Ausgabe 10-11, 4. bis 17. März 2017

Fasnachtspäpste (von links): Urban Schwegler, Franz Zemp und Herbert Gut. (Foto: zVg) Fasnachtspäpste (von links): Urban Schwegler, Franz Zemp und Herbert Gut. (Foto: zVg)

Kirchenmänner als Schnitzelbänkler

Drei Theologen als päpstliches Trio urbi@orbi an der Luzerner Fasnacht

«Wir wollen Humor mit Tiefgang präsentieren», sagt Urban Schwegler im vorfasnächtlichen Gespräch mit kath.ch. In gewöhnlichen Zeiten ist Schwegler als Kommunikationsbeauftragter der Katholischen Kirche der Stadt Luzern tätig. Zusammen mit dem Luzerner Gassenseelsorger Franz Zemp und Herbert Gut, Gemeindeleiter der Luzerner Pfarrei St. Johannes, tritt er als Schnitzelbank auf.

Wer von Ihnen ist auf die Idee eines Fasnachtsauftritts gekommen?
Urban Schwegler: Die Idee ging von Herbert Gut aus. Er meinte, es könnte doch mal einen authentischen kirchlichen Beitrag zur Fasnacht in Luzern geben, die ja hier ein wichtiges Kulturgut ist. Wir fanden: Das erträgt eine besondere Perspektive. Die Fasnacht wurde in letzter Zeit kritisiert, sie traue sich nicht mehr, richtig zuzubeissen. Sie sei zu wenig politisch und zeige nur noch Formen und Farben. Wir möchten dem entgegenwirken.

Wird es einiges an kritischem Schmunzeln geben?
Kritisches Schmunzeln ist gut gesagt. Das hoffen wir, man weiss ja im Vorfeld nie, wie es ankommt. Wir wollen nicht nur Schenkelklopfer-Humor bringen, sondern Humor mit Tiefgang.

Wer von Ihnen hat Erfahrung mit solchen Auftritten an der Fasnacht oder mit Schnitzelbänken?
Wir haben noch keine Erfahrung als Schnitzelbankgruppe. Wir haben jedoch Erfahrung im Gestalten von Fasnachtsgottesdiensten.

Was wohl nicht einfach ist: Wie bringt man den Humor in die Themen rein?
Das ist tatsächlich nicht einfach. Und es ist schwierig zu sagen, wie das gelingen kann. Wir verteilten die Themen, die jeder selber bearbeitete. Dann legten wir einander die Verse vor und gaben uns gegenseitig Feedback.

Welche Themen sprechen Sie an?
Wir greifen recht viele politische Themen auf – aus der Lokalpolitik und auch aus der nationalen Politik. Dazu kommt das eine oder andere kirchliche Thema. Wichtig ist: Wir wollen niemanden auslachen oder durch den Dreck ziehen. Aber wir wollen merkwürdige Sachen pointiert kommentieren.

Freuen Sie sich auf den Auftritt?
Ja, die Vorbereitungen waren arbeitsintensiv. Jetzt freue ich mich, die Verse vorzutragen und zu schauen, was die Leute dazu sagen. Vielleicht finden es ja nicht alle so toll, dass wir als Papst auftreten. Die Rückmeldungen waren bisher meist positiv. Es gab aber auch Stimmen, die befürchteten, dass wir uns über religiöse Themen oder den Glauben lustig machen. Aber das ist überhaupt nicht unsere Absicht.

Die Idee der Fasnacht ist, dass man die Obrigkeit kritisiert, nicht wahr?
Ja, und dass man die Verhältnisse umkehrt. Man nimmt jene auf die Schippe, die oben sind. In der katholischen Kirche ist in Gottes Namen der Papst zuoberst. Da lag es für uns als Kirchenmänner auf der Hand, dass wir als Päpste an die Fasnacht gehen. Man darf das ruhig auch als Bereitschaft zur Selbstkritik verstehen.

Und dann haben Sie den Papst noch verdreifacht …
Ja, das gibt dann natürlich eine Potenzierung der Macht. Eine Kreuzung aus Dreifaltigkeit und päpstlicher Unfehlbarkeit – das ist doch eine recht grosse Machtkonzentration. Da bin ich wahrscheinlich froh, wenn ich das nach der Fasnacht wieder abstreifen kann.

Weshalb?
Man schlüpft ja an der Fasnacht in eine Rolle. Da muss man einen Moment nicht sich selber sein, sondern kann auch mal der Heilige Vater sein. Man kann mit dieser Rolle kokettieren. Das macht Freude.

Interview: Regula Pfeifer, kath.ch


 

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