Ausgabe 30-32, 21. Juli bis 10. August 2012

Die idyllisch gelegene Nothelferkapelle mit Friedhof in Villmergen. (Foto: Römisch-katholische Landeskirche Aargau/zVg)Die idyllisch gelegene Nothelferkapelle mit Friedhof in Villmergen. (Foto: Römisch-katholische Landeskirche Aargau/zVg)

Im Internet von Kapelle zu Kapelle wandern

In der virtuellen Kapellenlandschaft Aargau sind bereits 30 Porträts aufgeschaltet

Ansichten zu verschiedenen Schmuckstücken aargauischer Kirchenarchitektur, Wegweiser zu besonderen Gebetsstätten, Geschichten von todesverachtenden Schwestern und widerspenstigen Pfarrern. Das Portal www.aargauerkapellen.ch der Römisch-Katholischen Landeskirche Aargau erschliesst die Kapellenlandschaft des Kantons Aargau.

Die Gotteshäuser lassen sich im Internet über eine interaktive Karte ansteuern. Das sind ideale Voraussetzungen für eine Kapellenbegehung während der Wandersaison. Wem das noch nicht Anreiz genug ist: Für den 1. September 2012 plant das Projektteam eine erste Kapellenwanderung mit Rahmenprogramm.

Und so funktioniert es: www.aargauerkappeln.ch eingeben und wusch, schon präsentiert sich die Aargauer Karte. Überall, wo blaue Punkte leuchten, lassen sich per Klick Kapellenporträts öffnen. Texte und Bildergalerien stellen die einzelnen Gotteshäuser vor, zeigen deren Geschichten. Spannendes, Wundersames und teils Kurioses fördert die digitale Kapellenbibliothek zu Tage. So berichtet beispielsweise das Porträt zur Buschbergkapelle bei Wittnau von einem Wunder aus dem 17. Jahrhundert. In Bremgarten erzählt der Beitrag zur Klarakapelle von einer kecken Schwester, die ihren Flirt mit dem Tod bitter büssen musste.

Wichtiges Kulturvermittlungsinstrument
Die verschiedenen Porträts vermitteln nicht nur Einblick in die oft sagenumwobene Geschichte der einzelnen Kapellen, sondern vermitteln auch den Zugang zum kulturhistorischen Verständnis des Kapelleninventars. Die einzelnen Kapellenporträts stellen nicht nur das Figurenpersonal im Kircheninneren vor, sondern erläutern auch die Bedeutung der jeweiligen Gotteshäuser für das Leben der Menschen in der unmittelbaren Region. Wer künftig auf seinem Weg durch den Rüebliland-Kanton einer Kapelle begegnet, kann dank der Kapellenwebseite eine kleine Führung auf eigene Faust unternehmen, inklusive Anregung zu meditativer Einkehr. Gelegenheit also, die Aargauer Kapellen völlig neu kennenzulernen zu einer Zeit, in der das Verständnis für christliche Ikonografie, Kirchen- und Architekturgeschichte immer weniger vorausgesetzt werden kann.

Bienenhaus und Königsgruft
Von manch Kuriosem weiss das Portal zu berichten. Oberhalb von Frick wurde in jüngster Zeit mit der Chorndletekapelle ein altes Bienenhaus in eine Andachtsstätte umfunktioniert. Im Kloster Muri ruhen in der Loretokapelle die sterblichen Überreste des letzten österreichischen Kaiserpaares sowie weiterer Mitglieder der Familie Habsburg. Und in Tegerfelden konstituiert sich rund um die Sebastianskapelle gar eine für den Aargau einzigartige staatskirchenrechtliche Besonderheit: Die einzige Kapellengemeinde des Kantons.

Kapellenwanderung am 1. September
Die Aargauer Kirchgemeinden und Kapellenvereine scheinen auf eine Kapellenwebseite regelrecht gewartet zu haben. Vielerorten stösst das Projekt auf positives Interesse und wird auf den Webseiten der Kapellenvereine bereits verlinkt, so beispielsweise in Mägenwil. Von verschiedenen Seiten erhalten die beiden Autoren, Dr. Linus Hüsser und Andreas C. Müller, Unterstützung in ihrem Auftrag, vorhandenes Wissen zusammenzutragen und zugänglich zu machen. Auch im Hinblick auf die geplanten Kapellenwanderungen mit kulturellem und spirituellem Rahmenprogramm wollen sich Vereine und Kirchgemeinden aktiv einbringen. Eine erste solche Veranstaltung mit dem Ziel, verschiedene Kapellen zu beleben und den Menschen der Region näherzubringen, ist für den 1. September 2012 geplant. Gemeinsam werden die Nothelferkapelle in Villmergen, die Schlosskapelle Hilfikon, die Muttergotteskapelle in Uezwil und die Nikolauskapelle in Büttikon erkundet und erwandert. In allen Kapellen wartet eine kleine Führung beziehungsweise ein spiritueller, kunst- oder kulturhistorischer Input. Es sind alle Interessierten herzlich willkommen.

Römisch-katholische Landeskirche Aargau

www.aargauerkapellen.ch


«Aargauer Kapellen»

Zum Abschluss ihres Jubiläumsjahres «125 Jahre Römisch-Katholische Landeskirche des Kantons Aargau: 1886–2011» hat die Landes kirche das Projekt «Aargauer Kapellen» initiiert. Ziel ist es, den reichen Kapellenschatz im Kanton Aargau mit praktischen und historischen Informationen zu dokumentieren, spirituelle Impulse zu geben und die Menschen einzuladen, diese besonderen Orte zu besuchen und dort einen Moment innezuhalten. kh

 

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