Wer nichts oder nur sehr wenig hört, bekommt von einem normalen Gottesdienst nicht viel mit. Der Gehörlosenseelsorger Felix Weder setzt deshalb visuelle Mittel ein. Eine wichtige Rolle spielt die Gebärdensprache, die sich auch singen lässt.
Wer ganz normal hört, dem ist kaum bewusst, wie stark die akustische Komponente eines Gottesdienstes ist. Gesprochene und gesungene Worte, der Klang von Musikinstrumenten – davon bekommt ein Gehörloser oder Hörbehinderter nur sehr wenig bis gar nichts mit. Menschen ohne oder mit sehr stark eingeschränktem Gehör nähmen deshalb kaum an gewöhnlichen Gottesdiensten teil, berichtet der römisch-katholische Gehörlosenseelsorger Felix Weder. Der Berner ist seit Dezember 2009 als Gehörlosenseelsorger tätig und seit 1. Februar 2012 nicht nur für Solothurn und Bern, sondern auch für die beiden Basel zuständig.
Im Gespräch mit «Kirche heute» schildert er, wie er seinen Begrüssungsgottesdienst in Liestal gestaltet hat. Die (gesprochenen und gesungenen) Texte waren auf Leinwand zu sehen und zusätzlich von Bildern begleitet, und es war ein Dolmetscher, der in Gebärdensprache übersetzte, dabei. Mit Gebärden kann man übrigens nicht nur sprechen, sondern auch singen, und es gibt Gebärdenchöre. Damit die Gehörlosen von den Lippen lesen können, sei auch eine gute Beleuchtung der Mundpartie wichtig, erläutert Weder.
Gottesdienste machen nur einen kleinen Teil der Tätigkeit von Weder aus. «Ich als Vertreter der katholischen Kirche nehme die Begleitung der gehörlosen Menschen wahr», umschreibt er seine Aufgabe ganz allgemein. Dazu gehören Seelsorgegespräche und Sakramente wie Taufe und Trauungen sowie Beerdigungen. Daneben stehen Bildung, Begegnung und Austausch auf dem Programm. Alle drei Jahre gibt es in der Schweiz ein ökumenisches Treffen an Pfingsten, dieses Jahr am Sonntag, 27. Mai, im Kulturcasino in Bern.
Einzelgespräche finden im Büro in Münchenbuchsee statt. Dort arbeitet Felix Weder in der Pfarrei. Oft ist er bei Kranken und Sterbenden, auch im Spital. «Die Spitalseelsorger und Pflegenden kommen an ihre Grenzen, je nach Gesundheitszustand haben die Patienten Probleme beim Ablesen», sagt Weder.
Felix Weder kann sich mit den Gehörlosen in ihrer Sprache verständigen, er hat die Gebärdensprache gelernt. «Das ist wichtig, es ist auch Teil der Kultur der Gehörlosen», sagt er. «Durch die Gebärdensprache werde ich mehr und mehr Teil ihrer Welt.» Die Beziehungsarbeit sei in der Gehörlosenseelsorge sehr wichtig, betont er.
Neue technische Möglichkeiten wie zuerst der Fax, dann später SMS und E-Mail haben die Kommunikation einfacher gemacht, auch für die Gehörlosen und Hörbehinderten untereinander.
Regula Vogt-Kohler
www.kathbern.ch/gehoerlose
Sonntag, 17. Juni, 10.30 Uhr; ökumenischer
Gehörlosengottesdienst in der Verenaschlucht in Solothurn; anschliessend Picknick
Samstag, 23. Juni, 18.00 Uhr; Gehörlosengottesdienst in Riehen (Pfarreiheim St. Franziskus); wurde abgesagt.
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Kirche heute
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