Ausgabe 40-42, 30. September bis 20. Oktober 2017

Kloster Einsiedeln im Landesmuseum

Ausstellung «Pilgern seit 1000 Jahren» bis am 21. Januar 2018

Joseph Kälin, Gnadenbildkopie, 1. Viertel des 18. Jahrhunderts. (Foto: Schweizerisches Nationalmuseum) Joseph Kälin, Gnadenbildkopie, 1. Viertel des 18. Jahrhunderts. (Foto: Schweizerisches Nationalmuseum)

Erstmals ist das Kloster Einsiedeln mit einer grossen Spezialausstellung im Landesmuseum Zürich präsent. Der Entscheid, dazu Hand zu reichen, war für Abt Urban Federer nicht einfach.

Er habe sich in einem Dilemma befunden, als die Anfrage zu dieser Ausstellung kam, gibt der Einsiedler Abt kurz vor der Eröffnung der Ausstellung gegenüber den Medien unumwunden zu. Sein Anliegen ist es nicht, die Vergangenheit auszustellen. «Ich führe das Kloster Einsiedeln in der Gegenwart und in die Zukunft», sagt Federer. Gleichzeitig war ihm bewusst, dass der Klostergemeinschaft ein kulturelles Erbe von Jahrhunderten anvertraut ist. Aus diesem Dilemma fand er, als er von der Konzeption der geplanten Ausstellung erfuhr. Ihm gefiel, dass nicht die Kunstsammlung des Klosters isoliert dastehen, sondern das Pilgern im Mittelpunkt stehen sollte.

«Kunst als Ausdruck des vertrauensvollen Pilgerns, Kultur als Frucht menschlicher Sehnsucht», bringt der Abt die Idee der Ausstellung auf den Punkt. Solche Fragestellungen und Aussagen interessierten ihn. Und so habe er auch Ja sagen können. «Gepilgert wurde in der Vergangenheit, gepilgert wird auch in der Gegenwart. Und ich bin überzeugt, das wird auch in der Zukunft so sein», sagt der Einsiedler Abt an der Medienkonferenz.

Fake News im Mittelalter
Die Ausstellung selbst fokussiert hauptsächlich auf die Vergangenheit. Angefangen beim heiligen Meinrad, der als Statue die Besucherinnen und Besucher nach dem Aufstieg über eine lange Treppe empfängt, und den ersten Raum mit Texten und Bildern füllt. Auf der Klause des Eremiten wurde später das Kloster erstellt. Im nächsten Raum lernen die Besucherinnen und Besucher Einsiedeln als Gnadenort und Pilgerziel kennen. Hier fällt vor allem eine mittelalterliche Fake News auf. Eine gefälschte Botschaft von Papst Leo VIII. vermeldete die sogenannte «Engelweihe». Demnach habe Christus persönlich in der Nacht auf den 14. September 948 die neu errichtete Kapelle an der Stelle von Meinrads Klause geweiht. Der Schwindel verhalf der Wallfahrt nach Einsiedeln zu einem Aufschwung.

Madonna in Kopie
Die Kritik der Reformatoren, der neue Aufbruch im 17. Jahrhundert mit dem Bau der heutigen Anlage, dann die Plünderung und Zerstörung durch die Franzosen um 1798 und der Wiederaufbau danach zeigen die wechselhafte Geschichte des Klosters. Weiter liegt der Fokus auf der Schwarzen Madonna, die in Kopie in einer Vitrine steht. Neben der Madonnakopie hängt eine Reihe von festlichen Kleidern. Diese haben Gönner seit dem 17. Jahrhundert der Schwarzen Madonna gespendet. Die älteren Kleider stammen von Adligen wie den Hohenzollern, neuere von Gläubigen aus Korea oder Indien. Auch das Plakat zur Ausstellung zeigt ein Kleid der Madonna, nicht aber die Madonna. «Die Lücke müssen die Besucherinnen und Besucher selbst füllen», sagt Federer und empfiehlt: «Am besten mit jener Sehnsucht, die so unterschiedliche Leute wie Casanova und Bruder Klaus nach Einsiedeln gebracht haben.»

Regula Pfeifer, kath.ch

 

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