Ausgabe 30-32, 21. Juli bis 10. August 2012

Neustart

Regula Vogt-Kohler, Redaktorin

Computer sind nicht anders als die Menschen, die sie programmiert haben. Sie haben ihre Launen und Macken, und manchmal hilft auch gutes Zureden und Anlächeln nichts. Dann gibt es nur Eines: neu starten. In ganz schlimmen Fällen funktioniert nicht einmal das auf Anhieb, und man muss die Variante mit Abwürgen und wieder Einschalten wählen. Und wenn es ganz dramatisch wird und auch dies nichts bringt, gibt es noch die Hoffnung auf externe Hilfe, den IT-Spezialisten. Der fragt dann (wenn man es ihm nicht gesagt hat) als erstes: Haben Sie es schon mit einem Neustart versucht? 

IT-Spezialisten leben wie die meisten Spezialisten in einer eigenen Sphäre mit einer speziellen Sprache. Unterschiedliche Sprachen sind für jede Kommunikation eine Hypothek, erst recht dann wenn die Botschaft an sich nicht willkommen ist. Selbst wenn man als gewöhnlicher User, der oder die man sich in der IT-Welt nur besuchsweise aufhält, die Landessprache mindestens weitgehend versteht, wenn auch nicht fliessend spricht, reagiert man nicht immer begeistert, wenn die Spezialisten einem sagen, was man zu tun oder nicht zu tun hat. Wer gibt schon gerne zu, dass er etwas falsch gemacht hat. 

Dem Spezialisten gegenüber einräumen zu müssen, dass man Fehler begangen hat, kann schlimm genug sein, dies in einem grösseren Kreis zuzugeben, ist um Dimensionen schlimmer, vor allem wenn zu diesem erweiterten Publikum auch Leute gehören, mit denen man im Clinch liegt. Je grösser die Angst ist, das Gesicht zu verlieren, umso grösser wird die Versuchung, die Geschichte unter dem Deckel zu behalten oder ganz schnell unter den Teppich zu kehren. Dass man sich in einer solchen Situation dafür entscheidet, einfach mal abzublocken, ist zwar nachvollziehbar, schafft aber das Problem nicht aus der Welt. Nicht selten beginnt es dann im Verborgenen ein Eigenleben zu entwickeln.  

Es ist grundsätzlich nicht die schlechteste Idee, sich in einer schwierigen Lage zurückzuziehen, in sich zu gehen und in Ruhe nach einer Lösung zu suchen. Einer demokratischen Institution, wie es beispielsweise die Synode der Römisch-Katholischen Kirche Basel-Stadt ist, sind hier allerdings enge Grenzen gesetzt. 

Regula Vogt-Kohler, Redaktorin

 

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