Gitarrenmusik gemeinsam gesungen, Tonfiguren werden gebrannt und Feuer gespuckt. Martin Madörin, Jugendbeauftragter der Fachstelle Baselland, erzählt die Kurzgeschichte «Der Mann, der Bäume pflanzte» von Jean Giono, in der ein Schäfer eine karge Berggegend in der Provence in langwieriger, aber erfolgreicher Arbeit wieder aufforstet. Ganz gezielt möchte Martin Madörin die Kraft der Schöpfung und des einzelnen Menschen in den Mittelpunkt rücken und sich gemeinsam mit den Jugendlichen auf die Natur besinnen. Genauso wichtig wie die Natur ist aber auch das Zusammensein, und so sitzt man bis spät in die Nacht beisammen und geniesst das Gemeinsame bei Gesprächen und Essen vom Grill.
Petra Dokić
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