Grosse Ehre für Marie-Claire Barth: Die interkulturelle reformierte Theologin und pionierhafte Frauenförderin hat die Ehrenpromotion der Basler Theologischen Fakultät erhalten.
Marie-Claire Barth-Frommel hat in eine berühmte Familie geheiratet. Ihr Schwiegervater war der Theologe Karl Barth. Doch die 84-jährige Pfarrerin aus Basel hat beruflich ihren eigenen Weg beschritten. «Systematisch zu denken, ist nicht meine Stärke», erklärt sie. Sie sei, als Mensch und als Theologin, «rezeptiv»: «Ich kann nur Christ sein im Teilen mit anderen Menschen.»
Leidenschaft für die Bibel
Marie-Claire, geborene Frommel, wuchs mit ihren Eltern und ihren zwei jüngeren Geschwistern in Genf und Zürich auf. Ihre Grossmutter väterlicherseits, «eine wunderbare Frau», so Barth, habe «unendlich viele Geschichten erzählt, erfundene und biblische». Den täglichen Bibelvers, der zum Frühstück gehörte, habe sie selten verstanden, erzählt sie schmunzelnd. Doch der Satz ihrer Grossmutter: «Das wirst du einmal besser verstehen als ich», habe sie bewegt und ihre Neugierde geweckt. 1955 wurde sie zur Pfarrerin ordiniert. Zunächst dolmetschte sie für den Weltkirchenrat in Genf und lernte dadurch viele Grössen der Ökumene kennen. Sie kam in Kontakt mit der Basler Mission und wurde im Mai 1956 nach Indonesien ausgesandt. Beim Abschied in Basel habe es geheissen, man hoffe, sie werde sich gut mit Christoph Barth verstehen, der in Jakarta Dozent für Altes Testament war. An Weihnachten 1957 fand dann ihre Vermählung mit dem Sohn Karl Barths statt. Marie-Claire Barth: «So wurde ich die letzte Braut, die die Basler Mission aussandte.»
«Mutter» für die jüngere Generation
Barth hat ihr halbes Leben in Südostasien verbracht und war auch in der ersten Phase bis 1967, als drei ihrer vier Kinder zur Welt kamen, immer berufstätig. Sie hat, sei es als Autorin, Bibelarbeiterin oder Dozentin, insbesondere Frauen der indonesischen Partnerkirchen der Basler Mission gefördert und ermutigt, ihren eigenen Weg zu gehen. «Denn auch in Indonesien entscheiden immer noch die Männer», so die Basler Theologin. Sie gilt in ihrer zweiten Heimat nicht nur als hervorragende Akademikerin, sondern ist für viele Menschen auch eine Art Mutter. Umgekehrt habe sie in Indonesien vor allem viel Wärme bekommen, erzählt sie: «In der Schweiz ist man nicht derart aufeinander angewiesen, wie es dort notwendig ist.» In Basel war sie 1980–1983 in der Leitung der Basler Mission, wo sie für die Anliegen der Frauen einstand.
«Wir befinden uns in einer Übergangszeit», sagt Barth zum Zustand der reformierten Schweizer Kirche. Es gebe eine Scheu, vom Glauben zu sprechen. Die Reorganisation der Basler Kirche raube viel Kraft. Die Laienarbeit müsse mehr Gewicht erhalten. Ehrenamtlich geführte Kleingruppen zu einem Bibelthema oder einer aktuellen gesellschaftlichen Frage gebe den Beteiligten das Gefühl, in der Kirche daheim zu sein.
Anna Wegelin
Öffentlicher Vortrag
Pfr. Dr.h.c. Marie-Claire Barth-Frommel spricht über Malaysia, das 2012 am Weltgebetstag der Frauen im Zentrum steht. Di, 24. Januar, 19.30 Uhr, Zwinglihaus, Gundeldingerstr. 370, Basel
Die Römisch-Katholische Pfarrei Aesch sucht auf den 1. August oder nach Vereinbarung eine/n
Die Redaktion «Kirche heute» sucht regelmässig eine/n Praktikanten/in.
250 Jahre Schwestern der Vorsehung
Seit 250 Jahren lassen sie sich von der Vorsehung Gottes lenken. Von Frankreich aus haben sich die Sœurs de la Providence auf der ganzen Welt verbreitet. Seit fast 170 Jahren wirken sie als «Lindenbergschwestern» auch in Basel. Das Claraspital beispielsweise fusst auf ihrem Wirken. >> mehr...
Träume, die das ganze Leben verändern
Mein Traum war es, nach Brasilien zu gehen. Keine Ahnung, wo dieser Traum herkam, er war auf einmal da. War es, weil jemand von diesem Land erzählt hatte? War es ein Bericht im Fernsehen? Ich habe daran keine Erinnerung, für mich tauchte der Traum einfach auf. Nicht aus dem Nichts, sondern aus meinem tiefsten Inneren, so als wäre er schon immer da gewesen und hätte nur darauf gewartet, an die Oberfläche zu steigen. >> mehr...
Kirche heute
Innere Margarethenstrasse 26, 4051 Basel, Tel. 061 363 01 70, Fax 061 363 01 71, sekretariat@kirche-heute.ch