2012 ist für den Katholischen Frauenbund Basel-Stadt (KFB) ein Jahr der runden Geburtstage. Der KFB selbst blickt wie der nationale Dachverband, der Schweizerische Katholische Frauenbund, auf 100 Jahre zurück, die Sozialberatungsstelle wird 20 Jahre alt.
Die negativen Auswirkungen des Strukturwandels in der Arbeitswelt und die Mehrfachbelastung von Frauen durch Familie, Haushalt und Berufstätigkeit sind keine Erscheinungen unserer Zeit, sondern waren vor 100 Jahren schon ein Thema. Das zeigt der Blick zurück in die Gründungszeit des Katholischen Frauenbunds Basel-Stadt. «1912 hatten die Gründerinnen, allen voran die Baslerin Emilie Gutzwiller-Meyer, die Dringlichkeit erkannt, karitative und erzieherische Tätigkeiten zu fördern, um die verheerenden Folgen der Industrialisierung zu dämpfen, von denen besonders die Frauen betroffen waren», hält der KFB in seinem Spendendossier für das Jubiläumsjahr 2012 fest.
«Damals gab es noch nichts, was wir heute als Sozialarbeit kennen», sagt Rita Giger, Leiterin der Geschäftsstelle des KFB. In dieser Lücke wurden die Frauenvereine aktiv. Noch vor der Gründungsversammlung am 12.12.1912 gleiste der KFB die ersten Aktivitäten auf. Das war beispielsweise die Hauspflege, die bereits im Februar 1913 ihre Dienste anbieten konnte. Zu den frühen Projekten gehörten auch Tagesheime für Kinder, die Gefangenenfürsorge und Kurse für Säuglingspflege.
Bald schon wurde der KFB auch im Bildungssektor aktiv. 1916 bot er die ersten Berufsberatungen für die weibliche Jugend an und vermittelte dazu Lehrstellen. Von 1919 bis 1977 führte der KFB eine Sprach- und Handelsschule. Auch in der Gesundheitsförderung betätigte sich der KFB. Der Eröffnung einer Trinkerfürsorgestelle folgte ein alkoholfreies Restaurant.
1958 zog der KFB nach einem Liegenschaftstausch vom Zerkindenhof am Nadelberg an den Nonnenweg 21 um. In der 1982 neu gebauten Liegenschaft befinden sich die Geschäftsstelle, die Beratungsstelle und das Begegnungszentrum. Der Vorteil der 1992 (wieder)eingeführten Beratungsstelle sei, dass sie sehr niederschwellig sei, betont Rita Giger. Das Angebot richtet sich an Frauen unabhängig von Alter, Zivilstand, Konfession, Religion oder Herkunft. Die Statistik der Jahres 2010 listet 147 Klientinnen und rund tausend Beratungsgespräche und telefonische Beratungen auf. «Die Beratungsstelle ist ausgelastet», berichtet Rita Giger. Für die Unterstützung von Frauen in einer finanziellen Notlage steht der Mütterhilfefonds zur Verfügung. Gespiesen wird er hauptsächlich durch Spenden aus der Aktion Muttertagslicht und durch Einnahmen aus dem Pastetli-Essen des KFB. Zusammen mit anderen Organisationen bildet der KFB die Kommission für Mütterferien, die auf Gesuch einer Beratungsstelle oder einer sozialen Institution Alleinerziehenden oder Familien mit drei und mehr Kindern für Ferien unter die Arme greift.
Regula Vogt-Kohler
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