Ausgabe 6, 31. Januar bis 6. Februar 2015

Am 18. Mai wandte sich FCB-Präsident Bernhard Heusler vor dem Spiel an die über 32 000 Zuschauer und verurteilte die Ausschreitungen von Chaoten in den Reihen der Basler Fans drei Tage vorher. (Foto: Keystone) Am 18. Mai wandte sich FCB-Präsident Bernhard Heusler vor dem Spiel an die über 32 000 Zuschauer und verurteilte die Ausschreitungen von Chaoten in den Reihen der Basler Fans drei Tage vorher. (Foto: Keystone)

Damit sich Werte in einem Unternehmen durchsetzen

Führungskräfte diskutierten auf Einladung der Kirchen über «Werte und Millionen»

Was haben der erfolgreichste Fussballclub der Schweiz, ein globaler Grosskonzern und eine Bank gemeinsam? Sie alle setzen Millionen von Franken um und versuchen gleichzeitig, in ihrer Unternehmenskultur ethische Werte zu leben. Vertreter dreier Unternehmen erzählten vergangene Woche in Binningen, warum ihnen ethische Werte wichtig sind und wie sie dem Unternehmen nützen.

Michael Fürst, Senior Manager bei Novartis, Bernhard Heusler, Präsident des FC Basel, und Elisabeth Schirmer-Mosset, Bankpräsidentin der Basellandschaftlichen Kantonalbank, wurden von Radio-SRF-Religionsredaktorin Judith Wipfler zu Beginn des Podiums gebeten, Beispiele für ethisches Handeln zu nennen. Bei der Kantonalbank erhalten junge Leute keine Konsumkredite. Novartis stellt für fünf Millionen Leprakranke gratis Medikamente zur Verfügung. Und in der «Charta» des FC Basel, «deren Beachtung er auch von seiner Anhängerschaft erwartet», heisst es unter anderem «Der FCB kennt keinen Hass auf sportliche Gegner». Die Beispiele zeigen, dass die Unternehmen nicht nur für ihre Mitarbeitenden, sondern auch für ihre Kunden und Fans eine ethische Verantwortung übernehmen wollen. Bernhard Heusler bezeichnete dies als eine der «anspruchsvollsten Aufgaben eines Fussballclubs.

Der FC Basel nennt es Charta. Andere Unternehmen definieren ihre Werte in Leitbildern. Entscheidend sei jedoch, dass die Menschen im Unternehmen diese Werte leben und weitergeben, betonte Bernhard Heusler. Am besten von oben nach unten, wie Elisabeth Schirmer ergänzte. Führungspersonen sollten Vorbilder sein, denn nur so könnten sich die angestrebten Werte in einer Firma durchsetzen.

Global tätige Konzerne wie Novartis stehen vor einer besonderen Herausforderung. Das Unternehmen beschäftigt in der Schweiz und in zahlreichen Ländern Menschen aus den verschiedensten Kulturen und Religionen mit ganz unterschiedlichen Vorstellungen. Michael Fürst, Senior Manager Corporate Responsibility, wies auf eine Reihe von Fragen hin, die man klären müsse: «Auf welche Werte beziehen wir uns? Kann es eine kollektive Firmenethik geben? Welche Strukturen können wir benutzen, um beispielsweise Menschenrechte und Umweltschutz umzusetzen?» Diese Strukturen müssten auch standhalten, falls ein Einzelner in der ethischen Führung versagen sollte.

Die Podiumsgäste machten klar, dass die Unternehmen auf Werte setzen, weil sie damit Erfolg haben. Michael Fürst meinte, ein Unternehmen könne nur erfolgreich sein, wenn es seine Ziele in Übereinstimmung mit seinen Werten erreiche. Als besonders wichtig erachteten die Gesprächsteilnehmer den Einbezug aller Mitarbeitenden. Wenn man ihre Unterschiedlichkeit anerkenne und einander verstehe, fördere das die Produktivität des Unternehmens, erklärte Fürst.

Erfolg haben bedeute im Fall des FC Basel nicht, um jeden zu Preis gewinnen, sagte Bernhard Heusler: «Wir müssen den Spielern vermitteln, dass wir sie nicht auf das Siegen reduzieren. Sie müssen merken, dass man sie als Menschen schätzt.» Lebe der Trainer den Spielern vor, dass jeder sich selbst der Nächste sei, könne kein Vertrauen entstehen, so Heusler. «Wenn die Spieler nicht zusammenarbeiten, kann die Mannschaft keinen nachhaltigen Erfolg haben.»

Karin Müller

 

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