Ausgabe 25, 16. bis 22. Juni 2012

Schwäne sind ein Symbol für Treue; Trennungen gibt es aber auch bei ihnen, allerdings nur selten. (Foto: Jetty Kuhlemann/pixelio)Schwäne sind ein Symbol für Treue; Trennungen gibt es aber auch bei ihnen, allerdings nur selten. (Foto: Jetty Kuhlemann/pixelio)

Ende in Respekt und Würde statt Trennungskrieg

Nur wer Abschied nimmt und loslässt, ist frei und offen für einen Neuanfang

Für das Gelingen einer Beziehung braucht es unter anderem die Balance zwischen Gemeinsamkeit und Eigenständigkeit. Wenn sich ein Paar zur Trennung entschieden hat, dann sollte es versuchen, diese mit möglichst viel Respekt zu vollziehen, sagt Paar- und Familienberater Norbert Engeler.

Wo im Märchen und in Liebesfilmen die Geschichte (glücklich) endet, geht es im realen Leben erst richtig los. Früher oder später stellt sich heraus, dass die Ehe kein sicherer Hafen ist. Oft finden Paare nicht zurück aus stürmischen Gewässern, münden Krisen in Trennung und Scheidung. So wie Schiffe aus den unterschiedlichsten Ursachen in Seenot geraten, ist jede unglückliche Beziehung ein Einzelfall. Diese Beobachtung, mit der «Anna Karenina» beginnt, bestätigt Paar- und Familienberater Norbert Engeler. Die Gründe, welche Paare dazu bringen, über eine Trennung nachzudenken, seien sehr verschieden. 

Zu ihm kommen der dreifache Familien­vater, der sich die Zeit der Verliebtheit zurückwünscht, aber auch die Frau, die erst nach einer Serie gescheiterter Beziehungen erkennt, dass sie mit jedem Neuen den gleichen Fehler wiederholt hat. In eine Beziehung bringt man nicht nur seine schönen und guten Seiten, sondern auch die nicht so wunderbaren Eigenheiten und ein Stück Familiengeschichte mit. Daraus kann sich eine Dynamik entwickeln, die das Eheboot zum Kentern zu bringen droht. 

Es sei selten der grosse Knall, der zum Ende einer Beziehung führe, sagt Engeler. «Beziehungen zerbrechen leise.» Lebensübergänge sind gefährliche Passagen. Manche schaffen schon den Transit in den Alltag nicht, viele tun sich schwer, wenn sich das Paar zur Familie erweitert. Arbeitslosigkeit und Krankheit stellen eine Beziehung auf die Probe. Auch eine Anhäufung von scheinbaren Kleinigkeiten kann zu einer Schieflage führen. Das oft gehörte «Wir haben uns auseinandergelebt» trifft etwas Zentrales. Jede Partnerschaft lebe von gemeinsamen Zielen, betont Engeler. «Ohne Gemeinsamkeit geht es nicht.» Aber: «Partnerschaft kann dir nie alles geben.» Es gilt ein Gleichgewicht zwischen Gemeinsamkeit und Eigenständigkeit zu finden. Dabei hilft es, sich in den Partner hineinzuversetzen.

Wenn sich ein Paar aber doch zur Trennung entschliesst, sollte es versuchen, dabei Respekt zu wahren, sagt Engeler. Dazu gehört, dass man sich nicht wegen der Finanzen oder der Kinderbetreuung bekriegt. Wenn ein Paar dazu bereit sei, soll es Abschied nehmen voneinander, würdigen, was gut war, aber auch was man einander nicht geben konnte, und dann loslassen. Eine nicht richtig abgeschlossene alte Beziehung ist eine Hypothek für eine neue Verbindung. 

Bei allen Unterschieden der einzelnen Paargeschichten gibt es auch eine Parallele: «Ich habe es noch kein einziges Mal erlebt, dass man locker auseinander geht», sagt Norbert Engeler zur Frage, ob es sich manche Paare nicht zu einfach machen. 

Regula Vogt-Kohler

 

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