Ausgabe 6, 4. bis 10. Februar 2012

Tests zeigen: Unter dem Dreck kommen die ursprünglichen Farben zum Vorschein. (Foto: Thomas Holinger)Tests zeigen: Unter dem Dreck kommen die ursprünglichen Farben zum Vorschein. (Foto: Thomas Holinger)

Sanftes Putzen mit Gummischrot verhilft zu altem Glanz

Spendenaufruf für die Finanzierung der Innenrenovation der Heiliggeistkirche

Seit 100 Jahren steht sie an der Ecke Thiersteinerallee/Güterstrasse: die Heiliggeistkirche. Viel ist passiert in dieser Zeit, eines aber nicht: eine Reinigung der Wände und Decken im Kircheninnern. Nach Ostern beginnen
die Arbeiten für die Renovation.

Ein Thema ist die Restauration des Innenraums schon seit Längerem. Dass es nun ausgerechnet im Jubiläumsjahr 2012 klappt, war nicht geplant. Es ist kein Wunder, dass sich das Innere der Heiliggeistkirche düster und im wahrsten Sinne des Wortes verstaubt präsentiert: Die Ausmalung stammt aus der Zeit von 1920 bis 1925, und seit damals wurden die Wände und Decken weder gestrichen noch gereinigt. Jahrzehntelang haben Kerzenruss, Staub und Pilze ihr Werk getan, nun aber geht es dem Dreck an den Kragen: Am Osterdienstag beginnen die Arbeiten für die Sanierung des Innenraums.

Vorgesehen sei eine sanfte Reinigung, erläutert Thomas Holinger, Baudelegierter des Pfarreirates. Mit Gummischrot wird die Patina entfernt. «Nur was schadhaft ist, wird restauriert, alles andere wird lediglich geputzt», betont Holinger. Teststellen zeigen den verblüffenden Effekt: Das für den Heiligenschein des Heiligen Ignatius verwendete Blattgold glänzt wieder, Farben werden sichtbar, die Kirche wird hell. Das Kircheninnere wird nach der Renovation nicht wie frisch gestrichen aussehen, sondern im alten Glanz erstrahlen. Der Festgottesdienst zur Wiedereröffnung wird am Sonntag, 28. Oktober, stattfinden, fast auf den Tag genau 100 Jahre nach der Einweihung.

Hängende Decke
Die Heiliggeistkirche ist 1911/12 im neugotischen Stil erbaut worden. «Sie ist ein Kind des Historismus», sagt Thomas Holinger. In Zeiten der Unsicherheit suchen die Menschen Zuflucht im Altbewährtem, auch in architektonischer Hinsicht. So fiel wenige Jahre vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs der Entscheid für einen neugotischen Bau. Der Gegensatz zur nur 15 Jahre später gebauten Antoniuskirche, einer der ersten Betonkirchen Europas, ist frappant: Die Aufbruchstimmung zwischen Kriegsende und Wirtschaftskrise schlug sich auch stilistisch nieder.

Das Projekt Heiliggeistkirche war nicht unbestritten. «Gothische Kirchen passen nicht; die heutige Zeit verlangt moderne Formen», heisst es im Protokoll der Baukommission. Schliesslich aber setzte sich der von Gustav
Doppler entworfene und von Max Meckel verbesserte Vorschlag durch.

Thomas Holinger hebt bei einem Rundgang durch die Kirche die Decke, ein aus Sechsecken zusammengefügtes Rabitzgewölbe, als Besonderheit hervor. Bei dem von Carl Rabitz, einem Berliner Maurermeister, entwickelten Verfahren wird eine tragende Unterkonstruktion aus Metall mit Putzmörtel beworfen. Die Decke ist nicht auf Säulen abgestützt, sondern hängt.

Stadt finanzierte Turmuhr
Knappe Finanzen begleiteten die Heiliggeistkriche von Anfang an. Grundstock für die Finanzierung waren die 200 000 Franken, die der Kanton der damaligen Römisch-Katholischen Gemeinde (RKG) als einmalige Abfindungssumme als Entschädigung für die Nichtberücksichtigung bei der Verteilung des Kirchen- und Schulgutes an die Evangelisch-Reformierte und die Christkatholische Kirche bezahlt hatte. Dadurch hatte sich die Finanzlage der RKG verbessert, für eine Turmuhr reichten die Mittel aber nicht. Auf Gesuch der RKG erklärte sich die Basler Regierung bereit, eine Turmuhr samt Zifferblätter zu finanzieren, sofern die Gemeinde für die Glocken aufkommen würde. Die gesamten Kosten für Kirche, Pfarrhaus und Siegristenhaus, die als Ensemble entstanden, beliefen sich auf 670 000 Franken, damit war der bewilligte Kredit um 16,7 Prozent überschritten.

Spenden willkommen
Für die Sanierung des Innenraums hat die Synode im Juni 2011 einen Kredit von zwei Millionen Franken genehmigt. Davon übernimmt die RKK Basel-Stadt 700 000 Franken. Von der Denkmalpflege sind 200 000 Franken zu erwarten. Das bedeutet, dass die Pfarrei Heiliggeist 1,1 Millionen Franken aufzubringen hat. An Spenden sind bisher rund 440 000 Franken zusammengekommen. Weitere Spenden sind hochwillkommen. Am Sonntag, 5. Februar, ist die Kollekte für die Innenrenovation bestimmt. Für den Rest wird die Genossenschaft der Pfarrgemeinde Heiliggeist ein Darlehen gewähren. 

Regula Vogt-Kohler


Im Einklang

Die Heiliggeistkirche ist nach der Marien-(1886) und der Joseph-Kirche (1902) die dritte katholische Kirche, die in Basel nach der Reformation entstand. Der Klang ihrer Glocken musste mit jenem der Elisabethenkirche abgestimmt werden. Die 1857 bis 1865 als erste evangelische Kirche in Basel nach der Reformation erbaute Elisabethenkirche gilt als bedeutendste neugotische Kirche der Schweiz und steht unter eidgenössischem Denkmalschutz.
Die Heiliggeistkirche wurde 1996 ins Denkmalverzeichnis des Kantons Basel-Stadt aufgenommen.

 

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