Ausgabe 34, 20. bis 26. August 2011

Die Domorgel passt optisch und akustisch perfekt in den Raum. (Foto: Alois Schuler)Die Domorgel passt optisch und akustisch perfekt in den Raum. (Foto: Alois Schuler)

250 Jahre Silbermann-Orgel im Dom zu Arlesheim

Wie eine Stradivari unter den Geigen

Die 1761 gebaute Silbermann-Orgel im Arlesheimer Dom ist ein in der Schweiz einzigartiges Musikinstrument. Denn die Orgel besitzt auch 250 Jahre nach ihrer Einweihung noch viele Originalteile. Sie ist klanglich ein Juwel wie eine Stradivari unter den Geigen.

Mit Volkshochschulkursen im Vorfeld, fünf Konzerten am Jubiläumsabend und einem ganztägigen Pfarreifest begeht Arlesheim das 250-Jahr-Jubiläum der Silbermann-Orgel. Wer die Orgel im Arlesheimer Dom hört, merkt, warum der Name Silbermann so berühmt ist. Sie sei eine der schönsten der rund hundert von Vater und Sohn Silbermann gebauten Orgeln, meint Peter Koller, der schon rund vierzig Jahre Organist in Arlesheim ist. Jede einzelne Orgel der Strassburger Orgelbauer scheint ein Kunstwerk gewesen zu sein. Allerdings sind von den 34 von Vater Andreas gebauten Instrumenten nur noch zwei annähernd, von Sohn Johann Andreas, der in Arlesheim tätig war, gar keine mehr vollständig erhalten. Immerhin waren, als man 1959 in Arlesheim eine Restaurierung beschloss, im originalen Gehäuse noch die Windladen und gut die Hälfte der ursprünglichen Pfeifen vorhanden. Die Restauration von 1961 und weitere Arbeiten in den letzten Jahren haben der Orgel wieder ihren alten Klang verliehen. Kaum eine andere Silbermann-Orgel passe klanglich und optisch so ausgezeichnet in den Raum, in dem sie erklingt, ist Koller überzeugt.

Im 1691 eingeweihten Dom hatte man erst eine einmanualige und 1750 eine zweimanualige Orgel eingebaut. Als aber kurz darauf der bauliche Zustand des Domes eine umfassende Renovation erforderte, beauftragte das Domkapitel den berühmten Strassburger Orgelbauer Johann Andreas Silbermann mit dem Bau eines neuen Instruments.
Es sei die Bauweise der Pfeifen, die besondere Zinn-Blei-Legierung, die Wahl des Holzes, wohl auch die Form des Gehäuses, das ja mitschwinge und so wesentlich zum Wohlklang beitrage. All das mache aus dem Instrument etwas Besonderes. «Silbermann hatte das gewisse Etwas, was ihn über die meisten andern Orgelbauer erhebt», meint Koller.

1888 wurde die Orgel umgebaut und dem Musikgeschmack der Zeit angepasst. 1959 bis 1961 aber restaurierte man das Instrument weitgehend. Allerdings wurden im Pedal auch neue Register eingebaut. Damit können heute nicht nur die französischen Barockkompositionen von Dandrieu oder Couperin, sondern auch Werke von Bach oder Mendelssohn in ihrer ganzen Pracht erklingen. Kein Wunder erfreuen sich neben den Gottesdienstbesuchern auch regelmässig Konzertliebhaber am aussergewöhnlichen Klang der einzigen in der Schweiz erhaltenen Silbermann-Orgel im Dom zu Arlesheim.
Alois Schuler

Jubiläums-Orgelkonzerte am 29. August stündlich ab 18 Uhr.

www.arlesheim-dom.org

 

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