Egal, wo wir im Sommer Ferien machen, früher oder später halten wir nach Fahrrädern Ausschau, weil wir gemütlich die Gegend erkunden wollen. Oft holen wir sie aus dem Gartenschuppen des Wohnungsvermieters, es sind meist nicht die neuesten Modelle, manchmal fehlt eine Gangschaltung, häufig das Licht. Einmal ums Dorf herum kommt man fast immer. Was ich allerdings vor dem Losfahren immer ganz genau prüfe, sind die Bremsen.
Auf Feldwegen auf dem platten Land kann ich damit leben, dass ich mir beim Fahren auf dem ausgeliehenen Zweirad im schlimmsten Fall meine Schuhe ruiniere, weil ich sie zum Bremsen einsetzen muss, oder dass ich mir bei einem Sturz einige Schürfungen hole. In hügeligem Gebiet hingegen oder gar in einer Stadt fahre ich ohne ausreichende Technik keinen Meter weit. Ich würde ja nicht nur meine Gesundheit riskieren, sondern bei einem allfälligen Zusammenstoss auch die eines andern.
Nicht wenige haben gegenwärtig das Gefühl, auf eine falsche Technik aufgesprungen zu sein. Mit ihr unterwegs zu sein ist nicht risikolos. Wir wussten das immer, doch die Bilder aus Fukushima halten es uns – 25 Jahre nach Tschernobyl – wieder deutlich vor Augen. Technik und Menschen können versagen. Wie viele andere Länder auf der ganzen Welt nehmen wir das Risiko in Kauf, weil uns die Kernkraft den Strom, die Grundlage unseres modernen Lebens, zu einem – bis jetzt – günstigen Preis liefert.
Das Risiko allerdings tragen wir nicht allein. Es fällt auch auf unsere Nachfahren. Wir leben von einer Technologie, die wir aufgeben sollten, die wir allerdings weder kurzfristig noch spurlos verlassen können. Fossile Energieträger sind angesichts der damit verbundenen Klimaerwärmung keine Alternative für die Stromproduktion. Wir sollten uns Techniken zuwenden, die Fehler verzeihen, Techniken, vor denen sich auch nicht unsere Kindeskinder fürchten müssen. Und vielleicht sollten wir mit den aktuellen Bildern vor Augen uns noch einmal überlegen, ob es denn – für unsere Mobilität, unsere Unterhaltung und unsere Arbeit – immer mehr Strom braucht. Menschliches Leben ist auch mit etwas weniger machbar.
Alois Schuler, Chefredaktor
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