Im Sommer 1981 verreiste ich mit einer Freundin nach Griechenland, mit einem Tramperrucksack und einem Bündel Traveller Cheques, die möglichst lange reichen sollten. Meine Eltern und mein Schatz erhielten ein paar Ansichtskarten, denen sie entnehmen konnten, wo wir gelandet waren (nicht dort wo wir eigentlich hin wollten), Telefonanrufe waren so teuer, dass sie für absolute Notsituationen vorbehalten waren. No news are good news hiess es für solche Fälle. Solange man nichts hört, wird wohl nichts passiert sein.
Heute ist es fast unvorstellbar, einfach für ein paar Wochen zu verschwinden, ohne regelmässig von sich hören zu lassen und umgekehrt auch nichts oder nur wenig vom Rest der Welt zu hören. Und ehrlich gesagt, war das damals ja auch nicht unsere Absicht. Es war nur ein wenig schwieriger als heute, auf dem Laufenden zu bleiben. Kein Internet und damit weder Facebook noch E-Mail, kein Mobiltelefon, und aktuelle Zeitungen, erst recht solche in einer Sprache, die wir auch verstanden, waren nur selten erhältlich.
Das Internet und die mobile Telefonie haben unsere Möglichkeiten zu kommunizieren um Dimensionen erweitert. Das hat viele positive Seiten, bedeutet aber nicht, dass Kommunikation damit einfacher geworden ist. Das beginnt schon bei der Frage, was man eigentlich darunter versteht. Das lateinische Wort «communicare» heisst «teilen, mitteilen, teilnehmen lassen, gemeinsam machen, vereinigen». In dieser ursprünglichen Bedeutung ist eine soziale Handlung gemeint, in die mehrere Menschen oder allgemein Lebewesen einbezogen sind. Kommunikation ist also nie etwas Einseitiges.
Wir kommunizieren jeden Tag, meist ohne gross darüber nachzudenken. Kommunikation ist ebenso alltäglich wie schwierig.
Eine Botschaft, die niemanden erreicht, hat ihr Ziel verfehlt. Gründe, die dazu führen, dass Informationen nicht ankommen, gibt es viele: falscher Kanal, falsche Sprache, falscher Empfänger, falsche Tonlage, falsches Timing. Man kann also ganz viel falsch machen. Daraus zu folgern, dass es besser ist, nichts zu sagen, ist aber ein Trugschluss. Auch Schweigen ist eine Form von Kommunikation und kann vieles ausdrücken oder auslösen: Distanz, Angst, Respekt, Hilflosigkeit, Diskretion, Rücksichtnahme, Arroganz, Verwirrung, Empörung, Gedankenlosigkeit. In Situationen, in denen zu Recht erwartet wird, dass man etwas sagt, ist es unangebracht zu schweigen. Und schweigen sollte man auch dann nicht, wenn man Positives mitzuteilen hätte.
Regula Vogt-Kohler, Redaktorin
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