Es ist Heiratssaison. Doch eine Eheschliessung will vorbereitet sein. Die römisch-katholische Kirche fordert dazu den Besuch eines Kurses. Deutschschweizer Eheseminare stellen konkrete Beziehungsfragen, etwa den konstruktiven Umgang mit Differenzen und Streit ins Zentrum. Das schätzen die teilnehmenden Paare.
17 Paare sind an diesem April-Wochenende ins katholische Studentenhaus Basel gekommen, um sich auf ihre Ehe vorzubereiten. Am Schluss sind sie alle sehr zufrieden mit den zwei Tagen. Obwohl die Hälfte von ihnen kommen musste, weil ihr südeuropäischer oder lateinamerikanischer Traupriester sie ohne den von der Kirche geforderten Kurs nicht trauen würde. Die Schweizer Priester, Diakone und Gemeindeleiterinnen weisen meist «mit sanftem Druck» auf die Kursangebote hin, wie es Norbert Engeler, Leiter der katholischen Ehe- und Partnerschaftsberatung in Muttenz, ausdrückt. Die von ihm geleiteten Kurse sollen den Paaren helfen, ihre Beziehung langfristig positiv zu gestalten.
Für viele sei die Anmeldung der Trauung beim Pfarramt – in der Regel am Wohnort der Braut – der erste Kontakt mit der Kirche seit der Firmung, meint Engeler. Und das gilt dann auch umgekehrt. Obwohl aus Sicht der Kirche durchaus Nachholbedarf in Glaubensunterweisung bestehen könnte, steht das Thema «kirchliche Partnerschaft und Glaube in der Partnerschaft» im Vorbereitungskurs erst an dritter Stelle. Vorher – und intensiver – kommen die Alltagsrealität der anwesenden Paare und ihre Gesprächs- und Streitkultur zur Sprache.
Er sei zwar mit andern Erwartungen gekommen, meint ein Teilnehmer in der Schlussrunde, lobt aber die interessanten Inhalte und freut sich, viele interessante Leute getroffen zu haben. Andere schliessen sich ihm an. Sich mit andern Paaren auszusprechen, die in der gleichen Lebenssituation stehen, empfinden sie als Bereicherung. Und auch, dass dieser Kurs den Raum bot, über Themen zu sprechen, für die sonst die Zeit fehlt. Schon die Umfrage zu Beginn des Kurses hatte gezeigt, dass die Teilnehmenden vor allem über den Umgang mit Konflikten, das Verhältnis von Zweisamkeit und eigenen Freiräumen, Fragen um die Familiengründung und darüber, was es braucht, damit die Ehe Zukunft hat, sprechen wollten. Die Zufriedenheit zeigte sich auch in der Stimmung am Ende des Kurses. Und als Engeler die Teilnehmenden anwies, ihrem Partner vier Dinge zu nennen, die er an ihr – oder sie an ihm – liebe, strahlten die zuhörenden Gesichter regelrecht auf.
Viele Paare lebten bereits zusammen, kennen also auch den Alltag in der Beziehung, erläutert Engeler einige Tage nach dem Kurs gegenüber «Kirche heute». Und sehr viele Paare müssen sich, weil sie aus verschiedenen Ländern stammen, mit kulturellen Differenzen auseinandersetzen. Bei zwei Paaren löste der Kurs Fragen aus, die sie bereits zu einem Beratungsgespräch bei Engeler führte. Der Paarberater zeigt sich überzeugt, dass alle nach dem Kurs wissen, dass sie für eine dauerhafte Beziehung etwas tun müssen, aber auch, dass sie etwas dafür tun können.
Alois Schuler
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