Von einer sehr persönlichen und offenen Seite zeigte sich Thierry Carrel bei einem Vortrag im Pfarreiheim Muttenz. Der bekannte Herzchirurg aus Fribourg sprach über seine Tätigkeit als Direktor der Universitätsklinik für Herz- und Gefässchirurgie am Inselspital Bern, seinen beruflichen Werdegang und ein Hilfsprojekt.
Thierry Carrel schilderte in seinem Referat vor einem zahlreich erschienenen Publikum die zunehmend komplexer werdenden Anforderungen, die Spitzenmediziner zu bewältigen haben. Er selbst übernimmt neben dem Operieren zahlreiche administrative Aufgaben, die ihn zeitweise stark belasten. Auch ist er für das «Coaching» der einzelnen Mitglieder seiner Equipe zuständig. Er verglich das medizinische Team mit einer Fussballmannschaft: Jeder «Spieler» hat eine eigens ihm zugedachte Rolle.
Thierry Carrel selbst ist sehr religiös und tief spirituell. Dies sind nicht alle seiner Kollegen. Doch oft bleibt neben dem chirurgischen Kerngeschäft auch gar nicht die Zeit, tiefgründige Gespräche zu führen. Dies bedauert Carrel zeitweise. Seine Spiritualität drückt sich auch in seinen zahlreichen Aufenthalten im Kloster Hauterive aus, wo er Ruhe und Einkehr sucht, ganz in der Nähe seines Heimatortes Fribourg. In den Operationssälen, in denen der Herzspezialist operiert, sind nicht selten Ikonen aufgestellt.
Auf die Frage eines Zuhörers hin, was er denn persönlich für sein eigenes Herz tue, erzählt er von einer Radtour in sechs Etappen, die er dieses Jahr in Angriff nehmen will. Etwas nachdenklich und leicht lakonisch meinte er schliesslich, dass es schwierig sei, beispielsweise auf die Zulassung eines Medikaments zu warten, wenn er doch eigentlich bereits wüsste, dass es wirke – dies sei dann für sein Herz nicht so gut. Wichtig für Carrels «Herz» (sinnbildlich für sein inneres Seelenheil) sind insbesondere auch die zahlreichen Projekte, die er begleitet. So war er selbst mehrere Male in der russischen Millionenstadt Perm, am östlichsten Rand von Europa. Er unterstützt die dortigen Mediziner mit Know-how und technischem Gerät und sorgt dafür, dass die Herzen auch dort richtig pumpen. Die Tätigkeit des Herzens veranschaulichte Carrel mit eindrücklichen Zahlen: Bis vier Milliarden Mal schlägt ein gesundes Herz in einem Menschenleben und 50 grosse Schwimmbecken Blut befördert es durch den menschlichen Körper.
Nach dem Vortrag erhielt Carrel zahlreiche Geschenke überreicht, unter anderem Honig aus lokalem Anbau. Für die zahlreichen Zuhörerinnen und Zuhörer gab es ein üppiges Buffet.
Philipp Springer
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