Ausgabe 3, 14. bis 20. Januar 2012

Letzter Wille – ein Testament muss von Hand geschrieben sein. (Foto: KNA-Bild )Letzter Wille – ein Testament muss von Hand geschrieben sein. (Foto: KNA-Bild )

Aus Dankbarkeit nach dem Tod Gutes bewirken

Hilfswerke werben aktiv für Legate, doch das Thema braucht Fingerspitzengefühl

Auf praktisch jeder Hilfswerk-Homepage findet man einen Klick, auf kaum einem Bettelbrief fehlt der Hinweis: Es ist einfach, einem Hilfswerk einen Teil der Erbschaft zu vermachen. Seit Kurzem werben 16 gemeinnützige Organisationen gemeinsam um Legate.

Caritas Schweiz kann pro Jahr ein bis zwei Millionen Franken an Legaten entgegennehmen, die regionalen Caritas-Organisationen erhalten noch einmal so viel. Das Fastenopfer bekommt eine halbe bis zwei Millionen, anderthalb bis zwei Millionen sind es auch bei Kirche in Not. Interessante Beträge sind das allemal, auch wenn der Anteil an den gesamten Spenden sehr unterschiedlich ist. So stammen bei Kirche in Not 15 bis 20 Prozent des Umsatzes aus Vermächtnissen. Bei Caritas Schweiz sind es ein bis zwei Prozent des Budgets oder vier Prozent der Spenden. Die Unterschiede gehen wohl auf die Herkunft der Wohltäter zurück: Es hat Tradition, kirchlichen Institutionen Geld zu vermachen – je traditioneller die Unterstützer, desto mehr Legate. Die Eingänge aus Legaten schwanken allerdings stark.

Marketing und Mitgefühl
Vermächtnisse sind daher kaum planbar. Und sie sind ein besonderes Thema: Wie kann man auf feinfühlige Art die Menschen auf die Idee bringen, ihr Geld einem Hilfswerk zu vermachen? Schliesslich geht es um den eigenen Tod. Es sei Marketing, aber man müsse auch Mitgefühl zeigen, sagt Irene Verdegaal, die bei Caritas für Legate zuständig ist. Sie organisiert für potenzielle Legatgeber Anlässe, in denen die Arbeit der Caritas, aber auch die entsprechenden Länder und ihr kultureller Reichtum gezeigt werden. Die Botschaft ist also nicht das Legat, sondern die Arbeit der Caritas. Dabei kommt man ins Gespräch.

Kirche in Not lädt immer wieder hohe Würdenträger der Weltkirche ein, die über die jeweiligen Herausforderungen der Kirche vor Ort berichten. Es sei langjährige Beziehungsarbeit, aus der sich dann vielleicht auch Legate ergeben, sagt Lucia Wicki-Rensch, Informationsbeauftragte von Kirche in Not. «Für mich hat das Thema nicht primär mit Marketing zu tun, sondern es ist echte Seelsorge. Aus dem Glauben an die Auferstehung Christi und der Toten bestimmt der Wohltäter selbst, wie ein Teil seines Vermögens für verfolgte Christen eingesetzt werden soll, um so auch aus der Ewigkeit Hoffnung zu schenken.» Das Hilfswerk bietet wie die meisten eine entsprechende Legatsbroschüre an.

Das Fastenopfer hat es schwerer mit der Beziehungsarbeit. Es komme schon vor, dass Menschen als langjährige Spender bekannt seien und dem Hilfswerk dann auch Geld vermachten, sagt Matthias Dörnenburg, Bereichsleiter Marketing, Kommunikation und Bildung. Doch hat das Hilfswerk noch immer sehr viele anonyme Spender, die ihren Obulus ins Fastensäckli legen, ohne namentlich in Erscheinung zu treten.

Werben für ein Testament
«Viele Menschen in der Schweiz machen kein Testament», weiss Matthias Dörnenburg. Genau das aber ist die Voraussetzung für ein Legat. Das Fastenopfer ist denn auch eine von 16 gemeinnützigen Organisationen, die seit Kurzem mit der Kampagne «My happy end» dafür werben. Dies insbesondere mit Spots von einer Beerdigung, zu der all jene kommen, die im Testament begünstigt wurden, vom Rettungshelikopter über exotisch gewandete Leute bis zu einer Herde Elefanten.

«Ich versuche die Menschen zu ermuntern, ein Testament zu schreiben», sagt auch Irene Verdegaal von der Caritas. Dies nicht bloss wegen der Legate: «Caritas befasst sich auch inhaltlich mit Fragen der letzten Lebensphase, mit Sterben und Menschenwürde.» Sie empfiehlt, mit der Familie zu reden, wenn man sein Testament macht. Das vermeidet Interpretationsspielraum und Streit.

Weniger tabu als früher
Für ein Testament braucht es wenig: Man muss es von Hand schreiben und Datum und Unterschrift darunter setzen. Der Pflichtteil der Angehörigen darf dabei nicht verletzt werden. Empfohlen wird, eine Kopie bei einer öffentlichen Stelle zu hinterlegen, damit es auch gefunden wird, man kann es aber auch von einem Notar verfassen lassen.
Das Schreiben eines Testaments ist auch Teil eines Prozesses. Viele würden dabei ihr Leben reflektieren, sagt Irene Verdegaal. Leicht ist das für viele nicht, doch: «Vor zehn Jahren war es noch deutlich schwieriger, darüber ins Gespräch zu kommen», meint sie. Die Menschen, für welche die Frage ihres Vermächtnisses aktuell wird, wollten auch informiert sein. Sie hätten das Bedürfnis, ihre Dinge zu regeln.

Da lebt etwas weiter
Und was ist die Motivation, im Testament ein Hilfswerk zu bedenken? Alle angefragten Hilfswerke betonen, das sei sehr unterschiedlich. Von Beträgen von 1000 Franken bis zu einer Million ist alles möglich. Die Motive sind vielfältig: der Glauben oder eine humanistische Ausrichtung, viele geben das Missverhältnis zwischen Reich und Arm an, manchmal auch das persönliche Schicksal. «Jedes Legat ist ein Einzelfall», sagt Matthias Dörnenburg vom Fastenopfer: «Oft ist es der Wunsch, übers Leben hinaus ein Zeichen zu setzen.» Lucia Wicki-Rensch von Kirche in Not hört oft: «Aus Dankbarkeit für ein erfülltes Leben soll das Legat nach meinem Ableben Frucht bringen». 

Petra Mühlhäuser / Kipa

www.myhappyend.org

 

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