Die Basler Museen luden am Freitag, dem 13., zu einem nächtlichen Streifzug durch die Stadt. Der Publikumsaufmarsch sorgte dafür, dass niemand allein durch den Geisterwald im Pharmazie-Historischen Museum spazieren musste.
Sie hing über der Kindheit vieler wie der Vollmond über dem Wald: die Drohung «Wenn du nicht rechtzeitig ins Haus kommst, holt dich der Nachtkauz!» Der Ruf der Eule ist mit der Vorstellung von Unheil verbunden, und wenn er in einem dunklen Wald ertönt, kann es einem ja schon etwas unheimlich zu Mute werden. Zum Glück sind wir an diesem Abend, am Freitag, dem 13. Januar, nicht allein im Geisterwald, den die Crew des Pharmazie-Historischen Museums aufgebaut hat.
In Scharen strömen sie durch die Stadt, folgen den Wegweisern, kleinere und grössere Gruppen, Familien, Pärchen und Einzelmasken. Alles ist ein bisschen anders in dieser Nacht: Nicht nur das ausgehfreudige Jungvolk ist unterwegs, sondern Leute jeden Alters. Dreissig Museen und sieben weitere Institutionen locken das Publikum mit einem speziell für diese Nacht konzipierten Programm. Offene Türen hat auch das Münster. Die Museumsnacht ist eine der seltenen Gelegenheiten, an denen die Emporen zugänglich sind. Immer zur vollen Stunde gibt es Konzerte mit dem Sinfonieorchester Basel, dazwischen finden Führungen statt. Um 19 Uhr spielt ein fünfköpfiges Fagott-Ensemble Werke von Johann Sebastian Bach, danach hören wir eine Paradiesgeschichte von Pfarrer Franz Christ.
Wir verlassen das Münster, und vorbei am Museum der Kulturen und Naturhistorischen Museum gehts hinunter zum Marktplatz und dann das Totengässli hinauf. Das hier ansässige Pharmazie-Historische Museum hat den besonderen Termin der diesjährigen Museumsnacht thematisiert und bietet eine Fülle von Informationen zu Wissenschaft und Aberglauben. Beispielsweise beim Alchemistenlaboratorium: «In der Alchemie verbinden sich magisches und wissenschaftliches Denken», erfährt man hier.
Was man unter Aberglauben versteht, hat sich im Verlauf der Zeit gewandelt. «Der Begriff ist seit dem 15. Jahrhundert belegt», lesen wir im Geisterwald unter dem Titel «Aberglauben Sie noch oder wissen Sie schon?» Damals waren damit Glaubensinhalte gemeint, die dem christlichen Glauben widersprachen – nicht nur andere Religionen oder den Glauben an Hexerei und Magie, sondern auch die Naturwissenschaften. Heute ist es umgekehrt: Viele Menschen betrachten religiöse Erklärungen oder auch sogenannte Volksweisheiten als Aberglauben, weil sie nicht den Gesetzen der Naturwissenschaften entsprechen. So ist es widerlegt, dass an Freitagen, die auf einen 13. fallen, besonders viele Unglücke passieren. Wer aber auf Nummer sicher gehen will, kann im Hof des Museums ein Amulett basteln. «Ich glaube an den Placebo-Effekt von Glücksbringern», heisst es dazu auf einem der Blätter, welche das Publikum beschrieben und an den Baum mitten im Geisterwald gehängt hat.
Regula Vogt-Kohler
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