Was wären wir ohne das Erbe unserer Vorfahren. Hätten Sie uns nicht weitergegeben, was sie selber auch schon übernommen hatten, wir stünden ohne Bibel da, aber auch ohne Vereinskultur, ja wahrscheinlich ohne Demokratie. Unsere Töne wären keine Musik, weil wir weder geeignete Instrumente noch eine Vorstellung von Dur und Moll hätten. Und auch Geschriebenes wäre uns wohl fremd.
Doch was würde aus uns, wenn wir da stehen blieben, wo wir heute stehen? Oder, um der Vorstellungskraft nachzuhelfen, was haben Menschen in den letzten dreissig Jahren nicht alles erfunden? Nicht, dass alles besser wurde, aber immerhin hat sich der durchschnittliche Benzinverbrauch eines Autos auf etwa zwei Drittel des Werts von 1980 verringert. Dank Computer geht manche Arbeit leichter von der Hand, dank neuen Textilien macht Wandern bei Regen und Kälte mehr Freude als früher. Und vor zwanzig Jahren konnte noch niemand seine Ferien über das Internet buchen.
Die Bibel, ja, die ist noch die gleiche. Aber erst vor Kurzem entdeckten wir darin Prophetinnen und Apostelinnen, und stärker als vor zwei Generationen sehen wir in der Heiligen Schrift die Botschaft hinter den im Text beschriebenen Wundern. Die Familie, im letzten Jahrhundert als Urzelle der Gesellschaft betrachtet, hat verschiedenste Formen angenommen, und längst nicht mehr jeder Schweizer ist Mitglied in einem Verein.
Eigentlich ist es eine selbstverständliche Weisheit: Wir bauen auf dem auf, was wir vorfinden; wir entwickeln weiter, was uns zukunftsträchtig
erscheint. Und wir lassen auch manches zurück. Wer den Untergrund nicht beachtet, kann nicht stabil bauen, wer aber den Grundriss früherer Gebäude nicht erweitert, fühlt sich schnell beengt. Ob Demokratie, Kultur oder kirchliches Leben, was weiterleben soll, muss weiterentwickelt werden. Denn wir sind heute nicht genau die gleichen, die wir gestern waren. Und die Welt ändert sich auch ohne uns. Was uns hilft, sie zu gestalten, sind lebendige – veränderbare – Traditionen.
Alois Schuler, Chefredaktor
Die Römisch-Katholische Pfarrei Aesch sucht auf den 1. August oder nach Vereinbarung eine/n
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